Lieblingsorte in Fulda, Nr. 1: Der Euro-Wald

Ein Weg durch einen Park, eine unscheinbare Abzweigung- wohin führt sie? Das ist vom Hauptweg aus nicht erkennbar, wohin soll dieser Pfad schon führen, der Park ist ja hier zu Ende und dahinter liegt ein weites Feld. Also weitergehen.

Wer es aber genauer wissen will und dem von hohem Gras gesäumten Nebenweg folgt, bemerkt schon beizeiten, dass es hier rundherum geht- rund um einen Hügel, spiralförmig nach oben. Man geht und geht, staunt über die verschiedenen Bäume, die hier in runder Reihe stehen. Ringelreihe. Wechselnde Aussichten und Einblicke. Es ist ein Weg der, einen langsamer werden lässt. Immer gehen, gehen, immer weitergehn, wie schön! Fast ist es schade, oben anzukommen, auf dem Plateau. Kreisrund, mit Bänken aus Stein, nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet.

Im letzten Jahr wählte ich für einen Teil meiner Veranstaltungsreihe „Besondere Texte an besonderen Orten“ das Plateau des Euro-Waldes in Fulda/ Haimbach. Der Kreis blühender Linden rings um das Plateau und die Aussicht über die Stadt bis weit zu den Rhöner Bergen am Horizont bildeten einen schönen Rahmen für meine Lesung.

Bei dieser Gelegenheit habe ich erstaunt festgestellt, dass scheinbar nur wenige Menschen, Fuldaer (!) diesen Ort kennen. Wie kann das nur sein? Einer meiner Lieblingsorte!

Nun, ich denke, ich habe die Art und Weise, meine Umgebung zu erkunden, von meinem Vater gelernt. Stets mit dem Fahrrad unterwegs, durchaus in ernsthaften Absichten, doch immer bereit zu kleinen Abschweifungen, entdeckte und erforschte er seine Stadt und seine Umgebung. Immer war er bestens informiert, weil er immer wieder „einen kleinen Schlenker“ machte. Ich liebe es auch, durch die Gegend zu streifen, doch den Euro-Wald kenne ich schon seit der Entstehung. Ganz gewöhnlich habe ich darüber in der Zeitung gelesen und weil mir die Grundidee so gut gefallen hat, und die Umsetzung so gelungen ist, habe ich mich natürlich mit diesem Ort verbunden.

Die Geschichte des Eurowaldes ist für mich bedeutsam, weil sie den Zeitgeist dokumentiert,

der noch vor 25 Jahren so deutlich spürbar war und sich in diesem baumbewachsenen Hügel und seinem spiralförmigen Weg nach oben manifestiert hat.

Was ich damit meine? Nun, schauen Sie sich doch mal den Eingang zum Landesgartenschaugelände an. Es gibt keinen besseren Ort in Fulda, um den heutigen Zeitgeist zu spüren. Und dann gehen Sie den Weg durch die Spirale des Euro-Waldes!

Ich hoffe nur, dass dieses Kleinod am Fuldaer Stadtrand lange unangetastet bleiben wird. Wie sich die Grünanlagen und Parks nach „Umgestaltungsmaßnahmen“ verändern, sieht man ja: mehr Beton, weniger Grün, alte Bäume kommen weg oder werden geköpft, Bänke für Riesen werden aufgestellt.

Im kommunalen Bereich spiegelt sich die große Politik.

Dazu mehr im nächsten Artikel: Earth Day 2026.

 

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