Die Idee ist wirklich nicht neu: Im Jahr 2011
stellte ich das Projekt das erste Mal bei einem Markt der Möglichkeiten vor. Ich schrieb damals: "In jedem kleinen Projekt muss sich die geforderte Radikalität des Umdenkens erweisen.
Und die Radikalität der Prioritätenveränderung muss einen Prozess des Gesamtsystems unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens bewirken-als Modellbeispiel nachhaltiger Wirtschaftsweise, die sinnvoll für Mensch und Natur ist.
Die Philosophie
der Wiederverwertung und der Verwandlung sind mir immer noch sehr wichtig:
Weil ich davon überzeugt bin, dass unser durch Überfluss und Verschwendung geprägte
Lebensstil falsch ist. Falsch und gefährlich für das Überleben der Menschheit, nicht jedoch für den Planeten Erde. Genau betrachtet, ginge es der Erde, die ich als lebendiges und Leben hervorbringendes Geschöpf betrachte, besser ohne Menschen, die das Klima verändern, die Artenvielfalt zerstören, Tiere quälen und alles vergiften und verseuchen, was ihnen auf kurze Frist nicht nützlich erscheint. Doch der Mensch hat zwei sehr starke, gegensätzliche Fähigkeiten:
Zu zerstören und zu heilen. Und es liegt in jedem Menschen selbst, zu entscheiden, was ihm am wichtigsten ist.
Der Umgang mit gebrauchten Materialien führt zu einer veränderten Aufmerksamkeit, einer gesteigerten Achtsamkeit gegenüber Dingen und Sachverhalten in meinem Leben.
Schon eine geringe Änderung des Blickwinkels kann meine Meinung, meine Einstellung zu bestimmten Themen, ja meine gesamte Haltung zum Leben verändern. Die Welt ist viel interessanter, wenn ich alles, was mir im alltäglichen Leben an Dingen und Materialien in die Hände fällt, erst mal genau
betrachte. Und da ich ja immer viel basteln und bauen habe, entdecke ich mittlerweile viel Interessantes:
Das abgelaufene lösliche Kaffeepulver ist eine exzellente braune Tinte- ebenso wie der Saft der Roten Beete. Kirschkerne kann
ich ins Fühlsäckchen einnähen-oder sind sie besser in einer selbstgebauten Rassel aufgehoben? Altes kann ich wieder aufmöbeln, Eierkartons sind das ideale Material für Papiermachée und alte Aktenordner bestehen aus fester und dennoch leichter Pappe-..
Altes Material inspiriert mich und führt meistens zu vielfältigen, sehr individuellenErgebnissen. Doch am Wichtigsten finde ich, sich mit den Fragen auseinander-zusetzen, die erst das Upcycling in unseren Blick rückt:
Warum werden diese Ordner ausgetauscht und weggeworfen? Sie waren alle noch funktionstüchtig. Warum hat niemand auch nur einen Gedanken daran verschwendet,
funktionstüchtige, saubere Ordner weiterzugeben, zu verschenken, oder gegen andere zu tauschen (falls sie vielleicht zu klein geworden sind). Nein, sie sollten in die Mülltonne.
Wir sind es mittlerweile gewöhnt, Dinge nach kurzer Gebrauchszeit wegzuwerfen, weil es „sich nicht lohnt“, weil wir Wichtigeres zu tun haben, als uns um solche Kleinigkeiten zu kümmern.
Doch manchmal lohnt es sich eben doch, inmitten des hektischen
Arbeitsalltags innezuhalten, das eigene Tun zu betrachten und nachzudenken. Und vorzudenken.
Und in verschiedene Richtungen zu denken.
Auf diesem Weg sind die Modelle hier entstanden:
Ich muss nichts wegwerfen, was Andere vielleicht noch gebrauchen können. Alle Sozialkaufhäuser in unserer Stadt nehmen gebrauchte Dinge an und verkaufen oder verschenken diese an Menschen, die wenig Geld haben. Es gibt Sammelstellen und Möglichkeiten der sinnvollen Verteilung, Tauschbörsen, kostenlose Kleinanzeigen usw. Betrachten wir neben dem sozialen Aspekt auch noch den ökologischen, dann ist völlig klar: Mit unserem Lebensstil der kurzlebigen Produkte haben wir nicht nur ein Müllproblem und ein Klimaproblem sondern wir gefährden auch unsere Zukunft und
die Zukunft nachfolgender Generationen. Offensichtlich bin ich mit meinen Überlegungen nicht alleine, denn ich
werde immer wieder von mir bekannten oder unbekannten Personen auf das Thema angesprochen, so wie kürzlich von den Schlaufuchsreportern der Fuldaer Zeitung:
Fortsetzung folgt...
Kommentar schreiben