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When I was young Teil 2

In "when I was young, Teil 1, habe ich über Alltagsdinge berichtet, die ich aus den verschiedensten Materialien hergestellt habe. Heute geht es um Kleidung:

Eric Burdon‘s grandioser Song kommt mir oft in den Sinn, wenn ich an der Nähmaschine sitze und alte Stoffen zu neuen Klamotten vernähe.

„When I was young it was more important“
Die alten Stoffe fühlen sich gut an: weich , schmiegsam und beständig und ich bilde mir ein, etwas von der vergangenen Zeit zu spüren, als sie eine Funktion erfüllten, die heute überflüssig geworden ist, als Gardine, Vorhang, Tischdecke oder Stuhlschoner.
Auch die  oft nicht gerade zeitgemäßen Farben und Muster bringen das wahre Wesen von Trends, Moden, Ansichten und Gewohnheiten zum Ausdruck, es birgt
Flüchtigkeit in sich, ist ständig auf der Suche nach Veränderung.
Gleichzeitig  besitzen die Stoffe ein Qualitätsmerkmal, welches heute
leider an Bedeutung verloren hat: Langlebigkeit, ja man kann fast sagen, Beständigkeit. Früher sollte Wäsche lange halten, die „Aussteuer“ am besten ein ganzes Leben lang. Pullover wurden wieder aufgetrennt und zu „neuen“ verstrickt, alte Kleider wurden vorsichtig auseinander geschnitten und  zu „neuen“ vernäht. Das funktionierte natürlich nur mit Garn und Stoffen, die einer solch langen Nutzungsdauer auch standhielten. Die verwendeten Rohstoffe  waren, vor dem Einzug der chemischen Industrie in unser Leben, reine Naturstoffe wie Leinen oder Baumwolle, ohne Beimischungen irgendwelcher Art. Es ist vielleicht die Freude an der Reinheit und der Langlebigkeit des Materials, welche mich daran hindert, diese alten Stoffe einfach wegzuwerfen.

Diese Freude vermischt sich mit der aufregenden Vorstellung, diese unmodernen Muster und Farben in neue Zusammenhängen  zu setzen, verrückte Kombinationen auszuprobieren und etwas zu nähen, was es vorher noch nie gab. Aufregend neu. Diese Kleid beispielsweise war eine Übergardine. Blickdichter, weicher Stoff, fühlt sich an wie Baumwolle oder Flanell. Ich habe ihn geschenkt bekommen und auch eine Zeit lang als Übergardine benutzt, bis mir die relativ dunklen Farben zu viel wurden. Dann habe ich dieses Kleid daraus genäht. Am Fenster hängen jetzt weiße Gardinen, Damast übrigens, also alte Tischdecken.

Aus einer alten Tischdecke habe ich dieses Kleidungsstück genäht. Ich finde, es passt gut zur Spätsommerstimmung.

Es ist leicht und luftig und hält trotzdem erstaunlich warm.

Das Karomuster hat es mir das Gelingen eines symmetrischen Anblicks schwer gemacht, doch das stört mich nicht.

Da es im September auch schon mal kühler sein kann, trage ich gerne diese Pulswärmer. Sie sind aus Spitzendeckchen genäht.

 

Ich mag sie sehr- so manches T-Shirt habe ich schon mit aufgenähten Deckchen verziert.

Dieser Rock ist komplett aus Krawatten genäht. Krawatten findet man in Second-Hand-Kaufhäusern. Die Schwierigkeit, die einzelnen Krawatten zusammenzunähen, ohne dass sie sich in alle Richtungen verziehen, habe ich nicht ganz bewältigen können. Das nächste Mal würde ich die Krawatten auseinandernehmen, mit Bügelvlies fixieren und den Rock dann unterfüttern. Meine Version besteht also nur aus aneinander genähten Krawatten. Das Tragegefühl ist sehr angenehm, von innen glatt, leicht und wärmend.

Dieses Kleid besteht aus einer Bluse im Blouson-Stil, also mit Bündchen, welches ich abgeschnitten habe und mehrere handgebatikte Seidenschals als Rockteil angenäht habe.

Es ist sehr luftig und ich trage es, der Farben wegen, im Herbst- die perfekte Camouflage!

Das Braun des Oberteils hat mir zunächst auch nicht gefallen. Doch das Material, Rohseide, fand ich doch zu schade, um es wegzuwerfen.

Durch die Kombination mit den Seidenschals und die Applikation

(aus den Resten der Schals) ist es meiner Meinung nach, ganz erträglich geworden.

Dinge zu verwandeln bringt die unsagbar bereichernde Erfahrung mit sich, Umstände, Situationen und Dinge,

ändern zu können. Zum Ende meines Beitrages habe ich noch zwei Beispiele aus meinem Kleiderschrank.
Aus dem Kleidertauschladen hatte ich ein schönes grünes Kleid aus einem leichten, fließendem Stoff (Elasten o.ä.) Das florale Muster fand ich nach einer Weile zu wild. Also habe ich es umgedreht, die Ärmel als Hosenbeine deklariert, störende Besätze aus dem Halsausschnitt herausgeschnitten und das Loch zusammengenäht und zum Schluss als Hosenbund mehrer schmale Tunnel für Gummibandeinzug genäht. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, denn diese Hose ist super bequem und lässt alle Bewegungen zu. Aus den Rest-Stücken habe ich mir übrigens noch aufgesetzte Hosentaschen genäht.

Einmal beflügelt von diesem Erfolg, habe ich mir meine ehemalige Sport-Hose vorgenommen. Sie besteht aus einem weichen Stoff mit 95 Prozent Baumwollanteil. Was mich immer geärgert hat, ist die Dreiviertel-Länge. Ich weiß nicht, wie andere Menschen mit so einer Länge klarkommen, ich möchte entweder meine Waden gewärmt haben oder eine kurze Hose tragen. Ich kenne keine Wetterlage, für die eine solche Hosenbeinlänge geeignet wäre.

Also dachte ich mir, wenn aus einem Kleid eine Hose werden kann, dann auch aus einer Hose ein Oberteil!
Die Umwandlung war wirklich einfach: Ich habe die Hosenbeine aufgetrennt, die aufgetrennten Teile dann gerade geschnitten und wieder, mit Halsausschnitt zusammengenäht. Fertig!

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