Am 1. März beginnt eine neue Kampagne des Büros für StadtverWALDung. Wer meinen Bericht von meinem Spaziergang im Februar (Zeit der Maulwürfe) gelesen hat, ahnt wohl schon, dass diese Kampagne sicher der Rubrik „Kleine Brötchen“ einzuordnen ist. Doch ich meine: Klein aber fein.
"Kleine Brötchen backen"
... kann bedeuten, dass man keine Gelegenheit hat, größere zu backen- oder gar einen mächtigen Laib Brot für die ganze Familie. Unterschwellig wird angedeutet, dass man nur zu kleinen Taten fähig ist- wenn es nicht anders geht, backen wir eben kleine Brötchen.
Aber angenommen, alle kleinen Leute fangen an, viele kleine Brötchen zu backen- wird dann der Bäcker nicht irgendwann überflüssig sein? Naja, ich bin froh, dass es Bäcker gibt. Dennoch gab es, bevor sich das Bäckerhandwerk etablierte, auch schon Backwerk. Das wurde zu Hause hergestellt, in Handarbeit, schwere Arbeit war das.
An Geschichten von früher habe ich keinen Mangel, denn ich arbeite im Altenheim. Besonders gerne höre zu, wenn davon erzählt wird, wie Hand in Hand gearbeitet wurde- in der Familie oder im Dorf. Manchmal stimmt es mich traurig, dass es heute anders ist, dass der kapitalistischen Logik zufolge dem Gemeinschaftssinn entgegengewirkt wird. Doch ich tröste mich mit dem Gedanken, dass es bis heute nicht gelungen ist, das hypersoziale Wesen Mensch umzupolen in lauter egoistische Konkurrenten, die sich gegenseitig nicht die Butter auf dem Brot gönnen, oder auf den kleinen Brötchen. Zwar gibt es immer wieder Zeiträume, wo es so aussieht, als wäre jetzt der Zwiespalt perfekt. Aktuell kann man auch nicht behaupten, dass unsere Beziehungen untereinander von Frieden und Harmonie geprägt sind. Doch ich erlebe genauso, wie Menschen mehr und mehr begreifen, dass sie zusammenhalten müssen, dass sie ihr Leben selbst gestalten können und dies auch gerne tun.
Das Bedürfnis nach Zusammenhalt, nach Gemeinschaft ist beinahe ebenso stark wie das individuelle Streben nach einem guten Leben. Davon bin ich überzeugt. Manchmal braucht es vielleicht einen kleinen Impuls, um den Blick dafür wieder zu weiten, das ist sicher so.
Um genau solch einen Impuls geht es in der Sommerkampagne des Büros für StadtverWALDung:
Auf meinen täglichen Weg zur Arbeit stelle ich mir oft vor, wie manches, was mir nicht gefällt, schöner aussehen könnte. Parkplätze sollten immer unter schönen großen Bäumen sein. An vielen Häusern ist ein neuer Anstrich fällig, woanders fehlen einfach ein paar Blumenkästen oder hübsche Kübelpflanzen. Und warum nicht auch eine Bank neben die Haustürgestellt?
Wer weiß, was sich daraus alles für nette Gespräche ergeben!
Eines Tages habe ich mir dann diese Kampagne ausgedacht:
Das Büro für StadtverWALDung verleiht dem Haus und seinen Bewohnern eine Urkunde, welches das schönste in der ganzen Straße ist. Und die anderen bekommen alle diese Postkarte in den Briefkasten gesteckt. Darauf steht:
Haben Sie es schon bemerkt?
In Ihrer Nachbarschaft ist ein Haus durch das Büro für
StadtverWALDung ausgezeichnet worden.
Ein Blumenkasten, ein bepflanzter Topf neben der Tür oder
eine Kletterpflanze an der Wand reichen aus, um das
gesamte Straßenbild grüner und bunter und schöner zu
machen. Vielleicht bekommen Sie auch bald eine
Auszeichnung?
Mit blumigen Grüßen...
Die Kampagne beginnt heute, am 1.März 2026 in der Kronhofstraße. Sie wird sich ausweiten, allein durch meine Initiative, aber auch durch Ihre, wenn Sie sich beteiligen möchten. Momentan habe ich noch genügend Karten vorrätig.Und Urkunden kann ich nachdrucken Ich bin voller Vorfreude auf die Resonanzen, auf jede kleine Veränderungen, auf Spuren der Verschönerung. Wer weiß, vielleicht bekommt das ganze Quartier bald den Beinamen „das Blumenviertel“.
Übrigens habe ich durch die Aktion heute, die Urkundenverleihung und die Verteilung der Karten einige sehr nette Menschen kennengelernt und (wieder) getroffen. Es lohnt sich also, zu Fuß durch die Gegend zu streifen. Ja, und ist es nicht immer wieder schön zu erleben, wie sich Freude vervielfältigt?
Freude wird größer, wenn ich sie teile, das ist kein mathematischer Trick, sondern kosmische Intelligenz. Und viele kleine Brötchen machen am Ende auch satt.



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