Barock statt Grün? Teil 1

Ich wette nicht gern. Aber manchmal muss es doch sein. Und weil eine Wette ein Spiel mit unvorhersehbarem Ausgang ist, veröffentliche ich den Spielverlauf hier, bei Playing Arts. Die Spielzeit ist langfristig angelegt, über Unterstützung, zum Beispiel der Aufzucht von Bäumen, würde ich mich sehr freuen.

Am Galgengraben 2013, vor dem Bau, nach dem Entfernen von etwa 80 Bäumen.
Am Galgengraben 2013, vor dem Bau, nach dem Entfernen von etwa 80 Bäumen.

28. Februar 2017

Sehr geehrter Herr Wingenfeld,

 

Die geplante Rodung der Gartenanlage „Waidesgrund“

finde ich schockierend.

Fulda ist Agenda-21 Stadt,

nennt sich „Barockstadt im Grünen“, hat jetzt auch eine Klimabeauftragte und denkt allen Ernstes daran, 3 Hektar öffentliche Grünfläche für eine Messehalle und ein paar Wohnungen zu opfern?

Ganz so überraschend kommt der Schock allerdings nicht daher, denn im

Galgengraben (oder an anderen Stellen) kann man ja gut verfolgen, wieviel Wert

Bäumen und Grünflächen wirklich beigemessen werden. Einiges habe ich schon darüber geschrieben:

https://www.martinafuchsfulda.de/2017/01/22/menschen-und-bäume-gehören-einfach-zusammen/

Dort habe ich Pressemitteilungen und Klimaschutzziele der Stadt Fulda zitiert und je mehr ich mich mit dem Thema befasste, desto klarer wurde mir: Es ist unmöglich, die Klimaschutzziele ernst zu meinen und gleichzeitig zu planen, 3 Hektar Gartenfläche aufzugeben. Diese Fläche ist ja nur ein Teil des fortschreitenden Flächenverbrauchs, der ja mit der Stadtentwicklung sowieso schon einhergeht. Wenn Sie die Klimaschutzziele wirklich ernst nehmen würden, wären Sie auf der Suche nach Lösungen für das Wohnraumproblem auf anderen Wegen unterwegs. Aber Denkrichtungen können ja verändert werden. Sie könnten ja beispielsweise zum Thema „Bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz“ einen Ideenwettbewerb ins Leben rufen. Ob Sie von Ihren Plänen abkommen werden, weiß ich nicht, zumal Sie sich so zuversichtlich darüber äußern Lösungen für neue Flächen oder einer Umsiedlung der Kleingartenanlage zu finden.

Sehr geehrter Herr OB Heiko Wingenfeld: Gerne würde ich Ihren Optimismus teilen und fordere Sie deshalb zu einer Stadtwette heraus:

 

Ich wette, dass Sie es zusammen mit dem Stadtbaurat Daniel

Schreiner schaffen werden, 3 Hektar Ausgleichsfläche für die gerodete

Gartenanlage im Stadtgebiet Fulda zu finden und diese im Einklang mit dem Klimaschutzkonzept zu bepflanzen. Vielleicht schaffen Sie es sogar zusätzlich, auch ohne Baumschutzsatzung, die etwas mehr als 80 gefällten Bäume im Galgengraben zu ersetzen? Wenn Sie die Wette gewinnen, verspreche ich Ihnen, die 80 Bäume zu liefern. Ein paar warten schon bei mir zu Hause als Baummieter auf ihre neue Heimat. Der größte Anteil der benötigten Bäume und Sträucher käme von Sponsoren, z.B. von Gewerbetreibenden, die bereit wären, ihr Firmengelände zu begrünen. Da die Flächen ja überall knapp sind, könnte man vertikale Gärten und Dachbegrünung als Ausgleichsmaßnahme gelten lassen. Eine gelungene Wette muss auf jeden Fall gebührend gefeiert werden- mit den Kleingärtnern und allen, die zum Gelingen mit beitragen-vielleicht zur nächsten Landesgartenschau? Der Termin liegt ja auch ganz in der Nähe zum 25 jährigen Jubiläum „Fulda als Agenda 21-Stadt“. Wäre doch schön, wenn sich Fulda bis dahin als eine Stadt präsentieren könnte, in der Klimaschutzziele beispielhaft umgesetzt werden- unter Beteiligung der gesamten Bürgerschaft. Vielleicht sogar als „Essbare Stadt“. Meine Unterstützung sage ich Ihnen verbindlich zu.

Wenn Sie die Wette verlieren, müssen Sie den Titel „Fulda-Barockstadt im Grünen“ umwandeln in „Fulda-Barock statt Grün“.

Einen Grund zum Feiern sehe ich dann allerdings nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Martina Fuchs


Mittlerweile habe ich eine Antwort vom Bürgermeister bekommen: er wettet grundsätzlich nicht, findet aber mein Angebot mit den 80 Bäumen großzügig.

Wie soll ich jetzt weitermachen? Natürlich möchte ich dabei helfen, den Verlust an Grünflächen zu kompensieren. Nun kann ich ja nicht einfach die Bäume ins Rathaus tragen, oder vielmehr ins Stadtschloss. Sollte ich eventuell erst mal selber ein paar geeignete Standorte für Baumpflanzungen vorschlagen? Bei drei Hektar Grünfläche bin ich da als Privatperson ziemlich überfordert.

Hat jemand eine gute Idee? Wie es weitergeht, lesen Sie bitte in "Barock statt Grün"Teil 2.

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