ReformARTion und TransformARTion Teil 2

„Kommen Sie, ich lade Sie ein, hier zu schreiben oder zu zeichnen, was Ihnen spontan einfällt zum Thema Vielfalt, Unsere Stadt, Unsere Zukunft, Eigene Wünsche und Träume….“ Mit etwa diesen Worten sprach ich am 23.September 2017 zur Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Woche in Fulda auf dem Bahnhofsvorplatz, viele, viele Menschen an, große und kleine, junge und alte.

„Ich kann nicht malen. Das hat mir mein Lehrer in der Schule

schon gesagt.“ Eine häufige Antwort, auch an diesem Tag. Eine Dame, mittleren Alters mit eben dieser Antwort bleibt am Stand des Kunstvereins stehen. „Ja,schlimm, wenn man schon als Kind die Lust dazu ausgetrieben bekommt. Das scheint leider ziemlich oft passiert zu sein- so oft, wie ich diese Antwort schon gehört habe.“ erwidere ich und füge hinzu: „Schade, denn schauen Sie mal, wieviel Spaß es macht“ und deute mit meinen Augen zu einem jungen Mädchen, das schon geraume Zeit am Tisch steht und völlig in sich versunken im Rhythmus der Musik Striche aufs Papier bringt, Beat für Beat. Sie hat eine Herzform aufs Papier gebracht hat und füllt diese mit den Strichen aus, solange die Musik läuft-also sehr lange.

Nach einer Weile, das Gespräch mit Dame ist beendet, das

Mädchen zeichnet inzwischen an der Litfaßsäule weiter und ich bin ein Stück weiter gegangen und mit meiner Aufmerksamkeit wieder ganz woanders, sehe ich sie doch im Augenwinkel: Halt, das ist doch die Dame, die nicht malen kann und jetzt auch nicht möchte. Ja, sie steht am Tisch, im Moment gerade ganz alleine und hat einen Stift in der Hand. Ich freue mich und habe ganz kurz den kindischen Gedanken, dass überall wo man heute warten muss, beim Amt, Arzt oder im Bürgerbüro, Papier und Stifte liegen sollten. Und zwar so

selbstverständlich, wie man Kindern Papier und Stifte darreicht:

„Du, es dauert noch ein Weilchen, aber hier kannst du malen,

wenn du magst.“ Wahrscheinlich wird sich meine Idee nicht durchsetzen. Heute freue ich mich, den Leuten beim Zeichnen ein bisschen zuschauen zu dürfen.

Nicht, was sie zeichnen, sondern ihren zufriedenen, konzentrierten Gesichtsausdruck zu erhaschen, das macht mich froh.


Eine Woche später: Mittlerweile habe ich einige Einzelaufnahmen gemacht:

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Waidesgrund-wie geht es weiter?

Vieles liegt noch im Dunkeln
Vieles liegt noch im Dunkeln

Im Gespräch der AGORA mit dem Stadtbaurat, Herrn Daniel Schreiner am 22.02.2017, kam zum Ausdruck, dass eine Bürgerbeteiligung am Bauvorhaben am Waidesgrund nicht vorgesehen war. Erfreulicherweise wurde dann in der darauf folgenden Zeit doch ein Instrument zur Bürgerbeteiligung vom Stadtplanungsamt erarbeitet: Von Mitte August bis Anfang September konnten alle Interessierten an einer Bürgerbefragung zum geplanten Bauvorhaben teilnehmen. Wer wollte, hatte hier die Möglichkeit,

sich ausführlich über eigene Vorstellungen äußern, hier sind die einzelnen Teilbereiche:· Wohnformen und Lebensstile·

Freiflächen und Übergänge

Soziale Infrastruktur und Nahversorgung

Verkehr und alltägliche Wege

Charakter und Besonderheiten

 Sonstiges

Obwohl ich diesen Fragebogen als sehr gelungen betrachte und als Geste sehr schätze, habe ich die Fragen dennoch nicht beantwortet. Das lag einerseits an der kurzen Zeitspanne- aber auch daran, dass die für mich wichtigsten Punkte überhaupt nicht berührt wurden.

Es gibt eben Standpunkte, die einfach nicht zusammenpassen. Als Beispiel dazu einen Auszug aus dem Gespräch der AGORA und dem Stadtbaurat Daniel Schreiner:

AGORA:…Wie soll man sich ein Mischkonzept aus sozialem Wohnungsbau und Kongresszentrum vorstellen? In unserer Vorstellung passt das schwer zusammen.

Schreiner: In meiner schon.

An dieser Stelle möchte ich mich am liebsten einklinken und bekomme dazu später sogar Gelegenheit, denn wie es der Zufall so will, treffe ich den Stadtbaurat einige Wochen später bei einer Veranstaltung in Fulda: Ich spreche ihn an, er nimmt sich Zeit für mich, hört genau zu und es entwickelt sich ein wirklich gutes Gespräch. Das Resultat dieses Gespräches ist für mich, dass ich nun seine Perspektive eher verstehen kann. Annähern kann ich mich seinem Blickwinkel dennoch nicht. Was ich unter dem Begriff Urbanität verstehe, sind „Ideale wie Bildung, Weltläufigkeit, feines Wesen und Höflichkeit“ (Wikipedia). Ich gehe auch konform mit vielem, was die politische Soziologie dazu an Erkenntnissen gewonnen hat: Edgar Salin z.B. bindet Urbanität an zwei Bedingungen: Bürgertugend und Mitwirkung der Bürger am Stadtregiment. Letzteres heißt durchgesetzte Demokratie.

(aus seinem Vortrag zur Eröffnung des Deutschen Städtetages1960)http://www-a.ibit.uni-oldenburg.de/bisdoc_redirect/publikationen/bisverlag/unireden/ur61/dokument.pdf

Herr Schreiner denkt nicht in solchen Grenzen wie ich, die ich mir ein Wohnen neben einer 10 Meter(?) hohen Mauer schlecht vorstellen kann: „Warum nicht public viewing von Fußballübertragungen?“ Für mich ist diese Vorstellung grässlich.

http://www.ardmediathek.de/tv/quer-mit-Christoph-S%C3%BC%C3%9F/Bauboom-bedroht-Kleing%C3%A4rten/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14912730&documentId=42028120

 

Meiner Meinung nach soll die Stadt Fulda die Finger von der

Kleingartenanlage lassen und diese stattdessen schützen. Der Ausgangspunkt für (sozialen) Wohnungsbau muss woanders verankert werden, Herr Schreiner!

Auszug aus dem AGORA-Interview:

„Schreiner: Der Anker bei der Bebauung des Geländes ist eine

bereits vorhandene Interessenlage des Investors, der verstärkt Indoor-Messen veranstalten möchte.“

 

In den nächsten Tagen schreibe ich weiter....

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Der Hauch über den Dingen

Zu den schönsten Geschichten, die ich je gelesen habe, gehört zweifellos auch: „ Der Mann, der Bäume pflanzte“ von JeanGiono. Es ist die Geschichte des Hirten Elzéard Bouffiers, der in seinem Leben unzählige Bäume pflanzte- scheinbar beiläufig und unauffällig. Doch am Ende seines Lebens waren durch sein beständiges Tun riesige Wälder entstanden….Auf die Frage, wo die von Elzéard Bouffier gepflanzten Wälder zu finden seien, antwortete Giono später: „ Wenn Sie nach Vergons gehen, werden Sie nichts sehen: Seit jener Zeit ist alles verändert und über den Haufen geworfen worden, um Silos für Atomraketen. Schießplätze und mehrere Ölreservoirs anzulegen. Sie werden nicht die Spur eines Andenkens an Elzéard Bouffier finden. Seien Sie zufrieden mit dem Text und mit dem Geist der Sache. Er hat sein Genügen in sich.“

Das erinnert mich an Christian Morgenstern:

"Der Hauch über den Dingen ist das Beste"

Warum mir das an dieser Stelle in den Sinn kommt? Keine Ahnung, vielleicht weil es einerseits zwar traurig ist, wie gedankenlos die Wälder des Hirten-sein Lebenswerk- einfach wieder zerstört wurden. Alles wurde  abgeholzt- obwohl seine lebenslangen Pflanzungen ein Segen für die gesamte Region war: Mit den Wäldern schwand allmählich die Dürre, es regnete, der Boden wurde wieder fruchtbar, es konnten wieder Menschen in den verlassenen Dörfern wohnen und von den Feld-und Ackerfrüchten leben. Heute also Silos für Atomraketen.

Doch: andererseits stimmt es auch, dass es letztendlich nicht so wichtig ist, was geschehen ist. Wirklich entscheidend ist der „Geist der Sache“. Wenn ein Mensch sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, kann er das auch erreichen, und zwar: ruhig, planvoll, geduldig, kontinuierlich und ohne sich von Zweifeln entmutigen zu lassen. Das Beispiel des Hirten wirkt auch einige Generationen nach ihm, der Geist lebt. Mir gefällt der Begriff „Hauch“ an dieser Stelle besser,warum, das erkläre ich in den nächsten Tagen- und natürlich auch, was das mit dem Klimawandel und den städtischem Grün zu tun hat.

Ist das nicht ein Fingerzeig?
Ist das nicht ein Fingerzeig?

Natürlich weiß ich dass nicht jeder mit der von mir verwendeten Metapher vom zeitlosen Geist etwas anfangen kann. Und bei manchen Menschen braucht es schon unglaublich viel Vorstellungskraft dafür, dass sie jemals von gutem Geist erfüllt oder wenigstens in minimalster Dosierung berührt werden. Im Mai dieses Jahres besuchte Donald Trump Papst Franziskus. Mit auf den Weg gab der Papst Trump auch seine 2017 veröffentlichte Friedensbotschaft sowie drei seiner Schreiben - darunter seine zweite Enzyklika „Laudato si'“, die sich mit dem Umwelt- und Klimaschutz befasst, ein Thema, bei dem Trumps und Franziskus' Positionen weit auseinander gehen, um es mal ganz gelinde auszudrücken. „Ich werde sie lesen“, sagte Trump. Nun muss ich zugeben, dass ich sehr daran zweifle, dass Trump „Laudato si“ so liest wie ich. Die Aktivisten von Greenpeace, die den Petersdom am Vorabend der Audienz mit der Aufschrift: „Planet Earth first“ anstrahlten, hatten wohl gute Gründe dafür, Herrn Trump diese Art von Erleuchtung, pardon Beleuchtung zu schenken. Der Präsident ist mit seinem Motto „America first“ wieder nach Hause gefahren. „Laudato si“ musste er einstecken. Mit der Lektüre ist er sicher noch nicht fertig.

Es hilft nichts, sein Augenmerk nur darauf zu richten, was nicht zu ändern ist.

. Besser ist es, sich auf das zu konzentrieren, was bereits gut läuft.

Eine Binsenweisheit- eigentlich…

In den nächsten Tagen geht's weiter... wie weiß ich auch nicht so recht. Vielleicht möchten Sie erst einmal hier weiterlesen:

Wie geht es weiter am Waidesgrund?

Die essbare Stadt (Barock statt Grün Teil 4)

Nachdem der Oberbürgermeister nicht auf meine „Stadtwette“ eingegangen ist und ich mich mir die Frage stellte: „Wem gehört eigentlich die Stadt?“, legte ich einen

kleinen vertikalen Garten an- mein erster bescheidener Beitrag, um das Klimaschutz-konzept der Stadt Fulda zu unterstützen. Von den Plänen, die Kleingartenanlage am Waidesgrund in ein Messegelände zu verwandeln, sind die Herren im Stadtschloss noch nicht abgekommen.

Inzwischen habe ich mich, soweit es meine Zeit erlaubte, in anderen Städten umgesehen:

Während mein Salat in meiner selbstgebauten Kleinstgartenanlage wächst, ist genügend Zeit, für einige Ausflüge, zum Beispiel nach Essen, der

„Grünen Hauptstadt Europas 2017“. Staunend wandle ich durch üppige

Industrienatur im Zollverein-Park auf dem UNESCO-Welterbe und versuche vergeblich, die Dimensionen der Geschichte zu erfassen. Ich stelle mir vor, mit dem Zug in-sagen wir mal- im Jahr 1957 durch den Ruhrpott zu fahren: Wie sah dieser Wohnort für 6 000 000 Menschen nach 120 000 000 Tonnen Kohle und

10 000 000 Tonnen Stahl aus? Vermutlich unsagbar dreckig, weil Landschaften und Städte mit Kohlestaub bedeckt waren.

„Die Vorstellung, dass hier Menschen leben, mag dem Fremden, der am Abteilfenster steht, phantastisch vorkommen, obwohl er die Menschen

sieht: auf Bahnsteigen, Straßen, Schulhöfen, am Küchenherd; er glaubt nicht an

diese Menschen, er hält sie für Phantome, für Verlorene, für Verdammte, Pathos,

Mitleid und ein wenig Verachtung mischen sich zu einem Gefühl, das sich in

einem Seufzer ausdrückt.“ (Heinrich Böll, Aufsätze, Kritiken, Reden, 1969)

In Bölls Aufsatz lebt das kleine Mädchen, das mit seinem Spielzeugeimer Wasser von der Küche in den Garten trägt, wieder und wieder. Es versucht, den Kohlestaub von den Blättern seiner Kartoffelpflanze zu waschen. Heute ist Gott sei Dank von dem Kohlestaub nichts mehr zu sehen, dafür gibt es sehr viel städtisches Grün: Mächtige Alleen ziehen sich durch die Arbeitersiedlungen, die Bezeichnung „Gartenstädte“ ist nicht übertrieben. Auffällig viele Häuser sind mit Wein bewachsen und jedes Haus ist eingebettet in einen üppig blühenden Garten. Und es gibt unzählige Parks, Gemeinschaftsgärten und Kleingartenanlagen:

„Gerade weil die ehemals größte Bergbaustadt über einen Zeitraum von 150 Jahren nachteilig in die Umwelt eingriff, mussten die Bürger im Gegenzug viele grüne Ideen entwickeln…“ (Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr-Museums über Essens Entwicklung zur Grünen Hauptstadt Europas)

„Nachdem sämtliche Baumbestände der Holzkohleproduktion zum Opfer gefallen waren, gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im gesamten Stadtgebiet nahezu keine öffentlichen Wälder. Heute verfügt die ehemalige Industriestadt über 1.750 Hektar Forst und etwa 95 Prozent der Essener können in 300 Meter Entfernung eine öffentliche Grünanlage mit einer Größe von 5.000 Quadratmetern finden.“ (Prof. Heinrich Theodor Grütter) Das Umdenken entwickelte sich also zwangsläufig, nachdem ganze Wälder als Stützmaterial in den Tiefen verschwunden und zur Energiegewinnung verkohlt worden sind.

Die Lebenserwartung der Menschen war gering, die Lebensbedingungen

katastrophal, jedenfalls aus unserer heutigen Sicht. Ich bin jedenfalls sehr froh,

in der heutigen Zeit zu leben, in einer Zeit, wo das Umweltbewusstsein so weit entwickelt ist, dass ich mich auf bestehende Gesetze berufen kann und Richtlinien für nachhaltiges Handeln vom von Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit veröffentlicht werden (Grünbuch Stadtgrün, Dr. Barbara Hendricks.) Das ist eine Reiselektüre, die vorzüglich zu meinem Thema passt: „Die gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung der Welt im Sinne einer ganzheitlich verstandenen Nachhaltigkeit ist eine urbane Aufgabe, denn die vorherrschende Lebensform der Zukunft wird städtisch sein.“ Von Essen zurück nach Fulda habe ich also unzählige

Eindrücke und eine gehörige Ladung optimistische Grundstimmung im Gepäck.

Den Aspekt der Ewigkeitskosten (https://www.bund.net/aktuelles/detail-aktuelles/news/wer-zahlt-die-ewigkeitskosten-der-atomenergie/))

lasse ich hier unberücksichtigt, mir geht es hier und jetzt lediglich um das städtische Grün. Wenn es möglich ist, derartig geschundene Mondlandschaften wie im Ruhrpott wieder in blühende grünende Landschaften zu verwandeln, wird es wohl auch möglich sein, 3 Hektar Ausgleichsfläche zu finden, denn so groß ist die Fläche der Kleingartenanlage, welche einer geplanten Messe, Parkplätzen und ein paar Wohnungen weichen soll (siehe: Barock statt Grün) 

 

„Definition Stadtgrün

Stadtgrün umfasst alle Formen grüner Freiräume und begrünter Gebäude. Zu den Grünflächen zählen Parkanlagen, Friedhöfe, Kleingärten, Brachflächen, Spielbereiche und Spielplätze, Sportflächen, Straßen-grün und Straßenbäume, Siedlungsgrün, Grünflächen an öffentlichen Gebäuden, Naturschutzflächen, Wald und weitere Freiräume, die zur Gliederung und Gestaltung der Stadt entwickelt, erhalten und gepflegt werden müssen. Auch private Gärten und landwirtschaftliche Nutzflächen sind ein wesentlicher Teil des Grüns in den Städten. Auch das Bauwerksgrün mit Fassaden- und Dachgrün, Innenraumbegrünung sowie Pflanzen an und auf Infrastruktureinrichtungen gehören dazu. Alle diese Formen des städtischen Grüns werden auch als „Grüne Infrastruktur“ bezeichnet, da sie – vergleichbar mit der „grauen Infrastruktur“ - zahlreiche wirtschaftliche, soziale und ökologische Leistungen erbringen.“ (Grünbuch Stadtgrün, herausgegeben von Bundesministerin für

Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Dr. Barbara Hendricks.)

 

Die essbare Stadt (Barock statt Grün Teil 3)

Dies ist die Fortsetzung von "Barock statt Grün Teil 2""

Da die Flächen auf dieser Welt und vor allem in den Städten begrenzt sind, und Ausgleichsflächen rar sind, liegt eine Bepflanzung in die Vertikale nahe. Somit bekommt der Begriff „Kleingartenanlage“ auch eine neue Bedeutung. Wenn man schon mal dabei ist, warum nicht gleich etwas

pflanzen, das essbar ist? Eine essbare Stadt ist nur möglich, wenn viele

Menschen mitmachen. Zum Glück gibt es in Fulda schon eine ganz tolle Basis: Bei den Zeppelingärtnern kann jeder das Gärtnern ausprobieren, auch wer einfach nur mal reinschnuppern möchte, ist herzlich willkommen. Die Zeppelingärtner können mittlerweile auf 5 Jahre Erfahrung zurückgreifen und es ist eine Freude, das Wachsen und Gedeihen dieser Initiative zu betrachten. Für mich bleibt es zunächst bei der wohlwollenden Betrachtung, denn zur Mitarbeit lässt mir mein eigener Garten keine Zeit. Dennoch möchte ich von meiner Warte aus an der essbaren Stadt mitarbeiten. In dieser Gartensaison habe ich einen Versuch gestartet:

Wieviel Nahrung kann ich auf kleinstem Raum anbauen? Diesen Aspekt finde ich ebenso wichtig wie städtisches Grün für ein gutes Stadtklima. Mein neuer vertikaler Garten ist etwa 2 Quadratmeter groß, und besteht aus einem

alten Bettgestell, ein paar Querstreben (auch Reste von irgendwas). Die Töpfe habe ich im Sperrmüll und im Sozialkaufhaus gefunden. Wem das zu schrottig ist, der achte bitte auf den goldenen Topf in die

rechte obere Bildhälfte! Ich verwende aus Prinzip alte und gebrauchte Dinge,

und ich bin überzeugt davon, dass mein vertikaler Garten wunderschön wird,

sobald er vollständig bepflanzt ist. Ein Platz für Grün findet sich auf kleinstem Raum.

Platz für Grün findet sich auf dem kleinsten Raum
Platz für Grün findet sich auf dem kleinsten Raum

Ideen und deren Ausführung gelingen am besten gemeinsam, denn ich kann zum Beispiel nicht schweißen. Ja, wenn zwei oder dreizusammen sind…

Vielleicht entsteht ja gerade eine neue, vertikale Kleingartenanlage und meine 2 Quadratmeter sind nur ein Teil davon.

Fortsetzung folgt bald.


Die höfliche, aber vollkommen nutzlose Antwort des Bürgermeisters lässt mich mit der Frage zurück:

Wie soll ich jetzt weitermachen? Natürlich möchte ich dabei helfen, den Verlust an Grünflächen zu kompensieren. Nun kann ich ja nicht einfach die Bäume ins Rathaus tragen, oder vielmehr ins Stadtschloss. Sollte ich eventuell erst mal selber ein paar geeignete Standorte für Baumpflanzungen vorschlagen? Bei drei Hektar Grünfläche bin ich da als Privatperson ziemlich überfordert. Die Idee, das Ganze als Spiel zu betrachten, kam mir beim Lesen des Vorwortes zum Klimaschutzkonzept.

Dort beschreibt Cornelia Zuschke ihre Vorstellung vom Klimaschutz als eine

Aufgabe, die die gesamte Gesellschaft durchsetzen soll, aber auch ALLE erfordert: „Je mehr Aktivitäten und Aktions-kreise sich in privater oder verwaltungsferner Trägerschaft verselbständigen, umso größer wird die Gemeinschaft, die sich am Klimaschutz in unserer Stadt beteiligt und sich verantwortlich fühlt.“ Sie sieht das Konzept als Impuls für Fulda und wünscht sich und uns ein nachhaltiges Echo.

Stell Dir vor, Du wärst plötzlich nicht mehr allein, sondern es wären noch mehr Menschen um dich herum, die sagen: Nein, so will ich es nicht, sondern anders- im konkreten Fall also:

Nein, wir wollen die Gartenanlage Waidesgrund erhalten und wir wollen

Ausgleichspflanzungen für das Bauprojekt im Galgengraben.

Und bezahlbaren

Wohnraum wollen wir auch.

Wie gesagt, verändert das Spiel das Denken. Wenn es uns gelingt, gewohnte und vertraute Denkstrukturen zu verlassen, können wir alles Mögliche in Gedanken durchspielen. Wer hat sich noch nicht vorgestellt, im Lotto zu gewinnen und das Spiel „.wenn ich unabhängig und frei wäre, dann würde ich…“ zu spielen. Wer schon einmal in Gedanken durchgespielt hat, ein paar Millionen mehr oder weniger sinnvoll auszugeben, anzulegen, weiterzugeben, kennt auch den lustvollen Aspekt solcher Gedankenspiele. Sich vorzustellen, tun zu können, was man will, wirkt unheimlich beflügelnd und begeisternd. Ich empfehle solche Fantasieübungen regelmäßig zu betreiben (am besten mittels Kunst oder Gärtnern) und sich einen Teil der Begeisterung mit in den Alltag zu nehmen.

Was das mit Kommunalpolitik zu tun hat?

Wenn ich beginne, gedanklich die Trennung zwischen „denen da oben“ und „denen da unten, (mich selbst eingeschlossen)“ aufhebe, erkenne ich im besten Fall eigene Handlungsoptionen, denen zunächst eine klarere Wahrnehmung und eine deutliche Positionierung vorausgeht.

Das reizvolle am Spiel ist, dass mir ganz überraschend gangbare Wege bewusst werden, sobald ich mich auf den Weg begebe, “zu denken wohin und soweit ich will“ (Ernst Jandl) In meinem Garten befinden sich derzeit etwa 20 „Baummieter“, die auf ein neues Zuhause warten. Zuerst dachte ich an eine Rubrik „Suche Platz zum Wurzeln, biete Luft und Schatten“,

was mir allerdings schnell zu kommerziell erschien. Genaugenommen ist jeder Baum ein Geschenk, wir leben ja schließlich nicht in einem grenzenlosen

Rohstofflager. Warum sie also nicht verschenken? Also bin ich derzeit dabei,

alle Bäumchen in eine unwiderstehliche Geschenkverpackung zu hüllen und mir

genau zu überlegen, wem ich so ein Geschenk zukommen lasse. Ich habe da schon ein paar Ideen, ich halte Sie auf dem Laufenden.... 

ReformARTion und TransformARTion Teil 2

„Kommen Sie, ich lade Sie ein, hier zu schreiben oder zu zeichnen, was Ihnen spontan einfällt zum Thema Vielfalt, Unsere Stadt, Unsere Zukunft, Eigene Wünsche und Träume….“ Mit etwa diesen Worten sprach ich am 23.September 2017 zur Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Woche in Fulda auf dem Bahnhofsvorplatz, viele, viele Menschen an, große und kleine, junge und alte.

„Ich kann nicht malen. Das hat mir mein Lehrer in der Schule

schon gesagt.“ Eine häufige Antwort, auch an diesem Tag. Eine Dame, mittleren Alters mit eben dieser Antwort bleibt am Stand des Kunstvereins stehen. „Ja,schlimm, wenn man schon als Kind die Lust dazu ausgetrieben bekommt. Das scheint leider ziemlich oft passiert zu sein- so oft, wie ich diese Antwort schon gehört habe.“ erwidere ich und füge hinzu: „Schade, denn schauen Sie mal, wieviel Spaß es macht“ und deute mit meinen Augen zu einem jungen Mädchen, das schon geraume Zeit am Tisch steht und völlig in sich versunken im Rhythmus der Musik Striche aufs Papier bringt, Beat für Beat. Sie hat eine Herzform aufs Papier gebracht hat und füllt diese mit den Strichen aus, solange die Musik läuft-also sehr lange.

Nach einer Weile, das Gespräch mit Dame ist beendet, das

Mädchen zeichnet inzwischen an der Litfaßsäule weiter und ich bin ein Stück weiter gegangen und mit meiner Aufmerksamkeit wieder ganz woanders, sehe ich sie doch im Augenwinkel: Halt, das ist doch die Dame, die nicht malen kann und jetzt auch nicht möchte. Ja, sie steht am Tisch, im Moment gerade ganz alleine und hat einen Stift in der Hand. Ich freue mich und habe ganz kurz den kindischen Gedanken, dass überall wo man heute warten muss, beim Amt, Arzt oder im Bürgerbüro, Papier und Stifte liegen sollten. Und zwar so

selbstverständlich, wie man Kindern Papier und Stifte darreicht:

„Du, es dauert noch ein Weilchen, aber hier kannst du malen,

wenn du magst.“ Wahrscheinlich wird sich meine Idee nicht durchsetzen. Heute freue ich mich, den Leuten beim Zeichnen ein bisschen zuschauen zu dürfen.

Nicht, was sie zeichnen, sondern ihren zufriedenen, konzentrierten Gesichtsausdruck zu erhaschen, das macht mich froh.


Eine Woche später: Mittlerweile habe ich einige Einzelaufnahmen gemacht:

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Waidesgrund-wie geht es weiter?

Vieles liegt noch im Dunkeln
Vieles liegt noch im Dunkeln

Im Gespräch der AGORA mit dem Stadtbaurat, Herrn Daniel Schreiner am 22.02.2017, kam zum Ausdruck, dass eine Bürgerbeteiligung am Bauvorhaben am Waidesgrund nicht vorgesehen war. Erfreulicherweise wurde dann in der darauf folgenden Zeit doch ein Instrument zur Bürgerbeteiligung vom Stadtplanungsamt erarbeitet: Von Mitte August bis Anfang September konnten alle Interessierten an einer Bürgerbefragung zum geplanten Bauvorhaben teilnehmen. Wer wollte, hatte hier die Möglichkeit,

sich ausführlich über eigene Vorstellungen äußern, hier sind die einzelnen Teilbereiche:· Wohnformen und Lebensstile·

Freiflächen und Übergänge

Soziale Infrastruktur und Nahversorgung

Verkehr und alltägliche Wege

Charakter und Besonderheiten

 Sonstiges

Obwohl ich diesen Fragebogen als sehr gelungen betrachte und als Geste sehr schätze, habe ich die Fragen dennoch nicht beantwortet. Das lag einerseits an der kurzen Zeitspanne- aber auch daran, dass die für mich wichtigsten Punkte überhaupt nicht berührt wurden.

Es gibt eben Standpunkte, die einfach nicht zusammenpassen. Als Beispiel dazu einen Auszug aus dem Gespräch der AGORA und dem Stadtbaurat Daniel Schreiner:

AGORA:…Wie soll man sich ein Mischkonzept aus sozialem Wohnungsbau und Kongresszentrum vorstellen? In unserer Vorstellung passt das schwer zusammen.

Schreiner: In meiner schon.

An dieser Stelle möchte ich mich am liebsten einklinken und bekomme dazu später sogar Gelegenheit, denn wie es der Zufall so will, treffe ich den Stadtbaurat einige Wochen später bei einer Veranstaltung in Fulda: Ich spreche ihn an, er nimmt sich Zeit für mich, hört genau zu und es entwickelt sich ein wirklich gutes Gespräch. Das Resultat dieses Gespräches ist für mich, dass ich nun seine Perspektive eher verstehen kann. Annähern kann ich mich seinem Blickwinkel dennoch nicht. Was ich unter dem Begriff Urbanität verstehe, sind „Ideale wie Bildung, Weltläufigkeit, feines Wesen und Höflichkeit“ (Wikipedia). Ich gehe auch konform mit vielem, was die politische Soziologie dazu an Erkenntnissen gewonnen hat: Edgar Salin z.B. bindet Urbanität an zwei Bedingungen: Bürgertugend und Mitwirkung der Bürger am Stadtregiment. Letzteres heißt durchgesetzte Demokratie.

(aus seinem Vortrag zur Eröffnung des Deutschen Städtetages1960)http://www-a.ibit.uni-oldenburg.de/bisdoc_redirect/publikationen/bisverlag/unireden/ur61/dokument.pdf

Herr Schreiner denkt nicht in solchen Grenzen wie ich, die ich mir ein Wohnen neben einer 10 Meter(?) hohen Mauer schlecht vorstellen kann: „Warum nicht public viewing von Fußballübertragungen?“ Für mich ist diese Vorstellung grässlich.

http://www.ardmediathek.de/tv/quer-mit-Christoph-S%C3%BC%C3%9F/Bauboom-bedroht-Kleing%C3%A4rten/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14912730&documentId=42028120

 

Meiner Meinung nach soll die Stadt Fulda die Finger von der

Kleingartenanlage lassen und diese stattdessen schützen. Der Ausgangspunkt für (sozialen) Wohnungsbau muss woanders verankert werden, Herr Schreiner!

Auszug aus dem AGORA-Interview:

„Schreiner: Der Anker bei der Bebauung des Geländes ist eine

bereits vorhandene Interessenlage des Investors, der verstärkt Indoor-Messen veranstalten möchte.“

 

In den nächsten Tagen schreibe ich weiter....

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Der Hauch über den Dingen

Zu den schönsten Geschichten, die ich je gelesen habe, gehört zweifellos auch: „ Der Mann, der Bäume pflanzte“ von JeanGiono. Es ist die Geschichte des Hirten Elzéard Bouffiers, der in seinem Leben unzählige Bäume pflanzte- scheinbar beiläufig und unauffällig. Doch am Ende seines Lebens waren durch sein beständiges Tun riesige Wälder entstanden….Auf die Frage, wo die von Elzéard Bouffier gepflanzten Wälder zu finden seien, antwortete Giono später: „ Wenn Sie nach Vergons gehen, werden Sie nichts sehen: Seit jener Zeit ist alles verändert und über den Haufen geworfen worden, um Silos für Atomraketen. Schießplätze und mehrere Ölreservoirs anzulegen. Sie werden nicht die Spur eines Andenkens an Elzéard Bouffier finden. Seien Sie zufrieden mit dem Text und mit dem Geist der Sache. Er hat sein Genügen in sich.“

Das erinnert mich an Christian Morgenstern:

"Der Hauch über den Dingen ist das Beste"

Warum mir das an dieser Stelle in den Sinn kommt? Keine Ahnung, vielleicht weil es einerseits zwar traurig ist, wie gedankenlos die Wälder des Hirten-sein Lebenswerk- einfach wieder zerstört wurden. Alles wurde  abgeholzt- obwohl seine lebenslangen Pflanzungen ein Segen für die gesamte Region war: Mit den Wäldern schwand allmählich die Dürre, es regnete, der Boden wurde wieder fruchtbar, es konnten wieder Menschen in den verlassenen Dörfern wohnen und von den Feld-und Ackerfrüchten leben. Heute also Silos für Atomraketen.

Doch: andererseits stimmt es auch, dass es letztendlich nicht so wichtig ist, was geschehen ist. Wirklich entscheidend ist der „Geist der Sache“. Wenn ein Mensch sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, kann er das auch erreichen, und zwar: ruhig, planvoll, geduldig, kontinuierlich und ohne sich von Zweifeln entmutigen zu lassen. Das Beispiel des Hirten wirkt auch einige Generationen nach ihm, der Geist lebt. Mir gefällt der Begriff „Hauch“ an dieser Stelle besser,warum, das erkläre ich in den nächsten Tagen- und natürlich auch, was das mit dem Klimawandel und den städtischem Grün zu tun hat.

Ist das nicht ein Fingerzeig?
Ist das nicht ein Fingerzeig?

Natürlich weiß ich dass nicht jeder mit der von mir verwendeten Metapher vom zeitlosen Geist etwas anfangen kann. Und bei manchen Menschen braucht es schon unglaublich viel Vorstellungskraft dafür, dass sie jemals von gutem Geist erfüllt oder wenigstens in minimalster Dosierung berührt werden. Im Mai dieses Jahres besuchte Donald Trump Papst Franziskus. Mit auf den Weg gab der Papst Trump auch seine 2017 veröffentlichte Friedensbotschaft sowie drei seiner Schreiben - darunter seine zweite Enzyklika „Laudato si'“, die sich mit dem Umwelt- und Klimaschutz befasst, ein Thema, bei dem Trumps und Franziskus' Positionen weit auseinander gehen, um es mal ganz gelinde auszudrücken. „Ich werde sie lesen“, sagte Trump. Nun muss ich zugeben, dass ich sehr daran zweifle, dass Trump „Laudato si“ so liest wie ich. Die Aktivisten von Greenpeace, die den Petersdom am Vorabend der Audienz mit der Aufschrift: „Planet Earth first“ anstrahlten, hatten wohl gute Gründe dafür, Herrn Trump diese Art von Erleuchtung, pardon Beleuchtung zu schenken. Der Präsident ist mit seinem Motto „America first“ wieder nach Hause gefahren. „Laudato si“ musste er einstecken. Mit der Lektüre ist er sicher noch nicht fertig.

Es hilft nichts, sein Augenmerk nur darauf zu richten, was nicht zu ändern ist.

. Besser ist es, sich auf das zu konzentrieren, was bereits gut läuft.

Eine Binsenweisheit- eigentlich…

In den nächsten Tagen geht's weiter... wie weiß ich auch nicht so recht. Vielleicht möchten Sie erst einmal hier weiterlesen:

Wie geht es weiter am Waidesgrund?

Die essbare Stadt (Barock statt Grün Teil 4)

Nachdem der Oberbürgermeister nicht auf meine „Stadtwette“ eingegangen ist und ich mich mir die Frage stellte: „Wem gehört eigentlich die Stadt?“, legte ich einen

kleinen vertikalen Garten an- mein erster bescheidener Beitrag, um das Klimaschutz-konzept der Stadt Fulda zu unterstützen. Von den Plänen, die Kleingartenanlage am Waidesgrund in ein Messegelände zu verwandeln, sind die Herren im Stadtschloss noch nicht abgekommen.

Inzwischen habe ich mich, soweit es meine Zeit erlaubte, in anderen Städten umgesehen:

Während mein Salat in meiner selbstgebauten Kleinstgartenanlage wächst, ist genügend Zeit, für einige Ausflüge, zum Beispiel nach Essen, der

„Grünen Hauptstadt Europas 2017“. Staunend wandle ich durch üppige

Industrienatur im Zollverein-Park auf dem UNESCO-Welterbe und versuche vergeblich, die Dimensionen der Geschichte zu erfassen. Ich stelle mir vor, mit dem Zug in-sagen wir mal- im Jahr 1957 durch den Ruhrpott zu fahren: Wie sah dieser Wohnort für 6 000 000 Menschen nach 120 000 000 Tonnen Kohle und

10 000 000 Tonnen Stahl aus? Vermutlich unsagbar dreckig, weil Landschaften und Städte mit Kohlestaub bedeckt waren.

„Die Vorstellung, dass hier Menschen leben, mag dem Fremden, der am Abteilfenster steht, phantastisch vorkommen, obwohl er die Menschen

sieht: auf Bahnsteigen, Straßen, Schulhöfen, am Küchenherd; er glaubt nicht an

diese Menschen, er hält sie für Phantome, für Verlorene, für Verdammte, Pathos,

Mitleid und ein wenig Verachtung mischen sich zu einem Gefühl, das sich in

einem Seufzer ausdrückt.“ (Heinrich Böll, Aufsätze, Kritiken, Reden, 1969)

In Bölls Aufsatz lebt das kleine Mädchen, das mit seinem Spielzeugeimer Wasser von der Küche in den Garten trägt, wieder und wieder. Es versucht, den Kohlestaub von den Blättern seiner Kartoffelpflanze zu waschen. Heute ist Gott sei Dank von dem Kohlestaub nichts mehr zu sehen, dafür gibt es sehr viel städtisches Grün: Mächtige Alleen ziehen sich durch die Arbeitersiedlungen, die Bezeichnung „Gartenstädte“ ist nicht übertrieben. Auffällig viele Häuser sind mit Wein bewachsen und jedes Haus ist eingebettet in einen üppig blühenden Garten. Und es gibt unzählige Parks, Gemeinschaftsgärten und Kleingartenanlagen:

„Gerade weil die ehemals größte Bergbaustadt über einen Zeitraum von 150 Jahren nachteilig in die Umwelt eingriff, mussten die Bürger im Gegenzug viele grüne Ideen entwickeln…“ (Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr-Museums über Essens Entwicklung zur Grünen Hauptstadt Europas)

„Nachdem sämtliche Baumbestände der Holzkohleproduktion zum Opfer gefallen waren, gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im gesamten Stadtgebiet nahezu keine öffentlichen Wälder. Heute verfügt die ehemalige Industriestadt über 1.750 Hektar Forst und etwa 95 Prozent der Essener können in 300 Meter Entfernung eine öffentliche Grünanlage mit einer Größe von 5.000 Quadratmetern finden.“ (Prof. Heinrich Theodor Grütter) Das Umdenken entwickelte sich also zwangsläufig, nachdem ganze Wälder als Stützmaterial in den Tiefen verschwunden und zur Energiegewinnung verkohlt worden sind.

Die Lebenserwartung der Menschen war gering, die Lebensbedingungen

katastrophal, jedenfalls aus unserer heutigen Sicht. Ich bin jedenfalls sehr froh,

in der heutigen Zeit zu leben, in einer Zeit, wo das Umweltbewusstsein so weit entwickelt ist, dass ich mich auf bestehende Gesetze berufen kann und Richtlinien für nachhaltiges Handeln vom von Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit veröffentlicht werden (Grünbuch Stadtgrün, Dr. Barbara Hendricks.) Das ist eine Reiselektüre, die vorzüglich zu meinem Thema passt: „Die gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung der Welt im Sinne einer ganzheitlich verstandenen Nachhaltigkeit ist eine urbane Aufgabe, denn die vorherrschende Lebensform der Zukunft wird städtisch sein.“ Von Essen zurück nach Fulda habe ich also unzählige

Eindrücke und eine gehörige Ladung optimistische Grundstimmung im Gepäck.

Den Aspekt der Ewigkeitskosten (https://www.bund.net/aktuelles/detail-aktuelles/news/wer-zahlt-die-ewigkeitskosten-der-atomenergie/))

lasse ich hier unberücksichtigt, mir geht es hier und jetzt lediglich um das städtische Grün. Wenn es möglich ist, derartig geschundene Mondlandschaften wie im Ruhrpott wieder in blühende grünende Landschaften zu verwandeln, wird es wohl auch möglich sein, 3 Hektar Ausgleichsfläche zu finden, denn so groß ist die Fläche der Kleingartenanlage, welche einer geplanten Messe, Parkplätzen und ein paar Wohnungen weichen soll (siehe: Barock statt Grün) 

 

„Definition Stadtgrün

Stadtgrün umfasst alle Formen grüner Freiräume und begrünter Gebäude. Zu den Grünflächen zählen Parkanlagen, Friedhöfe, Kleingärten, Brachflächen, Spielbereiche und Spielplätze, Sportflächen, Straßen-grün und Straßenbäume, Siedlungsgrün, Grünflächen an öffentlichen Gebäuden, Naturschutzflächen, Wald und weitere Freiräume, die zur Gliederung und Gestaltung der Stadt entwickelt, erhalten und gepflegt werden müssen. Auch private Gärten und landwirtschaftliche Nutzflächen sind ein wesentlicher Teil des Grüns in den Städten. Auch das Bauwerksgrün mit Fassaden- und Dachgrün, Innenraumbegrünung sowie Pflanzen an und auf Infrastruktureinrichtungen gehören dazu. Alle diese Formen des städtischen Grüns werden auch als „Grüne Infrastruktur“ bezeichnet, da sie – vergleichbar mit der „grauen Infrastruktur“ - zahlreiche wirtschaftliche, soziale und ökologische Leistungen erbringen.“ (Grünbuch Stadtgrün, herausgegeben von Bundesministerin für

Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Dr. Barbara Hendricks.)

 

Die essbare Stadt (Barock statt Grün Teil 3)

Dies ist die Fortsetzung von "Barock statt Grün Teil 2""

Da die Flächen auf dieser Welt und vor allem in den Städten begrenzt sind, und Ausgleichsflächen rar sind, liegt eine Bepflanzung in die Vertikale nahe. Somit bekommt der Begriff „Kleingartenanlage“ auch eine neue Bedeutung. Wenn man schon mal dabei ist, warum nicht gleich etwas

pflanzen, das essbar ist? Eine essbare Stadt ist nur möglich, wenn viele

Menschen mitmachen. Zum Glück gibt es in Fulda schon eine ganz tolle Basis: Bei den Zeppelingärtnern kann jeder das Gärtnern ausprobieren, auch wer einfach nur mal reinschnuppern möchte, ist herzlich willkommen. Die Zeppelingärtner können mittlerweile auf 5 Jahre Erfahrung zurückgreifen und es ist eine Freude, das Wachsen und Gedeihen dieser Initiative zu betrachten. Für mich bleibt es zunächst bei der wohlwollenden Betrachtung, denn zur Mitarbeit lässt mir mein eigener Garten keine Zeit. Dennoch möchte ich von meiner Warte aus an der essbaren Stadt mitarbeiten. In dieser Gartensaison habe ich einen Versuch gestartet:

Wieviel Nahrung kann ich auf kleinstem Raum anbauen? Diesen Aspekt finde ich ebenso wichtig wie städtisches Grün für ein gutes Stadtklima. Mein neuer vertikaler Garten ist etwa 2 Quadratmeter groß, und besteht aus einem

alten Bettgestell, ein paar Querstreben (auch Reste von irgendwas). Die Töpfe habe ich im Sperrmüll und im Sozialkaufhaus gefunden. Wem das zu schrottig ist, der achte bitte auf den goldenen Topf in die

rechte obere Bildhälfte! Ich verwende aus Prinzip alte und gebrauchte Dinge,

und ich bin überzeugt davon, dass mein vertikaler Garten wunderschön wird,

sobald er vollständig bepflanzt ist. Ein Platz für Grün findet sich auf kleinstem Raum.

Platz für Grün findet sich auf dem kleinsten Raum
Platz für Grün findet sich auf dem kleinsten Raum

Ideen und deren Ausführung gelingen am besten gemeinsam, denn ich kann zum Beispiel nicht schweißen. Ja, wenn zwei oder dreizusammen sind…

Vielleicht entsteht ja gerade eine neue, vertikale Kleingartenanlage und meine 2 Quadratmeter sind nur ein Teil davon.

Fortsetzung folgt bald.


Die höfliche, aber vollkommen nutzlose Antwort des Bürgermeisters lässt mich mit der Frage zurück:

Wie soll ich jetzt weitermachen? Natürlich möchte ich dabei helfen, den Verlust an Grünflächen zu kompensieren. Nun kann ich ja nicht einfach die Bäume ins Rathaus tragen, oder vielmehr ins Stadtschloss. Sollte ich eventuell erst mal selber ein paar geeignete Standorte für Baumpflanzungen vorschlagen? Bei drei Hektar Grünfläche bin ich da als Privatperson ziemlich überfordert. Die Idee, das Ganze als Spiel zu betrachten, kam mir beim Lesen des Vorwortes zum Klimaschutzkonzept.

Dort beschreibt Cornelia Zuschke ihre Vorstellung vom Klimaschutz als eine

Aufgabe, die die gesamte Gesellschaft durchsetzen soll, aber auch ALLE erfordert: „Je mehr Aktivitäten und Aktions-kreise sich in privater oder verwaltungsferner Trägerschaft verselbständigen, umso größer wird die Gemeinschaft, die sich am Klimaschutz in unserer Stadt beteiligt und sich verantwortlich fühlt.“ Sie sieht das Konzept als Impuls für Fulda und wünscht sich und uns ein nachhaltiges Echo.

Stell Dir vor, Du wärst plötzlich nicht mehr allein, sondern es wären noch mehr Menschen um dich herum, die sagen: Nein, so will ich es nicht, sondern anders- im konkreten Fall also:

Nein, wir wollen die Gartenanlage Waidesgrund erhalten und wir wollen

Ausgleichspflanzungen für das Bauprojekt im Galgengraben.

Und bezahlbaren

Wohnraum wollen wir auch.

Wie gesagt, verändert das Spiel das Denken. Wenn es uns gelingt, gewohnte und vertraute Denkstrukturen zu verlassen, können wir alles Mögliche in Gedanken durchspielen. Wer hat sich noch nicht vorgestellt, im Lotto zu gewinnen und das Spiel „.wenn ich unabhängig und frei wäre, dann würde ich…“ zu spielen. Wer schon einmal in Gedanken durchgespielt hat, ein paar Millionen mehr oder weniger sinnvoll auszugeben, anzulegen, weiterzugeben, kennt auch den lustvollen Aspekt solcher Gedankenspiele. Sich vorzustellen, tun zu können, was man will, wirkt unheimlich beflügelnd und begeisternd. Ich empfehle solche Fantasieübungen regelmäßig zu betreiben (am besten mittels Kunst oder Gärtnern) und sich einen Teil der Begeisterung mit in den Alltag zu nehmen.

Was das mit Kommunalpolitik zu tun hat?

Wenn ich beginne, gedanklich die Trennung zwischen „denen da oben“ und „denen da unten, (mich selbst eingeschlossen)“ aufhebe, erkenne ich im besten Fall eigene Handlungsoptionen, denen zunächst eine klarere Wahrnehmung und eine deutliche Positionierung vorausgeht.

Das reizvolle am Spiel ist, dass mir ganz überraschend gangbare Wege bewusst werden, sobald ich mich auf den Weg begebe, “zu denken wohin und soweit ich will“ (Ernst Jandl) In meinem Garten befinden sich derzeit etwa 20 „Baummieter“, die auf ein neues Zuhause warten. Zuerst dachte ich an eine Rubrik „Suche Platz zum Wurzeln, biete Luft und Schatten“,

was mir allerdings schnell zu kommerziell erschien. Genaugenommen ist jeder Baum ein Geschenk, wir leben ja schließlich nicht in einem grenzenlosen

Rohstofflager. Warum sie also nicht verschenken? Also bin ich derzeit dabei,

alle Bäumchen in eine unwiderstehliche Geschenkverpackung zu hüllen und mir

genau zu überlegen, wem ich so ein Geschenk zukommen lasse. Ich habe da schon ein paar Ideen, ich halte Sie auf dem Laufenden.... 

Barock statt Grün Teil 2

wem GEHÖRT DIE Stadt ?

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Barock statt Grün? Teil 1

Ich wette nicht gern. Aber manchmal muss es doch sein. Und weil eine Wette ein Spiel mit unvorhersehbarem Ausgang ist, veröffentliche ich den Spielverlauf hier, bei Playing Arts. Die Spielzeit ist langfristig angelegt, über Unterstützung, zum Beispiel der Aufzucht von Bäumen, würde ich mich sehr freuen.

mehr lesen 0 Kommentare

ReformARTion und TransformARTion Teil 2

Die Litfaßsäule habe ich gebaut, um sie als Medium zur Kommunikation nutzen zu können, schrieb ich vor ein paar Wochen. Diese Erklärung möchte ich näher analysieren, denn ich habe seitdem viel über die Art und Weise des Kommunikationsverlaufs während dieser Aktion nachgedacht. Dabei erkannte ich eine wesentliche Grundstruktur: Ich biete meinem Gegenüber wechselnde Medien wie verschiedene Spielzeuge an und hoffe, dass ich die richtige Wahlgetroffen habe. Selten entwickelt sich hierbei auch nur annähernd das Maß an Spiel oder gar ein Dialog, wie ich mir vorher erhoffe. Was ich bekomme, sind positive Resonanzen und Anerkennung im Sinne von „Was Du Dir alles ausdenkst!“. Das ist zwar nett, aber keine Kommunikation im Sinne eines Austauschs. Aber selbst eindeutig in den Raum gestellte Fragen, wie zum Bild „Berühr mich“ bedeuten noch lange nicht, dass mir jemand auf meine Fragen antwortet.

Es kann sein, dass die Fragestellung, wie zum Thema „Berühr mich“

andere Menschen gar nicht berühren. Andere fühlen sich vielleicht berührt, was

noch lange nicht heißt, dass sie sich darüber austauschen möchten. Bezogen auf

die Litfaßsäule bedeutet dies, dass ich nicht zu viel erwarten darf- mit allen

Konsequenzen.

mehr lesen

Fabulierpingpong

Angeregt durch den Bilder-Ping-Pong aus den ganz wunderbaren Schreibtischwelten kam mir die Idee zu dem Spiel:

Eine Gemeinsame Geschichte erfinden

Regeln: Die Geschichte ist in 3 Teile gegliedert, Anfang, Mitte, Ende. Ich habe hier einen Anfang-oder eine Mitte-

wer spielt mit und liefert den nächsten Teil ?

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Die essbare Stadt (Barock statt Grün Teil 3)

Dies ist die Fortsetzung von "Barock statt Grün Teil 2""

Da die Flächen auf dieser Welt und vor allem in den Städten begrenzt sind, und Ausgleichsflächen rar sind, liegt eine Bepflanzung in die Vertikale nahe. Somit bekommt der Begriff „Kleingartenanlage“ auch eine neue Bedeutung. Wenn man schon mal dabei ist, warum nicht gleich etwas

pflanzen, das essbar ist? Eine essbare Stadt ist nur möglich, wenn viele

Menschen mitmachen. Zum Glück gibt es in Fulda schon eine ganz tolle Basis: Bei den Zeppelingärtnern kann jeder das Gärtnern ausprobieren, auch wer einfach nur mal reinschnuppern möchte, ist herzlich willkommen. Die Zeppelingärtner können mittlerweile auf 5 Jahre Erfahrung zurückgreifen und es ist eine Freude, das Wachsen und Gedeihen dieser Initiative zu betrachten. Für mich bleibt es zunächst bei der wohlwollenden Betrachtung, denn zur Mitarbeit lässt mir mein eigener Garten keine Zeit. Dennoch möchte ich von meiner Warte aus an der essbaren Stadt mitarbeiten. In dieser Gartensaison habe ich einen Versuch gestartet:

Wieviel Nahrung kann ich auf kleinstem Raum anbauen? Diesen Aspekt finde ich ebenso wichtig wie städtisches Grün für ein gutes Stadtklima. Mein neuer vertikaler Garten ist etwa 2 Quadratmeter groß, und besteht aus einem

alten Bettgestell, ein paar Querstreben (auch Reste von irgendwas). Die Töpfe habe ich im Sperrmüll und im Sozialkaufhaus gefunden. Wem das zu schrottig ist, der achte bitte auf den goldenen Topf in die

rechte obere Bildhälfte! Ich verwende aus Prinzip alte und gebrauchte Dinge,

und ich bin überzeugt davon, dass mein vertikaler Garten wunderschön wird,

sobald er vollständig bepflanzt ist. Ein Platz für Grün findet sich auf kleinstem Raum.

Platz für Grün findet sich auf dem kleinsten Raum
Platz für Grün findet sich auf dem kleinsten Raum

Ideen und deren Ausführung gelingen am besten gemeinsam, denn ich kann zum Beispiel nicht schweißen. Ja, wenn zwei oder dreizusammen sind…

Vielleicht entsteht ja gerade eine neue, vertikale Kleingartenanlage und meine 2 Quadratmeter sind nur ein Teil davon.

Fortsetzung folgt bald.


Die höfliche, aber vollkommen nutzlose Antwort des Bürgermeisters lässt mich mit der Frage zurück:

Wie soll ich jetzt weitermachen? Natürlich möchte ich dabei helfen, den Verlust an Grünflächen zu kompensieren. Nun kann ich ja nicht einfach die Bäume ins Rathaus tragen, oder vielmehr ins Stadtschloss. Sollte ich eventuell erst mal selber ein paar geeignete Standorte für Baumpflanzungen vorschlagen? Bei drei Hektar Grünfläche bin ich da als Privatperson ziemlich überfordert. Die Idee, das Ganze als Spiel zu betrachten, kam mir beim Lesen des Vorwortes zum Klimaschutzkonzept.

Dort beschreibt Cornelia Zuschke ihre Vorstellung vom Klimaschutz als eine

Aufgabe, die die gesamte Gesellschaft durchsetzen soll, aber auch ALLE erfordert: „Je mehr Aktivitäten und Aktions-kreise sich in privater oder verwaltungsferner Trägerschaft verselbständigen, umso größer wird die Gemeinschaft, die sich am Klimaschutz in unserer Stadt beteiligt und sich verantwortlich fühlt.“ Sie sieht das Konzept als Impuls für Fulda und wünscht sich und uns ein nachhaltiges Echo.

Stell Dir vor, Du wärst plötzlich nicht mehr allein, sondern es wären noch mehr Menschen um dich herum, die sagen: Nein, so will ich es nicht, sondern anders- im konkreten Fall also:

Nein, wir wollen die Gartenanlage Waidesgrund erhalten und wir wollen

Ausgleichspflanzungen für das Bauprojekt im Galgengraben.

Und bezahlbaren

Wohnraum wollen wir auch.

Wie gesagt, verändert das Spiel das Denken. Wenn es uns gelingt, gewohnte und vertraute Denkstrukturen zu verlassen, können wir alles Mögliche in Gedanken durchspielen. Wer hat sich noch nicht vorgestellt, im Lotto zu gewinnen und das Spiel „.wenn ich unabhängig und frei wäre, dann würde ich…“ zu spielen. Wer schon einmal in Gedanken durchgespielt hat, ein paar Millionen mehr oder weniger sinnvoll auszugeben, anzulegen, weiterzugeben, kennt auch den lustvollen Aspekt solcher Gedankenspiele. Sich vorzustellen, tun zu können, was man will, wirkt unheimlich beflügelnd und begeisternd. Ich empfehle solche Fantasieübungen regelmäßig zu betreiben (am besten mittels Kunst oder Gärtnern) und sich einen Teil der Begeisterung mit in den Alltag zu nehmen.

Was das mit Kommunalpolitik zu tun hat?

Wenn ich beginne, gedanklich die Trennung zwischen „denen da oben“ und „denen da unten, (mich selbst eingeschlossen)“ aufhebe, erkenne ich im besten Fall eigene Handlungsoptionen, denen zunächst eine klarere Wahrnehmung und eine deutliche Positionierung vorausgeht.

Das reizvolle am Spiel ist, dass mir ganz überraschend gangbare Wege bewusst werden, sobald ich mich auf den Weg begebe, “zu denken wohin und soweit ich will“ (Ernst Jandl) In meinem Garten befinden sich derzeit etwa 20 „Baummieter“, die auf ein neues Zuhause warten. Zuerst dachte ich an eine Rubrik „Suche Platz zum Wurzeln, biete Luft und Schatten“,

was mir allerdings schnell zu kommerziell erschien. Genaugenommen ist jeder Baum ein Geschenk, wir leben ja schließlich nicht in einem grenzenlosen

Rohstofflager. Warum sie also nicht verschenken? Also bin ich derzeit dabei,

alle Bäumchen in eine unwiderstehliche Geschenkverpackung zu hüllen und mir

genau zu überlegen, wem ich so ein Geschenk zukommen lasse. Ich habe da schon ein paar Ideen, ich halte Sie auf dem Laufenden.... 

Barock statt Grün Teil 2

wem GEHÖRT DIE Stadt ?

Postkarte "Gruß aus Fulda" von Henry Euler (www.henryeuler.de)
Postkarte "Gruß aus Fulda" von Henry Euler (www.henryeuler.de)

Im letzten Artikel, Barock statt Grün, unterbreitete ich unserem OB Wingenfeld den Vorschlag einen Ideenwettbewerb zum Thema „Bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz“ ins Leben zu rufen. Unser Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld plant auch einen Ideenwettbewerb, dieser soll jedoch von städteplanungs-orientierten Büros durchgeführt werden und den Fahrplan für das Großprojekt Waidesgrund mit Vorschlägen füllen. Neben einer Messehalle oder einem Messeplatz und den dazugehörigen Parkplätzen sollen auf dem etwa drei Hektar großen Areal 150-200 Wohnungen entstehen, schätzt Andreas Becker vom Stadtplanungsamt. (Osthessennews, 12.01.2017)

Halt, denn es ist offensichtlich, dass der Gedanke, diese 3 Hektar große Grünfläche einem Messegelände zu opfern und eine Handvoll Potempkinsche Sozialwohnungen davor zubauen, nicht mit den Klimaschutzzielen der Agenda-Stadt Fulda vereinbar ist. Es liegt mir fern, Unternehmerinteressen und Klimaschutz gegeneinander auszuspielen, nein, ich gehe einfach pauschal davon aus, dass Unternehmerinteressen der Stadt und dem Allgemeinwohl der Bürger dienen. Dennoch müssen die Interessen in Einklang gebracht werden. Ich bin der Meinung, dass derartige Entscheidungen nicht ohne die Zivilgesellschaft getroffen werden können, auch nicht allein von demokratisch gewählten Politikern. Wie ich zu dieser Meinung komme? 

aus "Plattform für Nachhaltigkeit"(www.hessen-nachhaltig.de)
aus "Plattform für Nachhaltigkeit"(www.hessen-nachhaltig.de)

Nachhaltige Entwicklung ist eine globale Angelegenheit. Die Welt-gemeinschaft beschäftigt sich mit sozialer Entwicklung,

wirtschaftlichem Fortschritt und dem Erhalt der Natur für unsere und künftige Generationen. Bei der Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung im Jahr 2012 (Rio+20- Gipfel) leiteten die Staaten einen Aushandlungsprozess ein, dessen Ende eine Liste universell gültiger Nachhaltigkeitsziele stehen sollte. Drei Jahre später, auf dem Weltgipfel in New York, verkündete VN-General-sekretär Ban Ki-moon: Die Agenda 2013 für nachhaltige Entwicklung wird die acht

Milleniums-Entwicklungsziele ablösen und neue Ziele festschreiben.“ aus „Lernen

und Handeln für unsere Zukunft“, herausgegeben vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

aus:"Wandel mit Hand und Fuß" von GERMANWATCH
aus:"Wandel mit Hand und Fuß" von GERMANWATCH

Die Hessische Landesregierung ist gut aufgestellt:

Der im Jahr 2015 beschlossenen Integrierte Klimaschutzplan Hessen 2025 zielt u.a. darauf hinaus, dass Hessen bis 2050 klimaneutral sein

soll. Es gibt eine Nachhaltigkeits-strategie, eine Biodiversitätsstrategie und jede Menge innovative Projekte, Kampagnen und gute Ideen. Noch nie zuvor waren Bürger und Politiker so gut über globale und ökologische

Zusammenhänge informiert.

Zumindest haben sie Zugang zu Informationen.

Über Nachhaltigkeit wird so viel gesprochen, dass sich mitunter schon Überdruss beim Hören des Wortes einstellt.

Überdruss ist neben Bequemlichkeit und pausenloser Zerstreuung eine schlechte Grundlage, um vom Reden zum Handeln zu gelangen. Und gutes Handeln kann nur gelingen, wenn ALLE etwas tun.

aus Wandel mit Hand und Fuß, GERMANWATCH
aus Wandel mit Hand und Fuß, GERMANWATCH

Es ist dringend notwendig, „Strukturelle Stellschrauben auf

Nachhaltigkeit justieren“

(„Wandel mit Hand und Fuß“, GERMANWATCH).

Ja, das sehe ich auch so. Und ich möchte das Justieren nicht den Politikern oder Experten allein anvertrauen und nur beobachten,

ob sie alles in meinem Interesse erledigen. Ich kann selber einen Schraubenzieher in die Hand nehmen, ich kann pflanzen und säen und denken und in Gedanken alle möglichen und unmöglichen Handlungsoptionen durchspielen, mich mit Anderen austauschen, Dinge ausprobieren und Andere einladen, mitzuspielen: "Stell Dir vor, die Karten würden neu gemischt und Du könntest wirklich mitbestimmen und gestalten, wie würden deine Ideen aussehen?" Das frage ich mich öfters und weiß, dass richtig gute und brauchbare Ideen nur zustande kommen, wenn sich viele interessierte Menschen zusammentun, zum Beispiel in der BI Langebrückenstraße 14

Vielleicht ist ja ein öffentlicher Ideenwettbewerb doch keine schlechte Idee. Am besten frage ich mal den Oberbürgermeister. Wenn er schon nicht wettet. Vielleicht lässt er sich auf Gedankenspiele ein. Auf einer Ebene mit der Zivilgesellschaft. Den Begriff "Klimaschutz" lege ich jetzt erst mal beiseite. Nicht weg! Nein-er befindet sich lediglich im Hintergrund. Warum auch nicht, denn aus einem fundiertem Hintergrund heraus lässt es sich bestens agieren. Mein Spiel mit den Möglichkeiten bekommt eine neue Überschrift: die Essbare Stadt Fulda.

bitte weiterlesen hier im Blog!


Barock statt Grün? Teil 1

Ich wette nicht gern. Aber manchmal muss es doch sein. Und weil eine Wette ein Spiel mit unvorhersehbarem Ausgang ist, veröffentliche ich den Spielverlauf hier, bei Playing Arts. Die Spielzeit ist langfristig angelegt, über Unterstützung, zum Beispiel der Aufzucht von Bäumen, würde ich mich sehr freuen.

Am Galgengraben 2013, vor dem Bau, nach dem Entfernen von etwa 80 Bäumen.
Am Galgengraben 2013, vor dem Bau, nach dem Entfernen von etwa 80 Bäumen.

28. Februar 2017

Sehr geehrter Herr Wingenfeld,

 

Die geplante Rodung der Gartenanlage „Waidesgrund“

finde ich schockierend.

Fulda ist Agenda-21 Stadt,

nennt sich „Barockstadt im Grünen“, hat jetzt auch eine Klimabeauftragte und denkt allen Ernstes daran, 3 Hektar öffentliche Grünfläche für eine Messehalle und ein paar Wohnungen zu opfern?

Ganz so überraschend kommt der Schock allerdings nicht daher, denn im

Galgengraben (oder an anderen Stellen) kann man ja gut verfolgen, wieviel Wert

Bäumen und Grünflächen wirklich beigemessen werden. Einiges habe ich schon darüber geschrieben:

https://www.martinafuchsfulda.de/2017/01/22/menschen-und-bäume-gehören-einfach-zusammen/

Dort habe ich Pressemitteilungen und Klimaschutzziele der Stadt Fulda zitiert und je mehr ich mich mit dem Thema befasste, desto klarer wurde mir: Es ist unmöglich, die Klimaschutzziele ernst zu meinen und gleichzeitig zu planen, 3 Hektar Gartenfläche aufzugeben. Diese Fläche ist ja nur ein Teil des fortschreitenden Flächenverbrauchs, der ja mit der Stadtentwicklung sowieso schon einhergeht. Wenn Sie die Klimaschutzziele wirklich ernst nehmen würden, wären Sie auf der Suche nach Lösungen für das Wohnraumproblem auf anderen Wegen unterwegs. Aber Denkrichtungen können ja verändert werden. Sie könnten ja beispielsweise zum Thema „Bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz“ einen Ideenwettbewerb ins Leben rufen. Ob Sie von Ihren Plänen abkommen werden, weiß ich nicht, zumal Sie sich so zuversichtlich darüber äußern Lösungen für neue Flächen oder einer Umsiedlung der Kleingartenanlage zu finden.

Sehr geehrter Herr OB Heiko Wingenfeld: Gerne würde ich Ihren Optimismus teilen und fordere Sie deshalb zu einer Stadtwette heraus:

 

Ich wette, dass Sie es zusammen mit dem Stadtbaurat Daniel

Schreiner schaffen werden, 3 Hektar Ausgleichsfläche für die gerodete

Gartenanlage im Stadtgebiet Fulda zu finden und diese im Einklang mit dem Klimaschutzkonzept zu bepflanzen. Vielleicht schaffen Sie es sogar zusätzlich, auch ohne Baumschutzsatzung, die etwas mehr als 80 gefällten Bäume im Galgengraben zu ersetzen? Wenn Sie die Wette gewinnen, verspreche ich Ihnen, die 80 Bäume zu liefern. Ein paar warten schon bei mir zu Hause als Baummieter auf ihre neue Heimat. Der größte Anteil der benötigten Bäume und Sträucher käme von Sponsoren, z.B. von Gewerbetreibenden, die bereit wären, ihr Firmengelände zu begrünen. Da die Flächen ja überall knapp sind, könnte man vertikale Gärten und Dachbegrünung als Ausgleichsmaßnahme gelten lassen. Eine gelungene Wette muss auf jeden Fall gebührend gefeiert werden- mit den Kleingärtnern und allen, die zum Gelingen mit beitragen-vielleicht zur nächsten Landesgartenschau? Der Termin liegt ja auch ganz in der Nähe zum 25 jährigen Jubiläum „Fulda als Agenda 21-Stadt“. Wäre doch schön, wenn sich Fulda bis dahin als eine Stadt präsentieren könnte, in der Klimaschutzziele beispielhaft umgesetzt werden- unter Beteiligung der gesamten Bürgerschaft. Vielleicht sogar als „Essbare Stadt“. Meine Unterstützung sage ich Ihnen verbindlich zu.

Wenn Sie die Wette verlieren, müssen Sie den Titel „Fulda-Barockstadt im Grünen“ umwandeln in „Fulda-Barock statt Grün“.

Einen Grund zum Feiern sehe ich dann allerdings nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Martina Fuchs


Mittlerweile habe ich eine Antwort vom Bürgermeister bekommen: er wettet grundsätzlich nicht, findet aber mein Angebot mit den 80 Bäumen großzügig.

Wie soll ich jetzt weitermachen? Natürlich möchte ich dabei helfen, den Verlust an Grünflächen zu kompensieren. Nun kann ich ja nicht einfach die Bäume ins Rathaus tragen, oder vielmehr ins Stadtschloss. Sollte ich eventuell erst mal selber ein paar geeignete Standorte für Baumpflanzungen vorschlagen? Bei drei Hektar Grünfläche bin ich da als Privatperson ziemlich überfordert.

Hat jemand eine gute Idee? Wie es weitergeht, lesen Sie bitte in "Barock statt Grün"Teil 2.

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ReformARTion und TransformARTion Teil 2

Die Litfaßsäule habe ich gebaut, um sie als Medium zur Kommunikation nutzen zu können, schrieb ich vor ein paar Wochen. Diese Erklärung möchte ich näher analysieren, denn ich habe seitdem viel über die Art und Weise des Kommunikationsverlaufs während dieser Aktion nachgedacht. Dabei erkannte ich eine wesentliche Grundstruktur: Ich biete meinem Gegenüber wechselnde Medien wie verschiedene Spielzeuge an und hoffe, dass ich die richtige Wahlgetroffen habe. Selten entwickelt sich hierbei auch nur annähernd das Maß an Spiel oder gar ein Dialog, wie ich mir vorher erhoffe. Was ich bekomme, sind positive Resonanzen und Anerkennung im Sinne von „Was Du Dir alles ausdenkst!“. Das ist zwar nett, aber keine Kommunikation im Sinne eines Austauschs. Aber selbst eindeutig in den Raum gestellte Fragen, wie zum Bild „Berühr mich“ bedeuten noch lange nicht, dass mir jemand auf meine Fragen antwortet.

Es kann sein, dass die Fragestellung, wie zum Thema „Berühr mich“

andere Menschen gar nicht berühren. Andere fühlen sich vielleicht berührt, was

noch lange nicht heißt, dass sie sich darüber austauschen möchten. Bezogen auf

die Litfaßsäule bedeutet dies, dass ich nicht zu viel erwarten darf- mit allen

Konsequenzen.

Wo hört das Spiel auf und wird Ernst?

Und Wo fing das Spiel an?

Wie kann der Ernst wieder

zu Spiel werden?

Oder bleibt der Ernst

und trägt nur seine spielerischen Elemente

aus seinem Ursprung in sich?

Und steckt nicht

auch in jedem Spiel die Ernsthaftigkeit?

Tatsächlich muss ich meine Erwartungen überprüfen.

In Teil 1 schrieb ich: "das grafische Ergebnis lässt noch zu wünschen übrig."

Ja, was hatte ich denn erwartet?

Ich bin zum Gemeindenachmittag mit einer fahrbaren Litfaßsäule aufgetaucht und nach etwa einer

Stunde hatte ich die Ergebnisse einer lebhaften Diskussion auf vielen bunten Zetteln. Das war ein Anfang. Bei der zweiten Gelegenheit, einer

Abendveranstaltung im Café des Pflegestifts Mediana zum Thema „Hier ist Platz für Deine Thesen“, wurde auch viel diskutiert, doch meine Litfaßsäulenfläche erweiterte sich genau um einen Zettel. Natürlich ist mir klar, dass diese lebhaften Diskussionen ein gutes Ergebnis darstellen.

Der Altersdurchschnitt in den beiden Veranstaltungen lag deutlich über 80 Jahre. Mir ist meine Ungeduld bewusst geworden, denn rein rationell betrachtet ist es völlig unrealistisch, gleich nach dem ersten oder zweiten Spiel eine künstlerisch-ästhetisch vollendete Fläche vorzufinden. Die nächste Gelegenheit dauert noch Monate und das endgültige Ziel wird eine Ausstellung der gesamten Fläche sein. Hierzu gibt es einen festlichen Anlass,nämlich das 40 jährige Gemeindejubiläum im Dezember. Bis dahin soll die Litfaßsäule zu den anfänglichen Fragestellungen bunt und vielfältig von möglichst vielen Menschen bemalt und beschriftet sein.

Das ist ein schönes Ziel,

doch Warten fällt mir in diesem

Fall schwer. Ich vermute den Grund für meine Ungeduld in der relativ langen Vorbereitungsphase und

des ziemlich aufwändigen Entstehungsprozesses der

Litfaßsäule.

Also habe ich mir etwas überlegt:

Warum nicht eine kleines Litfaßsäulchen für den schnellen Einsatz? Aus zwei Konservendosen schnell hergestellt passt dieses Säulchen zwar nicht unbedingt in jede Handtasche, aber zum Beispiel auf einen Rollator. Die Idee zu einer mobilen Werbefläche kam mir, nachdem ich für eine Fachtagung keinen Stellplatz auf dem "Markt der Möglichkeiten" erhalten konnte, weil ich mich zu spät angemeldet hatte. Die Anregung zum Einsatz eines Rollators bekam ich von Pfarrerin Annegret Zander", vielen herzlichen Dank! Das passt super zu meinem Angebot "Offenes Atelier für Menschen mit Demenz.

Weitere Fotos, hoffentlich mit kunterbunter Mini-Litfaßsäule folgen in Kürze.

Leider hatte ich sehr wenig Zeit, Fotos zu machen, hier eine kleiner Einblick. Sehr interessante  Resonanzen konnte ich bereits auf dem Weg vom Parkplatz bis zur Tagungsstätte, einem Fußweg von etwa einem Kilometer Länge, sammeln, nämlich die Blicke der Passanten. Ich hatte den Eindruck, als würde ich ständig von Blicken taxiert. Zunächst war mir das furchtbar peinlich, wandelte sich aber dann zu einer zufriedenen Heiterkeit, nachdem ich das Tempo beschleunigt hatte. Mein Fazit zur Benutzerfreundlichkeit des Litfaßsäulchens: Schön handlich, aber die Fläche ist echt schnell verbraucht.


Fabulierpingpong

Angeregt durch den Bilder-Ping-Pong aus den ganz wunderbaren Schreibtischwelten kam mir die Idee zu dem Spiel:

Eine Gemeinsame Geschichte erfinden

Regeln: Die Geschichte ist in 3 Teile gegliedert, Anfang, Mitte, Ende. Ich habe hier einen Anfang-oder eine Mitte-

wer spielt mit und liefert den nächsten Teil ?

Auf dem Weg zur "Experimentellen Schreibwerkstatt“: Im ICE, jeder Platz belegt, ich erwischte noch einen Platz im Großraumwagen in einem Zweierabteil. Mir gegenüber, durch den Gang getrennt war ein Viererabteil. Die Frau auf dem Sitz zum Gang hin schlief, die anderen drei Personen hatte ich bis dahin nicht betrachtet. Sie saßen schweigend da und ich las eine Zeitung. Erst als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, schaute ich auf und sah, wie die junge Frau neben der schlafenden Dame in Bewegung geraten war. Ganz langsam erhob sie sich. Sie bot ein elegantes Erscheinungsbild. Ihr Haar war lang und gepflegt und gut geschnitten. Zu ihrem schwarzen, kurzen Kleid trug sie eine schlichte Perlenkette- und schwarze Seidenstrümpfe. Ehe ich mich fragen konnte, was sie wohl vorhat, beantwortete sie mir meine Frage schon mit ihrem konzentrierten und ruhigen Tun. Zuerst zog sie ein Bein hoch auf den Sitz, schmiegte ihr Kinn an ihr Knie, zog das nächste Bein nach. Noch ehe mich die wahrhaftige Wortbedeutung des Ausdrucks „fließende Bewegung“ ganz durchströmen konnte, hockte sie bereits auf dem Tisch um sich von dort aus sanft und leicht wie eine junge Katze auf den Boden gleiten zu lassen. Catwomen. Sie wollte ihre Sitznachbarin nicht wecken, deshalb hat sie den Umweg über den Tisch gewählt. Während der gesamten Aktion nahm ich keine Veränderung ihres Gesichtsausdruckes wahr, der konzentriert und ernst wirkte. Ich muss zugeben, ich war fasziniert: Was für eine Geschmeidigkeit und was für ein Mut! Doch ich hatte nicht viel Zeit, über diese ungewöhnliche Beobachtung nachzusinnen, denn unmittelbar danach passierte noch etwas Merkwürdiges. Später habe ich oft darüber gegrübelt, ob diese Ereignisse wirklich zusammenhingen wie eine Perlenkette oder ob ich mir das alles nur eingebildet habe Immer wieder liefen die folgenden X Stunden wie ein Kinofilm in meinem Kopf ab, ohne dass es mir gelang, die Stopptaste zu finden. Doch der Reihe nach: Ich sagte ich hatte nicht viel Zeit, denn im nächsten Moment ertönte die Durchsage, dass in wenigen Minuten mein Zielbahnhof erreicht werde. Hastig nahm ich meine Sachen für die „Experimentelle Schreibwerkstatt“ zusammen, die ich auf dem Tisch ausgebreitet hatte, um sie nochmal durchzusehen. Ich stopfte alles in die Tasche, die jetzt so voll war, dass ich sie nicht mehr schließen konnte. Während ich den Mantel überzog, streifte ich die Tasche und die Zigarrenkiste mit den aus Zeitungen ausgeschnittenen Wörtern fiel zu Boden, die Wörter purzelten heraus und lagen nun mitten im Gang, ich bückte mich um sie wieder aufzuheben. Schon hatte ich fast alle wieder in die Kiste geworfen-bis auf ein paar, die am Teppichboden klebten: Tisch, Katze, Perlen, Seide und Kleid las ich rein mechanisch und unternahm noch einen letzte Versuch, die Papierschnipsel mit den restlichen Wörtern mit spitzen Fingern aufzuheben. Doch kaum hatte ich sie berührt, rollten sie sich zusammen und kullerten als runde glänzende Perlen den Weg vor mir den Gang entlang um schließlich abrupt rechts abzubiegen um sich unter einem Sitz zu verbergen. Der Zug hielt, ich stand auf, hinter mir warteten schon weitere Passagiere darauf, dass ich den Durchgang endlich freigab.

Kaum war ich draußen auf dem Bahnsteig…

 


Das Fabulieren gemeinsamer Geschichten nach verschiedenen Methoden praktizieren wir mit viel Spaß und Leidenschaft in der "Experimentellen Schreibwerkstatt". Mehr Informationen gerne über das Kontaktformular oder telefonisch.

ReformARTion und TransformARTion Teil 1

 Dieses Kapitel ist die Fortsetzung von "Thesenanschlag". Viel gibt es noch nicht zu berichten, weil die Termine für den Einsatz der Litfaßsäule noch vor uns liegen. Im Februar gibt es zwei Einsätze, es gibt also bald Neuigkeiten.

Die Adventszeit 2016 war für mich also auch Bauzeit, eine sehr inspirierende stille Zeit, in der ich

in Ruhe die Gelegenheiten planen

konnte, die Litfaßsäule zu den Menschen zu bringen um Thesen zu sammeln. Tatsächlich fielen mir Tag für Tag neue Möglichkeiten ein. Zu Beginn des Neuen Jahres nahm ich die ersten Kontakte zu Freunden und Bekannten auf und begann schon bald darauf zu erkennen, dass die Idee einer eigenen Projektionsfläche gut war. Aus den rundweg positiven Resonanzen entwickelten sich erste Termine und gemeinsame Projekte.

Auf dem Bild hier ist das Dach noch nicht fertig. Ein aktuelles Bild folgt.

Nach den ersten beiden Einsätzen bei zwei verschiedenen Veranstaltungen muss ich erkennen, dass die graphische Gestaltung noch sehr zu wünschen übrig lässt.

Die nächsten Termine sind erst im Frühjahr, also habe ich noch Zeit zum Überarbeiten. 

Informationen zu den Inhalten der einzelnen Projekte folgen in Kürze.

Erst als ich mit dem Bau meiner Litfaßsäule fertig war, entdeckte ich noch eine, wie ich finde, viel bessere und schönere Möglichkeit einer selbstgebauten Litfaßsäule: http://blog.fachstelle-zweite-lebenshaelfte.de/tag/litfasssaeule-selbst-bauen/

Danke, beim nächsten Mal!

 

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Thesenanschlag

Gibt es einen besseren Starttermin, um 95 Thesen anzuschlagen als den 31. Oktober?                                 Ja, die Nacht zum 31. Oktober!

Doch da habe ich fest geschlafen und so kam es, dass bereits die Morgensonne schien, als ich mich mit Hammer und Nägeln auf den Weg machte, um die erste These anzuschlagen, welche nur in einem sehr großzügig verstandenen Sinn etwas mit Reformation oder dem konziliaren Prozess zu tun hat.

 

Als Anschlagstafel hatte ich mir eine alte, hässliche, etwa eineinhalb Meter hohe Backsteinmauer vor einem ebenso alten und hässlichen Autogaragenplatz ausgesucht.

 

Im Hintergrund ist die kahle Betonwand der JVA mit Stacheldraht vor den Fenstern zu sehen.

Meine Idee war, jeden Tag ein, zwei Sätze aus dem Playing Arts-Manifest an die bröckelige Wand zu schlagen, bis diese letztendlich ihre Hässlichkeit unter zartbunten Papierstreifen vollständig verbergen würde.

Als ich nun am frühen Morgen des Transformationstages Nummer 1 mit Papier, Hammer und Nägeln in den Händen um die Ecke bog, bot sich mir ein überraschender Anblick:

So lange ich in Fulda wohne, also seit 21 Jahren, bleibt mein Blick stets an dieser hässlichen Stelle hängen und beleidigt mein ästhetisches Empfinden und nun, wo ich die Transformation von Hässlichkeit in ein schönes, wichtiges Kunstwerk selbst in die Hand zu nehmen bereit bin, ist nicht nur die Mauer, sondern die gesamte Garagenansammlung dem Erdboden gleich gemacht ?

Gegenüber dieser Baustelle steht eine Litfaßsäule mit großen leeren Flächen zwischen den Werbeplakaten. Gut, dann nehme ich eben die Litfaßsäule, dachte ich mir.

Am ersten und am zweiten Tag klebte ich jeweils einen Teil des schon bestehenden Manifestes von Playing Arts an. . Wenn mich jemand gefragt hätte, was ich mit der Kleberei erreichen wolle, hätte ich keine passable Antwort geben können. Ich fragte mich das selber. Am 3. Tag schrieb ich: Playing Arts verzaubert Hindernisse in Chancen und ab da an, wusste ich eine Antwort: Das Ankleben macht Spaß. Einerseits war da der Reiz des Verbotenen: „Fremdplakatierung verboten“ und des Parkens ohne Parkschein. Andererseits reizte mich auch der Standort, denn die Litfaßsäule steht auch im Blickwinkel der Anwaltskanzlei, in dem der Anwalt der Gegenpartei in einem aktuellen persönlichen Rechtsstreit arbeitet. Dieser Streit ist alles andere als lustig, doch ich muss zugeben, dass mir der Briefwechsel mitunter auch sehr viel Spaß macht. Während des Plakatierens kamen mir ganz wundervolle Gedankenblitze für den nächsten Brief, die mich sehr zum Lachen reizten. Auch an den ersten beiden Tagen hatte ich auf dem Weg zum Plakatieren und danach ziemlich ungewöhnliche Einfälle und so begann ich, diese aufzuschreiben und näher zu betrachten. Wenn das Spiel zu Ende ist, werde ich davon berichten. Mit mir ging eine Veränderung vor sich also schrieb ich:Playing Arts kann Berge versetzen....

Doch an Veränderungen kann ich mich offensichtlich relativ schnell gewöhnen, denn ich bemerkte, dass das Plakatieren allmählich Routine wurde und-langweilig. Ich wollte nicht länger alleine spielen. Am 13.Tag veröffentlichte ich diesen Text im Sozialen Netzwerk:

„Wem gehört die Stadt?“

Der unterste Bereich sämtlicher Litfaßsäulen der Stadt

steht allen Bürgen frei. Sie können die freien Flächen nutzen, um politische oder persönliche Statements, Kommentare oder Fragen aufzuschreiben oder eine kleine Zeichnung zu hinterlassen, ein Bild anzukleben- oder was immer ihnen gefällt. Das hat mir heute eine Passantin erzählt, mit der ich zufällig vor der Litfaßsäule an der Kreuzung Königstraße/Robert-Kirchner-Straße ins Gespräch kam. Nicht zu übersehen ist dort die in roter Farbe geschriebene Aufforderung

„Komm, schreib‘ etwas!“ 

im unteren Bereich der Litfaßsäule. „Darf man das überhaupt?“ fragte ich. Die Frau, mit der ich an der Ampelkreuzung ins Gespräch kam, meinte, ja, klar, nur ist es verboten, ohne Genehmigung (und Bezahlung)kommerzielle Annoncen anzubringen. Aber für Persönliches gelte das nicht: Jede*r könne hier etwas schreiben, wobei selbstverständlich beleidigende, rassistische oder diskriminierende Kommentare nicht erlaubt seien. Schmierfinken müssen mit hohen Geldstrafen rechnen. Woher die Frau diese mit Gewissheit vorgetragene Information hatte, konnte ich nicht

mehr erfahren, weil wir uns dann plötzlich aus den Augen verloren haben. Auf dem Nachhauseweg bin ich noch an einer zweiten Litfaßsäule vorbeigekommen- auch hier war der untere Bereich weiß. Vielleicht stimmt es, was diese Frau

behauptete?

Wer weiß etwas zu diesem Thema?

" Weiße Stellen-unplakatierte können beschrieben werden-findet man in Großstädten überall." Diese Antwort erhielt ich, neben einigen "Gefällt mir!"- Angaben in Facebook. Auf der Litfaßsäule habe ich keine Antworten bekommen.

Gestern, am 17.11.2017 bot sich mir in der Königstraße folgendes Bild:

Und ringsherum nur weiße Flächen! Am Abend des 18:11. waren sämtliche Schnipsel der "Fremdplakatierung" an beiden Litfaßsäulen verschwunden und ordentlich überklebt: An der einen (Komm, schreib etwas") leuchtete ein frisches weißes Papier, an der anderen (Hier ist Platz für deine Thesen) hatte sich das grüne Theater-Plakat plötzlich verdoppelt. Offensichtlich ist die Zeit für schriftliche Bürgerdialoge auf den weißen Flächen der Litfaßsäulen noch nicht gekommen.

Diesen Umstand bedauerte ich  bis zur vollständigen Verfestigung eines neuen Gedankens:

Wenn die Menschen nicht zur Litfaßsäule kommen, dann kommt eben die Litfaßsäule zu den Menschen!

Kann ich mir nicht eine eigene nicht ganz so große Litfaßsäule selber bauen, zum Beispiel aus Kabelrollen?

Beim Einkaufen erhaschte ich dann zufällig einen Blick auf den Hintereingang einer Werbedruckfirma, genauer gesagt, auf ein aufgestelltes Bündel dicker Pappröhren. Die Stunde der transportablen eigenen Litfaßsäule war gekommen. Der Bauplan ist in meinem Kopf, Skizze und Bauanleitung zum Nachmachen folgen in den nächsten Tagen. Es gibt ja unzählige Gelegenheiten, Meinungen zu sammeln, oder utopische Visionen oder eben Thesen zur Reformation, zur Transformation oder zum Thema "Wem gehört die Stadt?"

 

Nachdem ich einige Wochen mit der Idee einer selbst gebauten Litfaßsäule im Steckkastensystem schwanger gegangen bin, kann ich nun die Geburt mehrerer kleiner Denkergebnisse bekanntgeben. Das Grundsystem der transportablen Litfaßsäule ist entwickelt und besteht aus x Pappröhren, die an gekennzeichnet-en Stellen (detaillierte Abbildungen folgen) mit einem exakt angebrachten Schlitz versehen wurden. Diese Schlitze nehmen nun 2 runde Scheiben aus Sperrholz auf und werden somit zur Bodenplatte und zur Dachplatte. Die Bodenplatte befestige ich vor dem Anbringen der Dachfläche(!) auf einem fahrbaren kleinen Hocker. Dies ist nötig, damit sich niemand beim Beschriften zu tief bücken muss. Außerdem möchte ich leere weißen Flächen (wie bei den öffentlichen Säulen) vermeiden. Ist der Rumpf der Säule fertig, kann ich das Dach aufsetzten,

siehe Abbildung. Danach wird die Oberfläche des Rumpfes, also die Werbefläche,

mit einer festen Bahn feinen Kartons umwickelt. Meiner war früher eine

Werbetafel. Zur Befestigung schlage ich folgende Lösung vor: (Foto wird später eingefügt) So kann ich sie leicht wechseln, denn die Säule soll ja mehrfach verwendet werden ! Die Adventszeit 2016 ist für mich eine sehr inspirierende stille Zeit. Ich habe viel darüber nachgedacht, was mich eigentlich antreibt, was mich am Thema „Litfaßsäule“ so fasziniert:

Die Umdeutung einer kommerziell genutzten Werbefläche in eine Plattform der Meinungsfreiheit ist ein reformatorischer Gedanke, die konkrete Planung und Umsetzung sind wesentlicher Bestandteil eines schöpferischen Akts.

Die Verwendung der Materialien, alles Abfallprodukte, stellt ein wichtiges, unabdingbares Wesensmerkmal für mich dar, der Zweck liegt sozusagen in den Mitteln. Die Litfaßsäule in seiner von mir umgedeuteten Qualität des eroberten Freiheitsraumes ist ein Kommunikationsmedium, welches in mir eine Hoffnung nährt, die dringend Nahrung bedarf, nämlich:

Es ist möglich, darüber zu reden, „was niemals war, doch möglich ist“, Andreas Benk in „Schöpfung, eine Vision von Gerechtigkeit“ Visionen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen oder wieder aufzufrischen. Die Liste der Gelegenheiten, welche den Einsatz der Litfaßsäule erforderlich machen oder zumindest bereichern, wächst allmählich. Im nächsten Kapitel „ReformARTion und TransformARTion“ werde ich ab 2017 berichten.

 Die Litfaßsäule besteht also aus Pappröhren und ist im Inneren hohl. Das heißt, nicht ganz, denn zwei Platten (Sperrholz oder fester Kunststoff) halten mittels Steckverbindung die Röhren zusammen. Für mich allein war diese Konstruktion ziemlich schwierig zu realisieren, doch ich hatte einen lieben Helfer! Die schwierigste Arbeit ist ja immer, zunächst einen Prototypen zu entwickeln. Der Nachbau ist dann umso leichter.

Hier ist das Geheimnis der Steckverbindung, welches ich allen Nachahmern schenken möchte!

 

Auf zur eigenen Litfaßsäule!

Wer sich das Selberbauen nicht zutraut, dem biete ich im Reformationsjahr 2017 das Projekt

"Hier ist Platz für Deine Thesen" an.

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