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Zeit der Maulwürfe

Im Februar renovieren die Maulwürfe ihre Behausungen, ihre Gänge und Höhlen. In diesem Jahr habe ich den Eindruck, einige von kleinen Pelztieren haben sich von so manchen menschlichen Nachbarn inspirieren lassen-größere Häuser, größere Autos und entsprechende Garagen, größere Gewerbehallen sowieso. Wie ich darauf komme? In der Fuldaaue bei Gläserzell habe ich derart große Erdhügel entdeckt, dass ich mich fragte, wie kann ein so kleines Tier so viel Aushub produzieren?

 Heute gehe ich den Weg von der Wiesenmühle bis zur neuen Fußgängerbrücke hinterm Rosenbad entlang.

Wie nicht anders zu erwarten, gefällt mir die neue Brücke nicht. Die alte Holzbrücke hatte eben einfach mehr Charme, die moderne Bauweise ist funktionell und mehr nicht. Ein großes Stück der Wiese neben der neuen Brücke ist mit Schotter belegt, wer weiß, was sie da wieder Wichtiges planen- einen Parkplatz? Wieder mal ein Stück Natur gesteinigt. Über dem Fluss erhebt sich ein großer, schwarzer Vogel und schwebt über mich und die Brücke hinweg. Dieser schöne Anblick lenkt meinen Blick

auf die andere Seite der geschotterten Fläche: Maulwurfhügel- unzählig viele. Die Wiese wirkt wie eine kleine Siedlung, die Erdhügel wie Dächer auf den im Gras verborgenen Häuser. Die Bewohner selbst zeigen sich niemals.

Auf dem Rückweg bemerke ich die neuen Schautafeln im geologischen

Steingarten hinter dem Rosengartenparkhaus. Der schöne Name des Parkhauses deutet wohl an, dass hier früher irgendwann einen Rosengarten existierte. Davon ist jetzt nichts mehr zu erahnen, selbst die Kletterpflanzen und Sträucher rings um das Parkhaus wurden im Zuge der Landesgartenschau entfernt.

Die neuen Schautafeln wurden von der Unternehmensgruppe, Franz Carl Nüdling erstellt.

Neben der Luftaufnahme, die ein Abbaugebiet von enormer Größe zeigt, steht geschrieben:

Im Holozän werden Steine, Basalt und Split überall im Alltag als Rohstoff benötigt. Dann folgt eine Aufzählung der Verwendungsmöglichkeiten, bspw. Straßenbau.

Weiter im Text erfahre ich, das bei der Gewinnung von Gestein darauf geachtet wird, dass diese nachhaltig und ressourceneffizient, sowie rechtskonform geschieht. Steinbrüche sind nicht nur Gewinnungs- Stätten, sondern auch bereits während des Abbaus Lebensraum vieler Tier und Pflanzenarten. In Fachkreisen werden Steinbrüche sogar als Hotspot der Biodiversität bezeichnet. Denn durch das Abtragen des Oberbodens in Steinbrüchen tauchen nährstoffarme Standorte als Lebensraum für Tiere und Pflanzen auf, die in sonstiger Landschaft durch intensive Nutzung fehlen. Ja und dann sind die Tier und Pflanzenarten aufgezählt, die darauf gewartet haben, dass das Betonunternehmen hier endlich Lebensraum erschaffen hat.

Halleluja.

Ich gehe weiter Richtung Alter Schlachthof. Am Spielplatz nebenan wurden im letzten, vorletzten und vorvorletzten Jahr den großen alten Weiden die Krone abgeschnitten, jedes Mal ein Stück mehr.

Hier kann man gut beobachten, wie diese sogenannten Baumpflegearbeiten dazu führen, dass die Bäume selbst das nicht so gut finden, wie immer wieder behauptet wird. Vorsorglich wurde deshalb neben dem frisch Enthaupteten ein junges Bäumchen gepflanzt. Und die zweite alte Weide wurde vor Kurzem gefällt. Na, wahrscheinlich war die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet.

Die Stadt Fulda kann wirklich stolz sein, und das sind die Verantwortlichen auch. Sie rühmen sich mit der großen Anzahl neu gepflanzter Bäume, für all die gefällten alten Bäume haben sie ihre Standard-Begründung der Verkehrswegesicherheit.

 Doch kommen wir mal auf die Maulwürfe zurück. Wie schon sagte, ist deren Leben für unser menschliches Dasein nicht relevant: Sie stören Gärtner und Landwirte mit ihren Erdhügeln. Für was diese kleinen Tierchen vielleicht nützlich sind oder ob sie gar ein Lebensrecht besitzen auch ohne Mehrwert für die Menschheit- das wissen höchstens die Kinder, die noch die Sendung mit der Maus schauen und die Geschichten des tschechischen Autors Ivan Klima vom kleinen Maulwurf kennen.

Wird leider mit dem Heranwachsen meistens vergessen.

Aber nicht nur die Geschichten aus der Kindheit sollten wir uns im Herzen bewahren, sondern uns generell wieder daran erinnern, dass wir Teil einer großen Familie sind: Menschen, Tiere, Pflanzen-eine Erde. Ist eigentlich nicht so schwer, oder?

Die Maulwürfe haben natürlich keine Chance, ihre Rechte zu verteidigen. Wird ihre Wiese mit Schotter zugeschüttet, wandern sie weiter, so gut sie können, denn der Lebensraum wird immer enger.

Wir Menschen jedoch können uns wehren, zum Beispiel gegen lebensfeindliche Maßnahmen wie dem Fällen alter Bäume. Auch wenn ein Baum krank ist, muss er nicht gefällt werden. Meistens gibt es andere Lösungen. Wenn man will.

Eigentlich mag ich den Februar: Die Sonnenstrahlen haben es in sich, ein Frühlingsversprechen liegt in der Luft und im Garten leuchten die Winterlinge mit den Schneeglöckchen um die Wette. Spaziergänge in Fulda und Umgebung stimmen mich dagegen traurig, denn überall springen die Wunden der sogenannten Pflegemaßnahmen ins Auge. Hier habe ich im Herbst Schlehen geerntet. Die Früchte der Schlehen sind Vogelfutter für den ganzen Winter. Für Menschen natürlich auch, doch die Zahl der Nutzer ist überschaubar. Oberstes Gebot für Sammler von Wildfrüchten ist, bescheiden zu sein, wenig zu nehmen und den Vögeln und anderen Tieren noch genügend zu lassen. Wer hat schon einmal von der „Handvoll_Regel“ gehört? Im letzten Jahr gab es mehr als genug Früchte, so viel, dass sich die Äste bogen. Damit soll wohl sicher auch dieses Massaker gerechtfertigt werden. Dummerweise wird das jedes Jahr so gemacht die Schlehengehölze im Flora-Fauna-Habitat werden systematisch, kontinuierlich dezimiert. Die Schlehen blühen als erste im Frühjahr, also theoretisch und nicht gerade hier hinterm Klärwerk. Pech für die Insekten und die Biodiversität.

Einen Baum haben sie auch wieder gefällt, naja, das Übliche, war sicher krank. Im letzten Jahr haben sie zwei an dieser Stelle gefällt. Wie schon gesagt, ich finde es traurig und frage mich, was das Büro für StadtverWALDung noch bewirken kann gegen diesen kranken Zeitgeist. Darüber berichte ich demnächst an dieser Stelle.

 

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