Reparieren und die Kunst der Verwandlung

Vor etwa drei Jahren habe ich diesen Tisch renoviert und mich Mosaik beklebt. Seitdem haben schon viele Freunde und Verwandte daran gesessen. Mittlerweile habe ich den Satz "Du hast vielleicht immer Ideen!" so oft gehört, dass ich mich frage, ob das wirklich so ungewöhnlich ist, was ich tue: Da steht ein alter, hässlicher Tisch vom Vormieter, hier sind die Fliesenreste aus der alten Dusche. Für mich ist es ganz natürlich, dass ich versuche, alte Gegenstände zu verschönern und zu verbessern und Materialien wie die Fliesenreste aufzuheben. Das liegt an meiner Herkunft und an den Menschen, die mich in meinem Leben umgeben und beeinflussen. Viele frühere Prägungen kommen manchmal durch Erinnerungen an die Kindheit und Jugend plötzlich ins Bewusstsein- wie die Erinnerung an Opa Albert (siehe unten).

Dieses Bewusstsein erachte ich als sehr wichtig, doch  dies soll hier nicht mein Thema sein; ich möchte nur zeigen, dass im Prinzip alles möglich ist und ich möchte dafür plädieren, es selbst auszuprobieren. Die selbst verwandelten Möbelstücke erfreuen mich, weil sie mein Werk sind, sie sind individuell und manche einfach einzigartig, einfach darum, weil es die verwendeten Materialien nicht noch einmal gibt. Hier ist noch ein zweiter Gartentisch zu sehen. Leider versäume ich meistens, die Gegenstände vorher zu fotografieren.  Vielleicht weil sie so unattraktiv wirkten.

 

Die Gewohnheiten und Ansichten mancher heute 70-90 jährigen wirken auf jüngere Generationen manchmal etwas befremdlich, zum Beispiel   die große Hemmschwelle, wenn es um das Wegwerfen von Dingen geht, die eigentlich noch gut sind- aber so hässlich, dass sie niemand mehr mag...

Nun habe ich angefangen, alle möglichen Möbel zu fotografieren, die ich schon vor dem Wegwerfen gerettet und modernisiert oder irgendwie umgeändert habe. Wie schon gesagt,  ich habe angefangen. In Keller, Küche und Speisekammer war ich noch nicht, auch noch nicht im Garten (bis auf die Tische, siehe oben) das kommt später. 

 


Opa Albert ist derjenige in unserer Verwandschaft, über den mit Abstand am meisten gelästert wird und das nicht ohne Grund. Je älter er wird, desto schrulliger wird sein Verhalten, das finden jedenfalls seine Töchter, Söhne-und vor allem seine Enkel. Legendär ist die Geschichte von den Krapfen: In der Nachbarschaft gibt es einen Bäcker. Von diesem hat Albert einmal 40 (vierzig!) Krapfen geschnorrt, nachdem er von den Bäcker nach einer eingehenden Befragung die Information erhalten hatte, dass dieser die Krapfen nach Ladenschluss wegwerfen würde. "Dann kannst Du sie auch mir geben!" sagte Albert und stand am Abend mit großen Taschen vor dem Laden. Mit den Krapfen in den Taschen fuhr er in die Stadt, um seinem Enkel in seiner Studenten- WG einen Überraschungsbesuch abzustatten. Dieser konnte sich nicht recht über die Krapfen (Alle umsonst!) freuen, denn die Mitbewohner waren alle übers Wochenende nach Hause gefahren und er selbst machte gerade Diät....

Albert wird bald 80 Jahre alt, sieht aber mit seinem dichten, weißen Haarschopf und seinem gut trainiertem und wohlgebautem Körper locker 20 Jahre jünger aus. Ausreichend Bewegung und frische Luft hat Albert Tag für Tag während seiner Streifzüge nach Sonderangeboten in den Lebensmittelmärkten seiner Umgebung und allem, was kostenlos zu haben ist. Die Garage und der Keller sind gut gefüllt. Neben dem Eingemachten (alles, was die Nachbarn und Bekannte im Garten nicht haben wollen, bringt er seiner Frau wie stolz erlegte Beute nach Hause und sie kocht es ein) stapeln sich Bretter oder zerlegte Kleinstmöbelstücke und defekte elektrische Geräte. Lange bleiben diese Dinge allerdings nie bei ihm liegen, denn er repariert nahezu alles ! Dann ist wieder Zeit, dem Enkel in seiner WG einen Besuch abzustatten: "Brauchste nich 'ne schöne Stehlampe?"