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Wachsen und wachsen lassen-meine wilden Kräuter

Quillquina

Während des Schreibens des Artikels „Die essbaren Wilden“ wurde mir klar, dass ich den Kräutern in meinem Garten ein extra--Kapitel widmen muss, nicht nur, weil es so viele sind, sondern auch, weil es so viel Interessantes zu beobachten und zu lernen gibt. Viele Kräuter  in meinem Garten sind nicht von mir gesät oder gepflanzt sondern einfach zu mir gekommen. Ich reiße ja auch nichts raus, bevor ich weiß, was da wächst. Als wir den Garten übernommen hatten, war alles mit Efeu überwuchert und total verschattet. Nachdem die abgestorbenen Äste und Bäume entfernt waren und die noch lebenden in Form geschnitten worden waren, veränderte sich auch der Boden und manche Pflanzen tauchten einfach auf. Doch dazu später. Ich gehe nicht alphabetisch vor, obwohl ich vermute, zu jedem Buchstaben mindestens ein Kräutlein zu haben, nein ich fange an im Hier und Jetzt und ordne die Beiträge irgendwann später. Vielleicht ergibt sich ja auch ein anderes System  als das alphabetische.

 

In diesem Jahr habe ich zum Beispiel gelernt, dass sich mein Quillquina  (Sprich: killkinja oder Killi) , eine Gewürzpflanze aus dem bolivianischem Hochland, ganz genauso verhält, als wüchse sie immer noch in den Anden und nicht an einem Berghang des Aschenbergs. So genau kenne ich zwar die klimatischen Verhältnisse dort nicht, mein Killi scheint jedenfalls seine ganz eigene innere Uhr zu haben. Ich habe ihn schon zu ganz unterschiedlichen Zeiten ausgesät- im Herbst, im frühen Frühjahr, im späteren Frühjahr. Noch nie ist die Saat richtig aufgegangen, doch eine winzige Pflanze  entdeckte ich dann immer im Juli oder August, meist an einem überraschenden Standort. Ende Oktober trug ich dann das noch immer mickrige Pflänzchen ins Haus und hielt es den Winter über am Leben. Obwohl das bedauernswerte Geschöpf gerade ein Zehntel seiner normalen Größe hatte, blühte  es, so dass ich wenigstens das Saatgut hatte. An die Ernte der Blätter war nicht zu denken- ich hätte ja mit einer Pinzette arbeiten müssen.

 

Also säte ich wieder an allen erdenklichen Standorten aus und die Geschichte wiederholte sich Jahr für Jahr während ich von diesem einmaligen Aroma träumte. In diesem Jahr entdeckte ich dann mit einem Mal ganz viele Pflanzen, wenn auch erst wieder im Juli. Ich fand sie alle dicht um die Mutterpflanze herum- sie hatten sich selbst ausgesät! Killi ist also ein Lichtkeimer. Ich darf den Samen also nicht mit Erde bedecken.

 

Nun werde ich die Pflänzchen also wieder überwintern und träume von großen Portionen mit würzigem Pesto im nächsten Sommer!

 

Ackerschachtelhalm

Ackerschachtelhalm nutze ich als Tee und als Pflanzendünger. Empfehlenswert ist das Büchlein “Pflanzensaft gibt Pflanzen Kraft“ aus der  Abtei zur Hl.Maria, erhältlich im Klosterladen in der Nonnen-gasse in Fulda. Wenn möglich, lege ich mir gerne einen große Vorräte an. Im letzten Jahr hatte ich viel zu viel gehortet und entschied mich dafür, die getrockneten Pflanzen  als nahrhaften Mulch direkt um sensible Pflanzen legen. Kein Wunder, dass dieses Kraut früher zum Scheuern von Töpfen verwendet worden ist, dachte ich, während ich das feste Kraut in meinen Händen fühlte. Und so kam ich auf die Idee, daraus einen Schutzwall gegen Schnecken  um meine frischen zarten Salatpflanzen zu legen. Die ersten Tage waren vielversprechend. Die Schnecken machten echt einen Bogen um den Ackerschachtelhalm! Meine Freude war groß und ich fühlte mich wie Kolumbus. Ich hatte das ultimative Schnecken-abwehrsystem erfunden! Meine Euphorie hielt bis zum nächsten Regen, da war der Wall schon etwas schlaff, meine Vorräte verbraucht und die neue Ernte noch weit. Ich lockerte das Kraut wieder etwas auf, doch der Verrottungsprozess hatte begonnen. Auch gut, so kommen die Nähstoffe an meinen Salat und ich tüftelte nun an einem Abwehrzaun aus Kupferdraht.

 

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