ReformARTion und TransformARTion Teil 2

Die Litfaßsäule habe ich gebaut, um sie als Medium zur Kommunikation nutzen zu können, schrieb ich vor ein paar Wochen. Diese Erklärung möchte ich näher analysieren, denn ich habe seitdem viel über die Art und Weise des Kommunikationsverlaufs während dieser Aktion nachgedacht. Dabei erkannte ich eine wesentliche Grundstruktur: Ich biete meinem Gegenüber wechselnde Medien wie verschiedene Spielzeuge an und hoffe, dass ich die richtige Wahlgetroffen habe. Selten entwickelt sich hierbei auch nur annähernd das Maß an Spiel oder gar ein Dialog, wie ich mir vorher erhoffe. Was ich bekomme, sind positive Resonanzen und Anerkennung im Sinne von „Was Du Dir alles ausdenkst!“. Das ist zwar nett, aber keine Kommunikation im Sinne eines Austauschs. Aber selbst eindeutig in den Raum gestellte Fragen, wie zum Bild „Berühr mich“ bedeuten noch lange nicht, dass mir jemand auf meine Fragen antwortet.

Es kann sein, dass die Fragestellung, wie zum Thema „Berühr mich“

andere Menschen gar nicht berühren. Andere fühlen sich vielleicht berührt, was

noch lange nicht heißt, dass sie sich darüber austauschen möchten. Bezogen auf

die Litfaßsäule bedeutet dies, dass ich nicht zu viel erwarten darf- mit allen

Konsequenzen.

Wo hört das Spiel auf und wird Ernst?

Und Wo fing das Spiel an?

Wie kann der Ernst wieder

zu Spiel werden?

Oder bleibt der Ernst

und trägt nur seine spielerischen Elemente

aus seinem Ursprung in sich?

Und steckt nicht

auch in jedem Spiel die Ernsthaftigkeit?

Tatsächlich muss ich meine Erwartungen überprüfen.

In Teil 1 schrieb ich: "das grafische Ergebnis lässt noch zu wünschen übrig."

Ja, was hatte ich denn erwartet?

Ich bin zum Gemeindenachmittag mit einer fahrbaren Litfaßsäule aufgetaucht und nach etwa einer

Stunde hatte ich die Ergebnisse einer lebhaften Diskussion auf vielen bunten Zetteln. Das war ein Anfang. Bei der zweiten Gelegenheit, einer

Abendveranstaltung im Café des Pflegestifts Mediana zum Thema „Hier ist Platz für Deine Thesen“, wurde auch viel diskutiert, doch meine Litfaßsäulenfläche erweiterte sich genau um einen Zettel. Natürlich ist mir klar, dass diese lebhaften Diskussionen ein gutes Ergebnis darstellen.

Der Altersdurchschnitt in den beiden Veranstaltungen lag deutlich über 80 Jahre. Mir ist meine Ungeduld bewusst geworden, denn rein rationell betrachtet ist es völlig unrealistisch, gleich nach dem ersten oder zweiten Spiel eine künstlerisch-ästhetisch vollendete Fläche vorzufinden. Die nächste Gelegenheit dauert noch Monate und das endgültige Ziel wird eine Ausstellung der gesamten Fläche sein. Hierzu gibt es einen festlichen Anlass,nämlich das 40 jährige Gemeindejubiläum im Dezember. Bis dahin soll die Litfaßsäule zu den anfänglichen Fragestellungen bunt und vielfältig von möglichst vielen Menschen bemalt und beschriftet sein.

Das ist ein schönes Ziel,

doch Warten fällt mir in diesem

Fall schwer. Ich vermute den Grund für meine Ungeduld in der relativ langen Vorbereitungsphase und

des ziemlich aufwändigen Entstehungsprozesses der

Litfaßsäule.

Also habe ich mir etwas überlegt:

Warum nicht eine kleines Litfaßsäulchen für den schnellen Einsatz? Aus zwei Konservendosen schnell hergestellt passt dieses Säulchen zwar nicht unbedingt in jede Handtasche, aber zum Beispiel auf einen Rollator. Die Idee zu einer mobilen Werbefläche kam mir, nachdem ich für eine Fachtagung keinen Stellplatz auf dem "Markt der Möglichkeiten" erhalten konnte, weil ich mich zu spät angemeldet hatte. Die Anregung zum Einsatz eines Rollators bekam ich von Pfarrerin Annegret Zander", vielen herzlichen Dank! Das passt super zu meinem Angebot "Offenes Atelier für Menschen mit Demenz.

Weitere Fotos, hoffentlich mit kunterbunter Mini-Litfaßsäule folgen in Kürze.

Leider hatte ich sehr wenig Zeit, Fotos zu machen, hier eine kleiner Einblick. Sehr interessante  Resonanzen konnte ich bereits auf dem Weg vom Parkplatz bis zur Tagungsstätte, einem Fußweg von etwa einem Kilometer Länge, sammeln, nämlich die Blicke der Passanten. Ich hatte den Eindruck, als würde ich ständig von Blicken taxiert. Zunächst war mir das furchtbar peinlich, wandelte sich aber dann zu einer zufriedenen Heiterkeit, nachdem ich das Tempo beschleunigt hatte. Mein Fazit zur Benutzerfreundlichkeit des Litfaßsäulchens: Schön handlich, aber die Fläche ist echt schnell verbraucht.