Fabulierpingpong

Angeregt durch den Bilder-Ping-Pong aus den ganz wunderbaren Schreibtischwelten kam mir die Idee zu dem Spiel:

Eine Gemeinsame Geschichte erfinden

Regeln: Die Geschichte ist in 3 Teile gegliedert, Anfang, Mitte, Ende. Ich habe hier einen Anfang-oder eine Mitte-

wer spielt mit und liefert den nächsten Teil ?

Auf dem Weg zur "Experimentellen Schreibwerkstatt“: Im ICE, jeder Platz belegt, ich erwischte noch einen Platz im Großraumwagen in einem Zweierabteil. Mir gegenüber, durch den Gang getrennt war ein Viererabteil. Die Frau auf dem Sitz zum Gang hin schlief, die anderen drei Personen hatte ich bis dahin nicht betrachtet. Sie saßen schweigend da und ich las eine Zeitung. Erst als ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, schaute ich auf und sah, wie die junge Frau neben der schlafenden Dame in Bewegung geraten war. Ganz langsam erhob sie sich. Sie bot ein elegantes Erscheinungsbild. Ihr Haar war lang und gepflegt und gut geschnitten. Zu ihrem schwarzen, kurzen Kleid trug sie eine schlichte Perlenkette- und schwarze Seidenstrümpfe. Ehe ich mich fragen konnte, was sie wohl vorhat, beantwortete sie mir meine Frage schon mit ihrem konzentrierten und ruhigen Tun. Zuerst zog sie ein Bein hoch auf den Sitz, schmiegte ihr Kinn an ihr Knie, zog das nächste Bein nach. Noch ehe mich die wahrhaftige Wortbedeutung des Ausdrucks „fließende Bewegung“ ganz durchströmen konnte, hockte sie bereits auf dem Tisch um sich von dort aus sanft und leicht wie eine junge Katze auf den Boden gleiten zu lassen. Catwomen. Sie wollte ihre Sitznachbarin nicht wecken, deshalb hat sie den Umweg über den Tisch gewählt. Während der gesamten Aktion nahm ich keine Veränderung ihres Gesichtsausdruckes wahr, der konzentriert und ernst wirkte. Ich muss zugeben, ich war fasziniert: Was für eine Geschmeidigkeit und was für ein Mut! Doch ich hatte nicht viel Zeit, über diese ungewöhnliche Beobachtung nachzusinnen, denn unmittelbar danach passierte noch etwas Merkwürdiges. Später habe ich oft darüber gegrübelt, ob diese Ereignisse wirklich zusammenhingen wie eine Perlenkette oder ob ich mir das alles nur eingebildet habe Immer wieder liefen die folgenden X Stunden wie ein Kinofilm in meinem Kopf ab, ohne dass es mir gelang, die Stopptaste zu finden. Doch der Reihe nach: Ich sagte ich hatte nicht viel Zeit, denn im nächsten Moment ertönte die Durchsage, dass in wenigen Minuten mein Zielbahnhof erreicht werde. Hastig nahm ich meine Sachen für die „Experimentelle Schreibwerkstatt“ zusammen, die ich auf dem Tisch ausgebreitet hatte, um sie nochmal durchzusehen. Ich stopfte alles in die Tasche, die jetzt so voll war, dass ich sie nicht mehr schließen konnte. Während ich den Mantel überzog, streifte ich die Tasche und die Zigarrenkiste mit den aus Zeitungen ausgeschnittenen Wörtern fiel zu Boden, die Wörter purzelten heraus und lagen nun mitten im Gang, ich bückte mich um sie wieder aufzuheben. Schon hatte ich fast alle wieder in die Kiste geworfen-bis auf ein paar, die am Teppichboden klebten: Tisch, Katze, Perlen, Seide und Kleid las ich rein mechanisch und unternahm noch einen letzte Versuch, die Papierschnipsel mit den restlichen Wörtern mit spitzen Fingern aufzuheben. Doch kaum hatte ich sie berührt, rollten sie sich zusammen und kullerten als runde glänzende Perlen den Weg vor mir den Gang entlang um schließlich abrupt rechts abzubiegen um sich unter einem Sitz zu verbergen. Der Zug hielt, ich stand auf, hinter mir warteten schon weitere Passagiere darauf, dass ich den Durchgang endlich freigab.

Kaum war ich draußen auf dem Bahnsteig…

 


Das Fabulieren gemeinsamer Geschichten nach verschiedenen Methoden praktizieren wir mit viel Spaß und Leidenschaft in der "Experimentellen Schreibwerkstatt". Mehr Informationen gerne über das Kontaktformular oder telefonisch.