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my way-der perfekte Radweg

Von meinem Zuhause in Gläserzell bis in die Innenstadt sind es 5 oder 6 Kilometer. Besonders gerne fahre ich am frühen Morgen den Radweg entlang durch die Fuldaaue- der aufgehenden Sonne entgegen. Die Kuppeln des Domes reflektieren das Morgenrot und in den Wiesen spazieren Störche. Allerdings, wenn es heiß ist, wünsche ich mir, die Bäume mögen doch den gesamten Weg säumen. Zusammen mit durchgängigen Feldgehölzen am Wegesrand wäre die ehemaligen Lebensräume der Vögel und anderer Tiere wieder hergestellt. Und ich müsste dann nachmittags weniger Strecke durch die sengende Sonne fahren. Doch die Landwirte haben da sicher andere Vorstellungen und verbindliche politische Vorgaben, zum Beispiel aus „Klimaschutzgründen“, gibt es nicht.

Ebenso träume ich manchmal davon, wie mein schöner Weg auch in sicherheitstechnischer Hinsicht besser werden könnte. Falls sich jemand dafür interessiert, hier sind meine Lösungsvorschläge:

 Die erste Maßnahme zur Emanzipation von Radfahrern und Fußgängern wünsche ich mir direkt in meiner Straße, hier sollten Bodenwellen zur Geschwindigkeitsbegrenzung errichtet werden, denn ich wohne gegenüber Kindergarten und Schule.

Ich fahre über die Brücke hinab zur Ortsmitte und stoße auf den Radweg R1. Das ist eine besonders heikle Stelle, besonders, wenn man mit dem Rad aus Richtung Fulda Gläserzell erreicht.

Dann landet man am Ende des Radweges zwangsläufig auf der Gegenspur des Autoverkehrs und der gegenüberliegenden Ortseinfahrt. Der Radweg von Kämmerzell, in Richtung Fulda, ist an dieser Stelle unterbrochen, also der Radverkehr ist hier, an dieser hochpotenziellen Gefahrenquelle noch gar nicht eingerechnet, ebenso parkende Autos am Straßenrand

Wie kann man diese unübersichtliche Situation entschärfen? Zumindest sollte an der Ortseinfahrt nach Gläserzell, von Kämmerzell kommend ein Schild stehen „Vorsicht, Radweg“.

Am besten wäre natürlich, den Radweg gleichberechtigt zum Autoverkehr zu gestalten. Vielleicht einen Kreisel bauen? Platz genug wäre ja da...

Die nächste Station ist die Überquerung des Fuldaer Weges. Hier fehlt ein Zebrastreifen. Naja, irgendwann winkt mal ein großzügiger Autofahrer oder die Autoschlange reißt mal ab. 11000 Autos pro Tag- eine gute Einnahmequelle für die Kommune, deswegen steht hier ein Blitzer. Die einheimischen kennen die Stelle schon, für Andere ist der Wechsel von 70 km/h zu 30 km/h oft zu abrupt.Bei so einer guten Einnahmequelle könnte vielleicht was übrigbleiben für das bisschen Kreidefarbe, das man für einen Zebrastreifen braucht. Der Autoverkehr würde ohnehin nicht beeinträchtigt- müssen sie doch an dieser Stelle abbremsen. Allerdings könnten häufigere Bremsvorgänge auch die Einnahmen für die Stadt schmälern, denn dann würde ja weniger geblitzt. Wie dem auch sei, ich fordere einen Zebrastreifen.

Der Horaser Weg sollte Fahrradstraße sein und nur Busse und Anwohner dürften die Straße befahren. Eine entsprechende Markierung für die Fahrradspur muss her. Zwar gibt es auch den Radweg durch die Fuldaaue (zwischen Fuldaer Weg und Weimarer Straße, unter der Eisenbahnbrücke entlang, der Justus-Schneider-Weg. Dieser ist allerdings auch stark frequentiert von Joggern, beliebt bei Nordic-Walking-Gruppen und ist Freilaufzone für Hunde. Den Hunden sei es gegönnt, wenn ich es eilig habe, zur Arbeit zu kommen, fahre ich lieber den Horaser Weg entlang. Ist auch meine kürzeste Verbindung.

Am Ende des Horaser Weges muss ich die Weimarer Straße überqueren. Die Radfahrer, die vom Frauenberg auf den Horaser Weg stoßen, brauchen dringend einen Zebrastreifen. Und die Ampelschaltung kurz vor dem Weimarer Tunnel sollte auf Bedarfsschaltung für alle Nichtautofahrer umgewandelt werden. Oder überhaupt mal technisch überprüft werden: Manchmal werden Autofahrer und Fußgänger gemeinsam in einer meditativen Warteschleife gefangen, die eigentlich keiner wirklich braucht.

Wenn ich die Löherstraße passiere, frage ich mich immer, wann wird die endlich Auto-frei? Es ist doch auch für die Autofahrer kein Vergnügen, dort zu fahren, so eng wir es ist. Vielleicht nehmen deswegen so viele von ihnen einfach die „Augen-Zu-und-durch-Stellung“ ein. Jedenfalls bin IMMER ich diejenige, die entgegenkommenden Autofahrern ausweichen muss, weil sie auf meine Fahrbahn kommen. Gott sei Dank ist die Löherstraße nicht so lang und immerhin ist sie ja schon mal Einbahnstraße geworden. Nun gilt es, die Schildeckstraße zu überqueren. Dort haben die Fußgänger eine Spur und die Radfahrer auch. Ein Problem entsteht dort regelmäßig, wenn ich auf der Fahrradspur bleibe, denn die von der Frankfurter Straße kommenden, rechts abbiegenden Autos fahren schon mal um die Kurve herum bis zum Fußgängerstreifen und sind mir dann beim Linksabbiegen in die Schildeckstraße im Weg. Oder ich Ihnen, je nach Perspektive. Also benutze ich, auch weil ich mich sicherer fühle, die Spur der Fußgänger. Meistens ist die Zeit zu kurz, meine Vorgehensweise zu erklären und ggf. Lösungsvorschläge für dieses tägliche Dilemma entgegenzunehmen. Ich habe auch keine Idee, außer ein klares Stoppschild für die Autofahrer an entsprechender Stelle.

Jedenfalls biege ich dann in die Rangstraße ein, wo der Radweg sofort in den Fußweg mündet, und die Markierung endet. Weil ich vorhabe, beim Mediana-Pflegestift links abzubiegen, wäre es sicherer, gleich auf der Straße zu bleiben. Geht aber oft nicht, weil die Autos aus der Dalbergstraße kommend, mit mir zusammen Grün haben. Also fahre ich auf den Gehweg, der ja auch irgendwie Radweg sein soll, hoch, um sogleich die Gelegenheit zu suchen, wieder auf die Straße runterzufahren (weil ich ja gleich links abbiegen will.) Auf die Straße komme ich am bequemsten an den Stellen, wo der Gehweg abgeflacht ist. Dummerweise sind diese Stellen auch Ausfahrten. Hier ist Konzentration gefragt. Gleichzeitig frage ich mich, ob irgendwer in Fulda beim Bau von Radwegen mal die Perspektive von Radfahrern einnimmt-und dann entsprechend berücksichtigt.

Mittlerweile betrachte ich diese Hürde als Morgenroutine und bin froh, den Durchgang beim Mediana-Wohnstift erreicht zu haben. Wenn dieser öffentliche Durchgang nicht gerade zugeparkt ist, und nicht gerade von eine Schar von Eltern mit Kindern in Richtung Kindergarten passiert wird, ist alles gut. Schon bin ich an der Arbeit, wo ich nicht an den Fahrradständer komme, weil ein Auto davor steht- aber das ist eine andere Geschichte.

Vielerlei Geschichten könnte ich, aus der Radfahrerperspektive erzählen, denn das ist nur eine Route. Natürlich fahre ich auch sonst kreuz und quer durch Fulda, die Entfernungen sind ja erfreulicherweise alle nicht so groß und mit dem Rad bin ich oft schneller als mit dem Auto. Leider könnte ich über viele Strecken solche „Negativberichte“ schreiben- es werden ja teilweise Radwege wieder zurückgebaut, von Parkplätzen für Autos unterbrochen oder sie enden im Nirgendwo. Angesichts des stetig wachsenden Autoverkehrs wäre es meiner Meinung nach oberstes Gebot, ein emanzipatorisches Verkehrskonzept zu schaffen.

Ist da irgendetwas in Sicht?

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