ReformARTion und TransformARTion Teil 2

„Kommen Sie, ich lade Sie ein, hier zu schreiben oder zu zeichnen, was Ihnen spontan einfällt zum Thema Vielfalt, Unsere Stadt, Unsere Zukunft, Eigene Wünsche und Träume….“ Mit etwa diesen Worten sprach ich am 23.September 2017 zur Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Woche in Fulda auf dem Bahnhofsvorplatz, viele, viele Menschen an, große und kleine, junge und alte.

„Ich kann nicht malen. Das hat mir mein Lehrer in der Schule

schon gesagt.“ Eine häufige Antwort, auch an diesem Tag. Eine Dame, mittleren Alters mit eben dieser Antwort bleibt am Stand des Kunstvereins stehen. „Ja,schlimm, wenn man schon als Kind die Lust dazu ausgetrieben bekommt. Das scheint leider ziemlich oft passiert zu sein- so oft, wie ich diese Antwort schon gehört habe.“ erwidere ich und füge hinzu: „Schade, denn schauen Sie mal, wieviel Spaß es macht“ und deute mit meinen Augen zu einem jungen Mädchen, das schon geraume Zeit am Tisch steht und völlig in sich versunken im Rhythmus der Musik Striche aufs Papier bringt, Beat für Beat. Sie hat eine Herzform aufs Papier gebracht hat und füllt diese mit den Strichen aus, solange die Musik läuft-also sehr lange.

Nach einer Weile, das Gespräch mit Dame ist beendet, das

Mädchen zeichnet inzwischen an der Litfaßsäule weiter und ich bin ein Stück weiter gegangen und mit meiner Aufmerksamkeit wieder ganz woanders, sehe ich sie doch im Augenwinkel: Halt, das ist doch die Dame, die nicht malen kann und jetzt auch nicht möchte. Ja, sie steht am Tisch, im Moment gerade ganz alleine und hat einen Stift in der Hand. Ich freue mich und habe ganz kurz den kindischen Gedanken, dass überall wo man heute warten muss, beim Amt, Arzt oder im Bürgerbüro, Papier und Stifte liegen sollten. Und zwar so

selbstverständlich, wie man Kindern Papier und Stifte darreicht:

„Du, es dauert noch ein Weilchen, aber hier kannst du malen,

wenn du magst.“ Wahrscheinlich wird sich meine Idee nicht durchsetzen. Heute freue ich mich, den Leuten beim Zeichnen ein bisschen zuschauen zu dürfen.

Nicht, was sie zeichnen, sondern ihren zufriedenen, konzentrierten Gesichtsausdruck zu erhaschen, das macht mich froh.


Eine Woche später: Mittlerweile habe ich einige Einzelaufnahmen gemacht:

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