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Wachsen und wachsen lassen-meine wilden Kräuter

Während des Schreibens des Artikels „Die essbaren Wilden“ wurde mir klar, dass ich den Kräutern in meinem Garten ein extra--Kapitel widmen muss, nicht nur, weil es so viele sind, sondern auch, weil es so viel Interessantes zu beobachten und zu lernen gibt. Viele Kräuter  in meinem Garten sind nicht von mir gesät oder gepflanzt sondern einfach zu mir gekommen. Ich reiße ja auch nichts raus, bevor ich weiß, was da wächst. Als wir den Garten übernommen hatten, war alles mit Efeu überwuchert und total verschattet. Nachdem die abgestorbenen Äste und Bäume entfernt waren und die noch lebenden in Form geschnitten worden waren, veränderte sich auch der Boden und manche Pflanzen tauchten einfach auf.

Das ist auch der Grund, warum ich meine Kräuter hier vorstellen möchte, denn Pflanzenportraits gibt es schon genug im Internet:

Ich möchte zeigen, wie einfach es im Prinzip ist, sich fast das ganze Jahr über mit frischen wilden Kräutern aus dem eigenen Garten zu versorgen und -toller Nebeneffekt- sich einen vielfältigen bunten und duftenden Lebensraum zu teilen mit allem was in einem naturbelassenen Garten so lebt.

Ackerschachtelhalm

Ackerschachtelhalm nutze ich als Tee und als Pflanzendünger. Empfehlenswert ist das Büchlein “Pflanzensaft gibt Pflanzen Kraft“ aus der  Abtei zur Hl.Maria, erhältlich im Klosterladen in der Nonnen-gasse in Fulda. Wenn möglich, lege ich mir gerne einen große Vorräte an. Im letzten Jahr hatte ich viel zu viel gehortet und entschied mich dafür, die getrockneten Pflanzen  als nahrhaften Mulch direkt um sensible Pflanzen legen. Kein Wunder, dass dieses Kraut früher zum Scheuern von Töpfen verwendet worden ist, dachte ich, während ich das feste Kraut in meinen Händen fühlte. Und so kam ich auf die Idee, daraus einen Schutzwall gegen Schnecken  um meine frischen zarten Salatpflanzen zu legen. Die ersten Tage waren vielversprechend. Die Schnecken machten echt einen Bogen um den Ackerschachtelhalm! Meine Freude war groß und ich fühlte mich wie Kolumbus. Ich hatte das ultimative Schnecken-abwehrsystem erfunden! Meine Euphorie hielt bis zum nächsten Regen, da war der Wall schon etwas schlaff, meine Vorräte verbraucht und die neue Ernte noch weit. Ich lockerte das Kraut wieder etwas auf, doch der Verrottungsprozess hatte begonnen. Auch gut, so kommen die Nähstoffe an meinen Salat und ich tüftelte nun an einem Abwehrzaun aus Kupferdraht.

Beinwell

Text folgt in Kürze

Giersch

Irgendwo in diesem grünen Teppich ist der Giersch
Irgendwo in diesem grünen Teppich ist der Giersch

Giersch, das Kraut, welches, nach Jan Wagner das Begehren bereits im Namen trägt, wächst wirklich sehr maßlos.

Auch für Personen wie mich, für die Giersch von April bis Juni schon fast zu meinen Grundnahrungsmitteln gehört, ist es absolut erstaunlich, wie kraftvoll diese Pflanze ist. Ich habe den Giersch immer verteidigt und eher die These „Aufessen statt ausrotten“ vertreten, doch in den letzten Jahren war er mir dann doch zu viel. Es ist ja wirklich so, dass Giersch, je mehr er bekämpft wird, desto kräftiger wächst. Da ich Giersch mittlerweile im ganzen Garten hatte, erntete ich auch überall, Überschüsse verwendete ich, um Dünger herzustellen oder direkt als nahrhaften Mulch. In diesem Jahr hatte ich dann die Idee, den Giersch nur an einer etwa 3 Quadratmeter großen Stelle  direkt neben der Terrasse zu ernten. Ich wollte beobachten, ob er wirklich dichter wird, wenn ich immer wieder an der gleichen Stelle ernte. Meiner Meinung nach eindeutig JA! Neulich, während einer Veranstaltung zum Thema „Insektenfreundlicher Garten“ im Umweltzentrum Fulda erzählte ich einer anderen Kräuterliebhaberin von meiner Beobachtung. „Wenn das stimmt, hast du irgendwann mal zu wenig Giersch- aber zur Not kannst du ja auch nach säen.“ war ihre Antwort. An diesem Tag verabredete ich mich auch zum Pflanzentausch: Giersch gegen Guten Heinrich. Es lebe die Spinatvielfalt!  Was ich in diesem Jahr neu ausprobiert habe ist Limonade  aus Giersch-sehr lecker. Wenn ich nur den Kräutergeschmack von Giersch Minze/Melisse o.ä. genießen möchte, lege ich die Kräuter einfach eine Stunde in meine Wasserkaraffe. Ein Spritzer Zitrone dazu, Zucker brauche ich nicht (immer) dazu.

 

 

Knoblauchsrauke

Giersch und Knoblauchrauke sind befreundet, jedenfalls erscheinen sie mir immer so: Egal zu welchem Gericht, die beiden gehen eigentlich immer zusammen. Sobald die ersten Blättchen da sind, und das ist manchmal bereits im März, doch spätestens Anfang April, kann ich ernten. Der zarte Knoblauchduft ist sehr mild und unwiderstehlich. Ein Pesto aus Knoblauchrauke ist einfach köstlich, doch die Verwendung ist wirklich sehr vielseitig. Es gibt viele gute Informationen,

deswegen möchte ich zu der Pflanze noch sagen, dass ich darauf achte, dass genügend Samenstände verbleiben. Die Pflanze sät sich selbst aus, doch ich greife mitunter ein, ernte den Samen und sähe an die Stellen, wo ich es für richtig halte, z.B. zur Beschattung von Zwischenräumen.

 

Quillquina

In diesem Jahr habe ich zum Beispiel gelernt, dass sich mein Quillquina  (Sprich: killkinja oder Killi) , eine Gewürzpflanze aus dem bolivianischem Hochland, ganz genauso verhält, als wüchse sie immer noch in den Anden und nicht an einem Berghang des Aschenbergs. So genau kenne ich zwar die klimatischen Verhältnisse dort nicht, mein Killi scheint jedenfalls seine ganz eigene innere Uhr zu haben. Ich habe ihn schon zu ganz unterschiedlichen Zeiten ausgesät- im Herbst, im frühen Frühjahr, im späteren Frühjahr. Noch nie ist die Saat richtig aufgegangen, doch eine winzige Pflanze  entdeckte ich dann immer im Juli oder August, meist an einem überraschenden Standort. Ende Oktober trug ich dann das noch immer mickrige Pflänzchen ins Haus und hielt es den Winter über am Leben. Obwohl das bedauernswerte Geschöpf gerade ein Zehntel seiner normalen Größe hatte, blühte  es, so dass ich wenigstens das Saatgut hatte. An die Ernte der Blätter war nicht zu denken- ich hätte ja mit einer Pinzette arbeiten müssen. 

Also säte ich wieder an allen erdenklichen Standorten aus und die Geschichte wiederholte sich Jahr für Jahr während ich von diesem einmaligen Aroma träumte. In diesem Jahr entdeckte ich dann mit einem Mal ganz viele Pflanzen, wenn auch erst wieder im Juli. Ich fand sie alle dicht um die Mutterpflanze herum- sie hatten sich selbst ausgesät! Killi ist also ein Lichtkeimer. Ich darf den Samen also nicht mit Erde bedecken.  Nun werde ich die Pflänzchen also wieder überwintern und träume von großen Portionen mit würzigem Pesto im nächsten Sommer!

Zitronenachachee

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Spitzwegerich

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