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Vielfalt und Verbundenheit

Einige weiterführende Gedanken zu meinem Leitbild:


Spiel mit Form und Farben
Spiel mit Form und Farben

 Jeder Mensch, jedes Tier und jede Pflanze ist einzigartig: Vielfalt ist das Lebensprinzip der Natur.

Vielfalt ist die Melodie des Lebens, Verbundenheit gibt den Takt an.

Und was uns miteinander verbindet, ist unser gemeinsames Anliegen.

 In Betrachtung der unzähligen natürlichen Wechselbeziehungen in jedem noch so kleinen Lebensraum können wir erkennen, wie Leben funktioniert, wie alles voneinander abhängt und sich gegenseitig bedingt. Der Versuch hingegen, die Natur eigennützigen Interessen zu unterwerfen, ist immer kurzsichtig und destruktiv. Scheinbar gibt es, zumindest in Teilen unserer modernen Gesellschaft, unzählige Möglichkeiten für ein erfülltes Leben.

Doch ist es nicht gerade höchste Zeit, sich darauf zu besinnen, was unser Leben erfüllt. Mit was ist es angefüllt, überfüllt und wo besteht Mangel?

kleine Schönheiten
kleine Schönheiten

Sich zu besinnen heißt, aus der Stille heraus nachzudenken, in alle möglichen Richtungen zu denken, sich ruhig auch mal in ein Gedankenspiel zu versenken. Unser Denken ist unser größter Freiraum und aus einem Gedankenspiel heraus entstehen Fragen und der Fragemodus bewirkt Bewegung, weil Fragen nach Antworten verlangen. Überhaupt ist die Fragestellung nicht die schlechteste Lebenshaltung, denn Fragen ermöglichen Beziehungen und Beziehungen bilden unsere Lebensgrundlage:

Kunst und Natur gehören zusammen
Kunst und Natur gehören zusammen

Was mache ich hier und Warum? Was meinst du dazu? Im Austausch wird die Bedeutung des eigenen Wissens aber auch dessen Begrenztheit spürbar. Wir bereichern uns durch unsere verschiedenen Sichtweisen, suchen Verbindendes, beziehen uns aufeinander und entwickeln uns. Was so einfach klingt, ist leider oft so schwer getan, denn angesichts einer scheinbar immer komplexer werdenden Welt wird es für eine stetig wachsende Zahl von Menschen immer schwieriger, überhaupt einen Platz für sich zu finden. Sie verlieren den Blick für das Wesentliche, sie fühlen sich nicht „geerdet“. Der Mensch braucht aber „Wurzeln und Flügel“ (J.W. Goethe) für ein gesundes und gutes Leben. Solange wir die Metapher von den Wurzeln und den Flügeln verstehen, besteht noch Hoffnung, dass wir Menschen uns als soziales Wesen und als Teil der Natur spüren können.

Spiel mit Druck und Farbe
Spiel mit Druck und Farbe

Und dass aus diesem Spüren, der Besinnung, die richtigen Fragen entstehen. Fragen, die uns verbinden, denn nur daraus können wir lernen, Brücken zwischen vereinzelten Lebens-und Interessenräumen zu bauen.

Die richtigen Fragen erwachsen am besten an natürlichen Lernorten, einem Garten, im Wald, in freier Natur oder im Umgang mit Tieren. Hier ist, im Gegensatz zur reinen Informationsaufnahme ein Lernen mit allen Sinnen erforderlich. Hier wird erlebbar und somit verstehbar, was beispielsweise ein Biotopverbund bedeutet und was passiert, wenn dieser durchschnitten wird. Das Lernen mit allen Sinnen" ist mehr als eine abgenutzte Phrase und sollte wegen seiner fundamentalen Priorität als oberstes Lernprinzip eingefordert werden.

Seejungfrau, entstanden in der Druckwerkstatt
Seejungfrau, entstanden in der Druckwerkstatt

„Nichts, was im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war " Dieses Postulat von Thomas von Aquin wurde durch die Jahrhunderte von großen Denkern weitergedacht  und von den Reformpädagogen im19.Jahrhundert aufgegriffen. Heute ist die Aussage durch unzählige Erkenntnisse aus der Hirn-, Intelligenz- und Lern-forschung bestätigt und bewiesen.Kopf, Herz und Hand bilden eine vollständige Lerneinheit-das ist heute eine wissenschaftlich fundierte Gewissheit, die unser Verständnis von Bildung und Entwicklung verändert hat:

Wenn diesem Lernen mit Kopf Herz und Hand, also tätiges, lebendiges, kindgerechtes Lernen im normalen Schulbetrieb nicht genügend Raum gegeben werden kann, braucht es eben außerschulische Lernorte und Akteure. Bildung und Entwicklung werden eher als Prozess gesehen in welchem die Beziehung der Beteiligten untereinander wichtiger denn je geworden ist.

 

Karrussell aus der Serie "Waldspielplatz"
Karrussell aus der Serie "Waldspielplatz"

Die künstlerisch-ästhetische Herangehensweise kann wie sonst keine andere Methode Verbindungen schaffen denn im Prozess der freien künstlerischen Arbeit existiert ein Freiraum mit Anreizen, welche Denken, Fühlen und Handeln herausfordern. Meiner Meinung nach gehören Kunst und Natur einfach zusammen, weil das bewusste Erleben der Vielfalt als Lebensprinzip den Freiraum der Kunst erweitern kann. Gleichzeitig erwächst aus dem Erleben eigener schöpferischer Kräfte im künstlerischen Tun eine Lebendigkeit, die wiederum die Sensibilität gegenüber der Natur, also allem Lebendigen, erhöht und Verbundenheit ermöglicht. Diese erlebnisreiche, inspirierende Wechselwirkung gilt es zu nutzen!

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Kommentare: 1
  • #1

    Manuela Buczior (Samstag, 23 Mai 2020 13:37)

    Hallo Martina,
    danke für deinen tiefsinnigen Beitrag. Er inspirierte mich auch einige Gedanken aufzuschreiben.
    Biophelie beschreibt die Liebe zu allem Lebendigen. Gerade jetzt im Frühling können wir die Vielfalt überall in der Natur entdecken und auch in uns selbst spüren. Es ist gerade so als wird uns in der momentanen Situation, genau das vor Augen und in unser Bewusstsein geführt. Wir sind mit allem was lebt verbunden . In dieser pandemischen Zeit kommen Fragen auf . Was ist der Sinn unseres Daseins auf diesen Planeten? Was für eine Welt hinterlassen wir unseren Kindern? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Der Fragemodus ist der beste Antrieb wieder in unsere Schöpferkraft zu kommen. Wir haben uns verirrt in einem Labyrinth aus Leistungsdruck, Ängsten, Selbstdarstellungszwang und Konsum. Wir müssen aufhören uns als abgekoppelt aus dem natürlichen Lebensprozessen zu betrachten. Aufhören Lebensräume zu zerstören denn es sind auch unsere. Lernen wir einfach wieder uns zurück zu nehmen, Raum zu schaffen für die Vielfalt von kreativen Gedanken und Offenheit bei der Umsetzung von neuen Ideen , die uns als Menschen einander wieder näher bringen. Ich glaube am besten gelingt uns das gemeinsam mit unseren Kindern. Frühe und kontinuierliche Naturerfahrungen, ermöglicht dem Kind seine in sich angelegte Schöpferkraft zu erleben. Daraus erwächst Selbstsicherheit und Selbstwirksamkeit. Was ein Kind mit allen Sinnen erleben, lernen und verstehen kann, wird es lieben und schützen. Lernen mit Herz, Hand und Verstand, ist der ganzheitliche Ansatz den die heutige Pädagogik verfolgen sollte. Daraus ergibt sich für jedes Kind, die Möglichkeit , das Leben in der Gemeinschaft mit gestalten zu können. Wir alle sind mehr als die Summe vieler Zeile. Wir sind Schöpfer und Gestalter. Wenn wir das wieder entdecken, erwächst der Mut, die Liebe und die Zuversicht in jedem von uns. Es kommt auf jeden von uns an. Haben wir Vertrauen.
    Herzliche Grüße aus der Rhön,
    Manuela Buczior