Märchenstunde

Niederschwelliges Betreuungsangebot für Gruppen

Märchenschloß
Märchenschloß

 Menschen, die dementiell erkrankt sind, unter Erinnerungsverlust und den einhergehenden Ängsten und Verunsicherungen leiden, besitzen, selbst wenn ihnen vermeintlich „nur noch wenig bleibt“, ihre Emotionen und ihre verborgene, schöpferische Ebene. Indem sie in die Welt der Märchen eintauchen, können sie tiefere Weisheiten erfahren, Gestaltungsereignisse erfahren und die damit verbundene Heilkraft wohltuend spüren.

Die Bilder und Symbole der Märchen sprechen seelische Erfahrungsräume an, in ihnen haben sich kollektive Erfahrungen verdichtet- Erfahrungen, welche dazu dienen soll(t)en, Lebensaufgaben zu bewältigen, mit Konflikten fertig zu werden, mit Problemen und Leid umzugehen und seinen Lebensweg zu finden.

 Die Arbeit mit Märchen ist eine gute Basis, um seelisches, geistiges und körperliches und emotionales Erleben anzuregen. 

In der Märchenstunde werden Märchen erzählt, Märchenlieder und Balladen gesungen, musiziert,

Rate-und Bewegungsspiele gemacht, gestalterische Elemente einbezogen, und  märchenhafte  Mahlzeiten inszeniert.

Die biografische Arbeit kann auch ein Schwerpunkt sein (siehe unten).

Ich bin auf keine spezielle Methode festgelegt und bereite meine Arbeit entsprechend  vorherigen Absprachen vor.

Gerne gebe ich Ihnen Auskunft über einen beispielhaften Ablauf einer solchen Märchenstunde, in der mehrere Ebenen des Erlebens angeregt werden- siehe Kontakt.


Dieses Märchen kennen Sie garantiert noch nicht!

... denn es ist erst kürzlich erfunden worden! Am 7. Mai 2015, in der Silberschmiede zum Thema "Methoden"

Mehr dazu erfahren Sie in meinem Blogeintrag "Wie man Märchen und Geschichten erfinden kann"

Hier das Märchen:

Die alte Frau und der Kater

Vor langer Zeit in einem fernen Dorf hinter dem großen Wald lebte eine alte  Frau ganz allein in ihrem Haus. Mit den Jahren, die eins ums andere vergingen, fühlte sich die Frau immer einsamer. Wohl hatte sie viel zu tun, denn das Haus musste in Ordnung gehalten  und der Garten bestellt werden, so dass sie immer genügend zu essen hatte. Doch wünschte sich Agnes, so war der Name der Frau, hin und wieder jemanden, mit dem sie ein paar freundliche Worte wechseln konnte. Doch ihr Wunsch blieb unerfüllt und so gingen die Jahre dahin  Eines Tages nun, als sie in ihrem Ohrensessel am Fenster saß und sich besonders alt und einsam fühlte,  humpelte  draußen im Garten ein zottiger, dürrer Kater vorbei. Auch dem  Kater  machte die Last seiner Lebensjahre viel zu schaffen. Die Knochen schmerzten ihn und den Mäusen,  welche immer schneller zu werden schienen, setzte er schon lange nicht mehr nach. Er lebte von den Almosen anderer und hatte darum immer Hunger.

Der alte Kater träumte von einer behaglichen Stelle am Ofen, wo er sich seine schmerzenden Glieder wärmen konnte und von einem Menschen, der ihm ab und zu das dürre Fell kraulte. Selbst hatte er solche Wohltaten noch nicht erlebt, aber andere Katzen davon erzählen hören. Es trug sich zu dass er sogar einmal mit eigenen Augen gesehen hatte, wie einer seiner Artgenossen behaglich die Beine vorm Feuer ausgesteckt hatte während ein Mensch dieser Katze ein Schälchen Rahm vor die Nase setzte. Damals war der alte Kater noch ein junges Kätzchen und schaute abends heimlich beim Förster zum Fenster hinein. Doch der Traum von dem warmen Platz am Ofen wurde jäh zunichte gemacht durch den großen, bösen Jagdhund des Försters, der das junge Kätzchen verjagte.

Glücklich, mit dem Leben davon gekommen zu sein, doch einsam und mit traurigem Gemüt wanderte der Kater nun schon viele Jahre durch die Lande. Nirgendwo schien es einen Platz für ihn zu geben. Eines Tages kam der Kater zu dem Haus der alten Frau und sah das Fenster von solch schönem warmen Lichtschein erleuchtet, dass  er zu sich sagte: „ In diesen goldenen Lichtschein lege ich mich zur Ruhe, lässt man mich nun ein oder nicht; ich will nimmer wieder aufstehen, bin der Suche so leid und müde“. So kam es, das die alte Frau sich des Katers annahm, ihn in ihr Haus trug, ihm nahrhafte Speisen brachte, ihm das zottige Fell kämmte ihn liebevoll streichelte während er schlief. Eines Tages hatte der Kater nun genug geschlafen und blinzelte mit den Augen, denn er war ängstlich und glaubte sich in einem Traum vom Paradies. Doch wie er dann endlich erkannte, dass er nicht träumte, freundete er sich mit Agnes an, fing die Mäuse in ihrem Haus und fühlte sich wieder stark und schnell und so glücklich wie noch nie. Jeden Abend saß Agnes in dem großen Sessel vor dem Ofen und der Kater ruhte auf ihrem Schoß, streichelte den Kater, dessen Fell wieder samtweich geworden war.

 Vor lauter Behagen schnurrte der Kater so laut das Agnes lachte und sprach: „Nun laufen die Mäuse von alleine fort!“ So lebten beide glücklich miteinander. Eines Tages jedoch kam der Kater nach seinem Spaziergang nicht wieder nach Hause. Voller Bangen und Sorgen wartete Agnes drei Tage und drei Nächte auf die Rückkehr des Katers und schaute unentwegt aus dem Fenster heraus. Am Morgen des dritten Tages sprang mit dem Sonnenaufgang ein Reh in ihren Garten, das wusste von ihrem Kummer  und sprach: „ Folge mir! Komm mit in den Wald!“ Die alte Frau überwand ihre Ängstlichkeit und Scheu und folgte dem Reh tief in den Wald hinein. Sosehr sie sich auch eilte, bald verlor sie das Reh aus den Augen. Das Reh war weg, doch nach kurzer Zeit tauchte eine Libelle vor ihr auf und flog immer vor Agnes her, so dass sie wähnte, das Tier wolle ihr einen Weg weisen .

Und so folgte Agnes der Libelle bis diese vor einem Höhleneingang  plötzlich in die Luft flog und verschwand. „Was schaust du so zum Himmel, Alte?“ fragte sie nach einer Weile ein Lama, welches in der Nähe der Höhle graste. Agnes erzählte dem Tier von ihrem Kummer und vom dem Kater, der noch nicht so lange ihr liebster Gefährte war und den sie dennoch so schmerzlich vermisste,  war er doch ihr einzig Glück und Sonnenschein. „Und nun habe ich ihn verloren und finde selbst nimmer mehr zurück aus diesem Wald! Wahrscheinlich ist ihm ein Leid geschehen- so ist es besser für mich, auch hier zu sterben.“ So sprach Agnes zu dem Lama, doch das kluge Tier sagte: „So geh doch in die Höhle hinein, zu welcher dich die Libelle geführt hat und alles soll ein gutes Ende nehmen.“

„In die dunkle Höhle soll ich kriechen? Du magst ja ein verständiges Tier sein, da du mich  in menschlicher Sprache ansprichst und besonnen wirkst. Aber in diese Höhle geh ich mein Lebtag nicht hinein, meine Furcht vor der Dunkelheit ist doch gar zu groß. Und was soll mich denn in diesem dunklen Loch erwarten?“

„Sieg, liebe Frau“ antwortete das Lama: „ In dieser Höhle lebt das größte Tier des Waldes, der alte Bär. Er besitzt einen großen Schatz an Güte und Weisheit und er hilft allen Wesen mit reinem Herzen. Er allein weiß alles und kann helfen.

So kam es, dass Agnes drei Tage und drei Nächte vor dem Höhleneingang saß und am dritten Tag, als die Sonne aufging, hatte ihre Liebe und Sorge um den vermissten Kater über ihre Angst gesiegt und so betrat sie die dunkle Höhle. Der alte, weise Bär kannte ihre Geschichte schon, doch ließ er sie sich noch einmal mit ihren eigenen Worten erzählen. Als sie zum Ende kam, fragte er Agnes, ob sie etwas bei sich trüge, was ihr wirklich lieb und teuer wäre.  Agnes überlegte lange, denn sie hatte nichts bei sich, denn übereilt und ohne Reisevorbereitungen verließ sie vor drei Tagen das Haus, als sie dem Reh folgte. Doch dann fiel ihr die Brosche ein, welche sie am Halse trug. Es war ein altes, wertvolles Erbstück aus ihrer Familie. Sie hing sehr an diesem Stück, denn obwohl niemand aus der Familie noch lebte,  war es für sie ein Stück Verbundenheit zu ihrer Herkunft. Ohne  Zögern gab sie dem Bären das wertvolle Schmuckstück. Dieser überreichte ihr dafür einen  golden glänzenden Topf mit duftendem Honig, dazu gab er Agnes  Anweisung, wie sie mit dieser köstlichen Medizin umzugehen habe. „Und nun geh nach Hause zurück und alles wird gut!“ sprach der Bär und wandte sein Antlitz von ihr ab.

Agnes verließ die Höhle und ging leichten Schrittes nach Hause, denn der Weg tat sich vor ihr auf so dass sie ohne Mühe in kürzester Zeit wieder vor ihrem Haus stand.  Da sah sie ihren Kater vor dem Fenster im weichen Gras liegen, gerade an der gleichen Stelle, wo sie ihn damals gefunden hatte. Behutsam hob sie ihn auf und trug ihn Haus.  Der Kater war dem Tode nahe und trug zahllose Verwundungen an seinem müden Körper. Agnes tat, wie ihr der Bär geheißen: Sie strich dem Kater Honig auf die Wunden, war immer bei ihm und behütete seinen Schlaf. So vergingen viele Wochen und der Honigtopf ging zur Neige, als Agnes eines Tages bemerkte, dass der Kater gewachsen war. Sie traute zunächst ihren Augen nicht, doch bald  war es unverkennbar: Der Kater wuchs und wuchs und als der letzte Tropfen Honig verbraucht war, hatte der Kater nicht nur die Größe sondern auch die Statur eines Menschen angenommen. Agnes und der Kater, der nun ein stattlicher Mann geworden war, schauten sich selig lächelnd an und sprachen:

„Nun wollen wir immer beisammen sein!“ Das taten sie auch und lebten die Zeit ihres Lebens glücklich miteinander in dem kleinen Haus hinter dem Wald.

 


Darf ich vorstellen?

Stabpuppen und Marionetten aus eigener Herstellung

HERE COME'S THE SUN !

 

Ich bin neu dazu gekommen und wurde gut ins Team aufgenommen (im Märchenkoffer war noch Platz für mich)

Langsam wird es eng im Koffer. Diese drei Neuen kriegen zunächst eine Extra-Suite.