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AG Bäume Juni 2020

An dieser Stelle geht es von nun an monatlich weiter, also schauen Sie bitte wieder rein, um die nächsten Schritte zu verfolgen:

AG Bäume und Naturgärten im Juli 2020.

Ist der Weg das Ziel? Wenn ja, dann gibt es momentan viele Wege für Menschen zu gehen, wenn sie sich für einen zukunftsfähigen Umgang mit der Natur einsetzen. (siehe AG Bäume des BUND)

Naturschutz ist kein Luxus, sondern überlebensnotwendig –für uns Menschen und für nichts und niemanden sonst. Städtisches Grün gehört zu den wichtigsten öffentlichen Räumen in einer Stadt und steht für entspannte und gesunde Lebensqualität. Manchmal müssen Entscheidungsträger daran erinnert werden, dass es sich bei den Argumenten von Naturschützern bezüglich eines sensibleren Umgangs mit unserem Stadtgrün nicht um exotische Spinnereien handelt sondern um bundespolitische Ziele, die in europäische und globale Nachhaltigkeitspolitik eingebunden ist. Zwar sind Tier-und Pflanzenschutz  Teil der städtischen Pflegekonzepte und die Verantwortlichen versuchen, ihre Arbeit auf der Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes auszuführen, doch die aus der notwendige Abwägung der vorgegebenen Zielrichtungen wie etwa das Herstellen von Ordnung und Sauberkeit, die Gewährleistung der Verkehrssicherheit und die eigentliche gärtnerische Pflege entsteht ein ganz eigenes Prinzip mit einer mir nicht nicht immer nachvollziehbaren Arbeitsweise. 

Der Nutzungsdruck nimmt zu (siehe Briefwechsel weiter unten)

Es gilt also, der Förderung der Biodiversität und dem zunehmenden Sicherheitsbedürfnis der Menschen gleichermaßen Rechnung zu tragen. In der Praxis führt dies meiner Meinung nach zu schlechten Kompromissen mit homöopathischen Naturschutzanteilen. Darüber kann ich mich ärgern, oder weiter nach Gelegenheiten suchen, die Sichtweise zu erweitern. Wie- das weiß ich leider auch nicht. Also wähle ich eine Alternative, nämlich ehrlichen Naturschutz auf Flächen zu betreiben, die nicht von meiner Meinung nach sehr zweifelhaften Kriterien gärtnerisch gepflegt werden.

 Aktuelles  Beispiel:

private oder gemeinschaftliche Streuobstfläche. Dazu mehr im nächsten Beitrag. Bis dahin kann, wer möchte, meinen Briefwechsel zu dem Thema aus den letzten Wochen hier nachlesen:

 

 Sehr geehrter Herr .... (städtisches Grünflächenamt), 

danke für das freundliche Gespräch letzte Woche und die Information zu den Maßnahmen gegen die Eichenprozessions-spinner. Ich bat Sie ja weiterhin um nähere Auskunft zu den Rückschnittmaßnahmen rund um das Schulgelände der Katharinenschule in  Gläserzell. Ihren Vorschlag, eine Skizze anzufertigen, habe ich aufgegriffen. Maßstabgerecht ist diese nicht, doch hoffe ich, dass sie ihren Zweck erfüllt. 

Aus dem Sekretariat der Schule erhielt ich auf meine Nachfrage die Auskunft, der Rückschnitt würde immer nach Absprache mit dem Nabu erfolgen. Das fällt mir sehr schwer, nachzuvollziehen, wie ich nun anhand der Skizze erläutern möchte.

 

Nummer 1: Am Aufgang von der Bushaltestelle stand rechts ein Apfelbaum, der abgeschnitten wurde. Alte Obstbäume mit Hohlräumen sind geeignete Nistplätze. Es wäre durchaus möglich gewesen, den Baum so zurückzuschneiden, dass der hohle Stamm erhalten bleibt und die Gefahr von herunterfallenden Ästen gleichermaßen ausgeräumt wird. Diese Chance ist jetzt leider vertan und es steht ein Stummel von einem Stamm da, eine Maßnahme, die ich schwer verstehen kann.

 

Nummer3: An dieser Stelle war eine Brombeerhecke. Ich weiß, wie Brombeeren wuchern und es leuchtet mir ein, dass diese regelmäßig zurückgeschnitten werden müssen. Doch was im letzten Jahr begann und in diesem Jahr fortgesetzt wurde, sieht eher nach einem Vernichtungsfeldzug als nach einem Rückschnitt aus. Durch die fehlende Achtsamkeit wurden hier  wertvollste Lebensräume für Vögel zerstört, zumal die Gehölze ringsherum auch derart radikal zurückgeschnitten worden sind, dass in dieser Brutsaison dort leider kein Lebensraum mehr vorhanden ist. Doch nicht nur die Hecken-bildenden Gehölze sind verstümmelt, die Bodendeckerpflanzen wurden weitestgehend komplett entfernt. Dies gilt auch für die markierten Standorte 2, 4, 5, 6, 7, 8. Ich kenne die Argumentation des Grünflächenamtes, man müsse alle paar Jahre einen radikalen Schnitt durchführen und manche Pflanzen auch „auf Stock setzen“ um Verjüngungsimpulse zu setzen. Ich möchte wirklich nicht pauschal Kritik üben, ich kenne und schätze diese Praxis auch aus eigener Erfahrung. Doch ich wende sie an, wenn Büsche von innen heraus vertrocknen, von Schädlingen befallen sind oder wieder richtig dicht wachsen sollen. Bei dem Bewuchs rings um den Sportplatz war dies jedoch nicht der Fall, das ist auch jetzt noch zu erkennen wenn man die verbliebenen Bodendecker anschaut: Dicht und gesund- so sahen im letzten Jahr auch die aus, die jetzt entfernt wurden.

 

Ebenfalls wurden dort einzelne Bäume gefällt. Das finde ich auch schade, nicht nur wegen der Lebensräume für die Fauna, sondern auch des fehlenden Schatten wegen.

 

Wenn ich schon einmal dabei bin, Sie um Auskunft zu bitten, möchte ich gern noch wissen, ob die Fläche Nummer 9 auch der Stadt Fulda gehört oder in Privatbesitz ist. Ein schöner Schlehenhain, eine Oase für Vögel, Bienen und andere Insekten und Schmetterlinge. Der totale Kahlschlag dort erfolgte, glaube ich, 2018. Ich frage mich immer wieder, warum so ein Stück Wildnis nicht einfach geduldet wird. Dass der Schlehdorn wieder nachwächst ist ein schwaches Argument und zeugt von einer Einstellung, die mit Naturschutz nichts zu tun hat- so denke ich jedenfalls.

 

Wie Sie sehen, komme ich unweigerlich vom Schulgelände weiter zur nächsten Grünfläche, welche nicht mit der gebotenen angemessenen Wertschätzung behandelt wird. Zurück zum Schulgelände: Ich möchte Sie dringend darum bitten, sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Was bringt ein Meter Blühstreifen vor der Tür, wenn ringsum alles Lebendige zerstört und unter Rindenmulch begraben wird? Wie sollen die Kinder ein Verständnis für die Natur entwickeln, wie Schönheit und Vielfalt entdecken? Ich meine, es wäre wirklich eine gute Idee, die Rückschnitt-und Pflegearbeiten tatsächlich mit dem Nabu oder dem BUND zu besprechen. Die Sachzwänge der Produktivität, welche mit Lärm verbundenen Maschineneinsatz und Radikalschnitte mit sich führen, sind ja bekannt, doch ist es nicht längst an der Zeit, sich mit Alternativen auseinanderzusetzen? Die bisherige Vorgehensweise auf den Prüfstand zu stellen, hieße ja nichts anderes, als sich an den bestehenden Gesetzesvorlagen zu orientieren und umzusetzen, was längst Regierungsprogramm ist.

 

Vielen Dank noch einmal für Ihre Offenheit und in Hoffnung auf eine baldige, konstruktive und zukunftsweisende Antwort grüßt Sie

 

Martina Fuchs

 

Antwort am 4.06.2020 (Markierungen von mir):

 

vielen Dank für Ihre Ausführungen zum Umgang mit dem städtischen Grün, in denen Sie vor allem die ökologische Wertigkeit ansprechen. Ein wichtiger Aspekt, den wir in unserem Pflegekonzept auch so berücksichtigen. Die Grünflächen-unterhaltung resultiert aus der kommunalen Daseinsfürsorge und beinhaltet über die Förderung der Biodiversität hinaus weitere Gesichtspunkte, wie etwa das Herstellen von Ordnung und Sauberkeit, die Gewährleistung der Verkehrssicherheit und die eigentliche gärtnerische Pflege. Die gärtnerische Pflege beruht wiederum auf den Pflegezielen, die sich aus der Wirksamkeit sozialer, ökologischer und ästhetischer Funktionen der Fläche im Zusammenspiel mit den gegebenen Standortbedingungen ergeben. Die vegetative Ausstattung und der Pflegeaufwand variieren somit  je nach Grünfläche. Je kleinteiliger eine Fläche strukturiert ist, desto höher ist in der Regel ihr Pflegeaufwand. Viele Grünflächen in Fulda sind „grüne Inseln“ im Stadtraum und damit keine zusammenhängenden Flächen, die man in einem Stück pflegen könnte. Das eröffnet zwar auch Chancen für eine besondere Flächenvielfalt, erhöht aber auch den (Kosten-)Aufwand. Hinzu kommt, dass insbesondere in städtischen Grün-, sowie Sportanlagen der Nutzungsdruck durch Besucherinnen und Besucher zunimmt. Das hat wiederum Rückwirkungen auf unser Grünflächen-management. Und das sowohl hinsichtlich der Förderung der Biodiversität und der Erhaltung eines optisch ansprechenden Gesamteindrucks, als auch durch ein zunehmendes persönliches Sicherheitsbedürfnis der Besucher. Je nach Lage, Ausstattung und Nutzung müssen manche Grünflächen gut einsehbar sein, Wege in der Dämmerung beleuchtet werden, Angsträume sollen gar nicht erst entstehen und dabei soll es gleichzeitig Rückzugsräume zur Erholung mit hoher Aufenthaltsqualität geben. Pflege im urbanen Kontext bedeutet daher auch durch entsprechende Pflegemaßnahmen die raumbildenden vegetativen Strukturen dem  Sicherheitsbedürfnis und den Nutzungsansprüchen anzupassen. Das kann beispielsweise bedeuten, dass Sträucher häufiger auf den Stock gesetzt werden müssen, als es die von Ihnen skizzierte extensive Pflege vorsieht, um die gewünschte Einsehbarkeit herzustellen. Eine gute Grünflächenunterhaltung  im urbanen Kontext bedeutet immer auch die umfängliche Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Dabei ist es unsere Pflicht, erkennbare Gefahrenquellen, die zur Schädigung von Personen führen können, zu beseitigen. Diese Pflicht kann Maßnahmen zur Folge haben, die nicht immer in erster Linie der Erhaltungspflege im Sinne der gängigen gärtnerischen Praxis entsprechen. So kann es beispielsweise zu Baumfällungen kommen, die aus naturschutzfachlicher Sicht nicht notwendig sind, sondern ausschließlich der Gefahrenabwehr für die Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Raums dienen. Insbesondere bei Altbäumen stimmen wir daher unsere Maßnahmen im Sinne des Erhalts der ökologischen Vielfalt mit der Unteren Naturschutzbehörde ab, unter zusätzlicher Einbindung des Naturschutzbeirats der Stadt Fulda. 

Wir achten sehr darauf, dass unsere Pflegemaßnahmen naturverträglich erfolgen und der biologischen Vielfalt förderlich sind, soweit es mit der jeweiligen Nutzung vereinbar ist. Da Öffentliche Grünflächen schon immer besondere Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten sind, ist der allgemeine wie auch der besondere Artenschutz, der u. a. in den § 39 und § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes geregelt ist, stets auch Teil unsere Pflegekonzepte.

Mit freundlichen Grüßen....

 

27.05.2020

 

Sehr geehrter Pfarrer.....

 

Vor einiger Zeit habe ich Ihnen diesen Brief geschrieben und möchte heute noch einmal auf das Thema zurückkommen, weil ich denke, die Angelegenheit ist irgendwie zwischen Alltagsdingen untergegangen.

 

Ich gehöre nicht zu ihrer Gemeinde, doch wir kennen uns vom WGT-Chor, zumindest vom Sehen. Es geht um die Grünflächen um die Kirche und ich wäre sehr froh, wenn wir darüber ins Gespräch kommen würden:

 

Ich möchte Ihnen  gern eine Anregung bezüglich der Gestaltung des Areals um die Kirche geben: Könnte Sie die Linden, die um die Kirche herum stehen, nicht moderater zurückschneiden lassen? So wie sie jetzt,  Jahr für Jahr geschnitten werden, dauert es bis in den Juni hinein, bis sich die Bäume von dem Radikalschnitt erholt haben und langsam wieder austreiben. Solch ein Schnitt macht vielleicht bei Weiden Sinn, sofern ich die frisch austreibenden Weidenruten ernten will.

 

Es wäre nicht nur für uns Menschen ein schönerer Anblick, Bäume in natürlicher Wuchsform zu betrachten und sich im Sommer an ihrem Schatten zu erfreuen- die Bäume würden auch Lebensraum für Vögel bieten. Zu der Zeit im Jahr, wenn die Vögel ihre Nester bauen und brüten, sind die Linden von St. Katharina noch für viele Wochen lang Stämme mit verstümmelten Kronen. Es gibt ja mittlerweile Firmen, die einen fachgerechten Baumschnitt anbieten, die auch  ökologische Belange in der Gehölzpflege berücksichtigen.

 

Ich bin überzeugt davon, dass die Leute, die jetzt mit der Pflege der Außenanlagen betraut sind, diese Arbeiten nach bestem Wissen und mit großer Sorgfalt ausführen. Doch, wie schon gesagt, ökologische Belange werden hierbei meiner Meinung nach unzureichend berücksichtigt. Oft ist es ja so, dass man sich über wiederkehrende Abläufe nicht allzu viele Gedanken macht, besonders wenn es sich um „Nebensächlichkeiten“ handelt. Aber die Zeiten ändern sich und manchmal ist es an der Zeit, auch mal den Blickwinkel neu einzustellen. Im Übrigen finde ich, die Gartengestaltung rund um die Kirche könnte auch insgesamt schöner werden. Vielleicht wäre es eine gute Idee, einen Bibelgarten anzulegen? Ich könnte mir vorstellen, dass sich sicher ein kleines Grüppchen von Gemeindemitgliedern bereit erklären würde, hierbei Unterstützung und dauerhafte Hilfe bei der Pflege und Hege zu übernehmen. So ein Garten wäre auch ein wundervoller Treffpunkt und Anziehungspunkt für alle Einwohner von Gläserzell. Ich selbst bin evangelisch und gehöre der Versöhnungskirche an. Da aber die Ökumene in unserem Ort erfreulicherweise eine Selbstverständlichkeit ist- warum nicht auch mal so ein gemeinsames Projekt? Ich würde meinen Teil auch dazu beitragen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Martina Fuchs

 

 

 

PS: „Unter den Linden pflegen wir zu singen, zu trinken, zu tanzen und fröhlich zu sein“, schrieb Martin Luther, denn die Linde ist uns ein Friedens- und Freudenbaum. Zu Luthers Zeiten wurden die Bäume allerdings noch nicht in niedliche Formen gestutzt, sondern die Menschen nahmen das an, was ich als Geschenk betrachte: Einen schönen grünen Raum, der einlädt, darunter zu verweilen.

 


auf Antwort warte ich noch...

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