Willkommen

bei der "Initiative für künstlerische Lebensgestaltung"

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Stöbern und freue mich über jede Art von Kommentaren, Fragen oder Anregungen.


 

Warum künstlerische Lebensgestaltung ?

Eine "künstlerische Lebensgestaltung" bedeutet für mich in erster Linie Freiheit, denn wahre Kunst kann ohne Freiheit weder wachsen noch gedeihen. Die künstlerische Herangehensweise an eine Sache bedeutet auch, verschiedene Perspektiven einnehmen zu können und zu dürfen. Ich kann Dinge auf den Kopf stellen oder in Einzelteile zerlegen, ich kann verwandeln, oder in liebevoller Anteilnahme hegen und pflegen, Licht und Wärme schaffen...Natürlich gibt es wunderbare Kunstwerke, die im Verlauf der Menschheitsgeschichte entstanden sind ! Das Wesentliche, das, was die "künstlerischen Lebensgestaltung" so wertvoll macht, hat jedoch nichts mit dem Marktwert von Kunst zu tun, und mit Konsum schon garnicht.

 Ich verstehe künstlerisch-ästhetisches Handeln nicht (nur) als ergebnis-bezogene Tätigkeit.

 Wird ein Mensch zum Künstler, wenn er beginnt, etwas nach seinem Willen zu verändern, zu arrangieren, zu gestalten? Oder beginnt der künstlerische Prozess bereits, wenn er die Idee entwickelt, sich etwas ausdenkt?

 

Und kann ich Kreativität entfalten ohne daran zu glauben, dass ich dazu in der Lage bin?

 

Als künstlerische Begleiterin gehe ich hauptsächlich von zwei Prämissen aus:

 

1. Kreativität ist für uns Menschen lebenswichtig, weil sie uns hilft, unsere Lebensgeschicke unter Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen selbst in die Hand zu nehmen. Die Sichtweise auf unser Leben als dynamischer Weg kann dabei hilfreich sein.

 

2. Jeder Mensch hat das ihm ureigene Bedürfnis, seine Potentiale zu entfalten und kreativ tätig zu sein.

 

Aus dieser Betrachtungsweise erwachsen für mich die möglichen Ziele einer künstlerischen Begleitung.

 

Über Kunsttherapie

Kunsttherapie ist eine Fachrichtung der „Künstlerischen Therapien“ (neben Musiktherapie, Tanztherapie, Theatertherapie u.a.), die manchmal auch als „Kreativtherapien“ bezeichnet werden. ( www.kunsttherapie.de)

 

Die Kunsttherapie orientiert sich immer am Menschen, deshalb wird man ihrem Wesen und ihrer Bedeutung nicht durch schematische Erklärungsmuster gerecht. Die Vorgehensweise des Therapeuten richtet sich also direkt nach der Persönlichkeit und den Bedürfnissen des Klienten. Da jeder Mensch einzigartig ist, erhält die vertrauensvolle therapeutische Beziehung eine wesentliche Bedeutung im Therapieverlauf. Um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, ist es hilfreich, zunächst einmal etwas über den Therapeuten, seine Haltung und sein Konzept zu erfahren. An dieser Stelle möchte ich versuchen, meine Haltung in wenigen Worten darzustellen. Mir fällt diese kurze Darstellungsform nicht leicht- was auch daran zu erkennen ist, dass ich erst mal etwas ausholen muss:

 

Vielfalt als Lebensmotto

 

Ich möchte deutlich darauf hinweisen, dass im folgenden Text lediglich meine persönliche Sichtweise zum Tragen kommt, ohne Ansprüche auf Objektivität oder Vollständigkeit. Auf eine geschlechterdifferenzierte Schreibweise habe ich der Einfachheit halber verzichtet.

Jeder Mensch, jedes Tier und jede Pflanze ist einzigartig: Vielfalt ist das Überlebensprinzip der Natur, die Produktivkraft der Evolution. Millionen vom Abweichungen, ursprünglich winzige „Fehler“ bei der Kopie des Erbgutes während der Zellteilung und der sexuellen Reproduktion, führen zu Milliarden möglicher Neukombinationen. Einige erweisen sich als innovativ, verbessern die Anpassung oder die Überlebenschancen unter neuen Bedingungen.

 

Was gut ist, setzt sich durch, in allen Varianten. Nicht das Überleben des Stärksten, sondern die Stärke aller Überlebensformen ist das Prinzip der Vielfalt. Vielfalt ist komplex und aus Prinzip chaotisch. Sie sperrt sich gegen Normierung.

 

Vielfalt ist die Melodie des Lebens.

 

Der Versuch, durch industrielle Monokulturen die Natur den Gesetzen des Marktes zu unterwerfen, ist ebenso gefährlich wie aussichtslos. Der Blick auf die Natur kann uns daran erinnern, dass wir Menschen Teil des Ökosystems Erde sind.

 

Diese Erinnerung ist heute wichtiger denn je, denn obwohl unsere moderne Gesellschaft scheinbar unzählige Möglichkeiten bietet, verlieren immer mehr Menschen den Blick für das Wesentliche, sie fühlen sich nicht „geerdet“. Der Mensch braucht aber „Wurzeln und Flügel“ (J.W. Goethe) für ein gesundes und gutes Leben.

 

Angesichts einer scheinbar immer komplexer werdenden Welt wird es jedoch für eine stetig wachsende Zahl von Menschen schwierig, überhaupt einen Platz für sich zu finden, um Wurzeln zu schlagen.

 

Die Beschäftigung mit Kunst sensibilisiert unsere Wahrnehmungsfähigkeit und schult unser anschauliches Denken. Damit ist Kunst(Pädagogik) nicht nur Selbstzweck, sondern dient auch dem kreativen Denken in allen Bereichen (A. Piecha: "Die Kunst der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung der Kunst"). Für mich bedeutet kreatives, schöpferisches Denken auch immer eigenständiges Denken, eine Fähigkeit, die meiner Meinung nach immer wichtiger wird. Denn das eigenständige Denken hilft, bei der Orientierung in der Welt, sowohl in ganz persönlichen wie auch in gesellschaftlichen Bereichen. Die Orientierung in der Welt ist eine Schlüsselqualifikation der Zukunft. In einem Lebensalltag, in welchem die meiste Konzentration auf das Konsumieren gerichtet ist, gelingt diese Orientierung nur, wenn die eigene Wahrnehmungsfähigkeit gut geschult ist. Will man verstehen, was Kunsttherapie vermag, sollte man sich vor Augen führen, wie kraftvoll die eigenen schöpferischen Kräfte im Menschen sind. Man sagt ja auch, dass der Glaube Berge versetzen kann. Joseph Beuys behauptete in seiner „Theorie der Sozialen Plastik“ dass jeder Mensch ein Künstler sei.

 

Ich verstehe Beuys Behauptung in der Art, dass jeder Mensch das Potential zu eigener Kreativität in sich trägt. Der Glaube, der Berge versetzt, meint nichts Anderes als dass man von sich selbst glauben muss, dass man in der Lage ist, eine Änderung herbeizuführen. Dies gilt wiederum für den persönlichen Bereich, wenn es zum Beispiel darum geht, mit Krisen oder schwierigen Übergängen umzugehen, aber auch für einen gesellschaftlichen Wandel, der sich am Menschen orientiert und nicht an machtpolitisch erzwungenen Faktoren.

 

Und genau an dieser Stelle wird die Wirksamkeit der Kunsttherapie deutlich, denn sie zielt immer darauf ab, die eigenen schöpferischen Kräfte zu wecken oder zu stärken. Somit wird eine konstruktive Persönlichkeitsentwicklung angeregt, einer Entwicklung, die dazu befähigt, die eigene Lebensgestaltung oder Sichtweisen zu verändern und Gefühle nicht wie ein Schicksal, sondern als gestaltbar zu erleben. „Wenn man bedenkt, dass alle kulturelle Leistungen vorwiegend durch schöpferisches Tun entstanden sind und die Fähigkeiten dazu jedes Kind aus sich selbst heraus hervorbringen kann, dann wird schnell klar, dass künstlerische Tätigkeit letztlich die Grundlage für die individuelle und gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit ist.“ ( Brunhilde Wedekind, in "Reif werden für die Welt")

 

Vielfalt und Kunst gehören zur Melodie des Lebens.

 

„Alles Schöpferische ist neu, immer wieder neu. Im Künstlerischen gibt es nie zweimal das Gleiche, alles ist einmalig, denn es lässt sich nicht festlegen durch Rezepte, Dogmen oder Methoden. Wohl gibt es Arbeitsweisen und Wege, die es möglich machen, dass sich gewisse Wahrheiten und Gesetzmäßigkeiten offenbaren. So wie jeder Mensch einzigartig ist, so sind auch diese Wege individuell verschieden.“ (Aus: „Heilende Kunst und Künstlerisches Heilen“ von Eva Mees-Christeller)

 

Wenn Sie noch Fragen haben, rufen Sie mich bitte an oder schreiben mir!

 

Martina Fuchs, Juli 2015