Musikinstrumente einfach selbst gebaut

Mein ersten selbstgebauten Instrumente waren Trommeln. Will man nicht unbedingt viel Geld ausgeben, lohnt es sich, unterschiedliche Gegenstände wie  Blechdosen, leere Waschmittel-kartons oder Holzkisten auf ihre Tauglichkeit als Klangkörper zu prüfen, indem man probehalber mit

einem Holzstab dagegenschlägt. Es lohnt sich im doppelten Sinn, denn neben dem Sparsamkeitseffekt ist es interessant, Alltagsgegenstände außerhalb ihres gewöhnlichen Kontexts zu erkunden. Die Klangkörper sollten nicht zu klein sein. Große Konservendosen oder Ähnliches findet man in der Gastronomie oder bei Großverbrauchern (z.B. Seniorenheim, Krankenhaus). Meine Trommeln habe ich bespannt mit Leder oder mit dickem Packpapier. Das beste Papier habe ich in der Altpapierkiste im Supermarkt gefunden, die direkt neben der Obstabteilung steht. Natürlich habe ich vorher höflich gefragt. Das Papier habe ich großzügig zugeschnitten und möglichst straff auf die Öffnung der Dose geklebt. Dabei habe ich doppelseitiges Klebeband verwendet, welches ich am oberen Dosenrand anklebte. Das Papier brachte ich zunächst in Form indem ich es über die Dose gestülpt und eine Pfalz gestrichen habe. Nachdem der doppelseitige Klebestreifen am oberen Dosenrand besfetigt war, streifte ich das Papier über die Dose und den Klebestreifen. Dieser Halt erschien mir nicht ausreichend, deshalb umwickelte ich das Papier noch einmal fest mit Kordel. Dabei befestigte ich auch gleich die äußere Hülle der Trommel, welche lediglich zur Verschönerung dient. Hier habe ich Leder- und Stoffreste verwendet und daraus eine (straff sitzende) Hülle genäht.


Rasseln aus Astgabeln und Kronkorken
Rasseln aus Astgabeln und Kronkorken

Als Vorbereitung zu einem Kinderferienkurs zum Thema "Steinzeitmusik" bastelte ich diese Rasseln. Die Anleitung dazu habe ich hier gefunden:

http://www.labbe.de/zzzebra/index.asp?themaid=544

Mir ist klar, wenn ich konsequent "steinzeitlich denke", sind die Kronkorken fehl am Platz und müssen durch Nüsse oder Ähnliches ersetzt werden! Die Kronkorken sind jedenfalls leichter zu beschaffen und ergeben  angenehme Geräusche. Die Löcher habe ich einfach mit Hammer und einem dickeren Nagel reinbekommen. Aufgefädelt sind sie auf etwas stärkerem Blumendraht. Wenn der Draht zu dünn ist, reißt er leicht. Die Belastung beim Rasseln kann ziemlich stark sein. Wichtig ist auch, den Draht schön straff zu spannen.


Relativ einfach herzustellen waren diese Klanghölzer. Ich habe Holunderzweige verwendet, die ich  ein paar Monate trocknen ließ. Das Schwierigste ist, das Mark im Inneren der Äste herauszupulen. Mit langen Schaschlikspießen kommt man ganz gut zum Ziel. Die Rinde schnitzte ich mit dem Taschenmesser ab. Diese Hölzer klingen so speziell, weil sie hohl sind. Es empfiehlt sich unbedingt, auch mit anderen Holzarten zu experimentieren! Natürlich dann ohne diese auszuhöhlen, denn das Mark im Inneren der Äste ist ein charakteristisches Merkmal des Holunders. Normalerweise gilt die Faustregel: je härter das Holz, desto besser der Klang. Für meine Zwecke bin ich jedoch mit dem Ergebnis zufrieden. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Holzes war für mich die leichte Verarbeitung.


Der Klang des hohlen Holzes brachte mich auf die Idee, gewöhnliche Haushalts- und Gebrauchsgegenstände "zum Klingen zu bringen". Diese beiden Zapfhähne wurden nach meinem Klangtest mit in mein Schlaginstrumente-Orchester aufgenommen!

Eine große Hilfe bei der Vorbereitung zu meinem Kinderferienkurs "Steinzeitmusik" war das Buch "Klänge aus der Natur"- akustische Ökologie und das Spiel mit elementaren Musikinstrumenten, von Hannes Heyne.

(Drachenverlag, ISBN 978-3927369-46-7)

Ich werde im nächsten Kapitel welches sich der Anwendung der Musikinstrumente widmen  wird, auf Heynes exzellent geschriebenes und äußerst interessantes Buch zurückkommen.

Auf der Suche  nach einer Möglichkeit, Naturgeräusche zu erzeugen, habe ich die Bastelanleitung für eine Bassgeige ( Zzzebra-das Web-Magazin für Kinder, www.labbe.de/zzzebra/druckversion.asp?themaid=544&titeli)

in der Form abgewandelt, dass ich wunderbare Sturm-und Gewittergeräusche produzieren kann. Dazu stelle ich den Fuß auf das Brett (unten)und bringe den Resonanzkörper (Konservendose) kräftig inSchwingung indem ich an der oberen Aufhängung ziehe. (Handbewegung ähnlich wie beim Drippeln mit einem Ball). Die starken Stahlfedern haben sich dabei als wahrer Glücksfund erwiesen. Kinder lieben dieses "Instrument" über alles! Mir ist klar, dass diese Beschreibung von einer exakte Anleitung meilenweit entfernt ist. Dennoch darf dieses Instrument nicht im meiner Aufzählung fehlen, denn bei dem Versuch eine "Bassgeige" zu bauen ist dies dabei rausgekommen. Mein Rat lautet also:

Keine Angst vor dem Mißlingen haben und sich über überraschende Ergenisse freuen!


Dies ist mein erster Versuch, ein pentatonisch gestimmtes Saiteninstrument zu bauen. Es kann ohne Kenntnisse oder Vorgaben einfach zu jedem Lied gespielt werden und ist so ideal geeignet zum freien Musizieren mit kleinen Kindern, die noch kein Instrument beherrschen. Natürlich kann ich es auch in der Seniorenarbeit einsetzen, doch dazu mehr im nächsten Beitrag "Anwendung von selbstgebauten Musikinstrumenten". Meine Intention war, das Spektrum der selbsterzeugten Klänge zu erweitern. Da ich ja auch leidenschaftlich gerne Zither spiele, ist mir der Umgang mit dem Stimmgerät und dem Stimmschlüssel vertraut. Meine Erfahrungen mit dem Eigenbau teile ich gern und stehe ebenso gern zu detaillierten Nachfragen zur Verfügung.

Material:

- Als Rahmen verwendete ich das untere Seitenteil eines alten, kaputten Stuhls. Ich sägte mir einfach das Stück heraus, schliff die Kanten ab und fertig.

-6 Stimmwirbel und 6 Saiten (c-g-d-a-e-c), 6 Nägel. Stimmwirbel und Saiten habe ich mir von Zitherbau Marko (www.akkordzither.de) bestellt. In Fulda gibt es zudem das Musikfachgeschäft Mollenhauer mit ausgezeichnetem Service, wo man natürlich auch das nötige Zubehör bestellen kann. Zum Aufziehen und Stimmen der Saiten empfehle ich, sich die Anleitung von Zitherbau Marko anzuschauen. Das Buch "Was man über Musik wissen muss", Musiklehre für Jedermann, von Willy Schneider half mir dabei zu verstehen, was mit pentatonisch gemeint ist:


Xylophon aus Holz

Durch eine einfach erklärte Bauanleitung im Internet fühlte ich mich ermutigt, ein stabiles Xylophon zu bauen. Dieses Instrument habe ich für meinen dreijährigen Enkel gebaut. Das Material: Holzleisten von einem alten Lattenrost, zwei Stuhllehnen, Holzperlen, Holzdübel (alles Buchenholz)

Die längste Holzleiste ist 25 cm lang, die darauffolgende 24 cm, dann wieder einen Zentimeter weniger und so weiter. Die Breite beträgt 3 cm. Man sollte die Leisten nicht zu schmal machen, um sie noch gut anschlagen zu können.

Ein Blick auf die Unterseite zeigt, wie ich Stabilität in den Rahmen bekommen habe. Im Bild oben sieht man eine Querleiste, die ich in die schon vorhandenen Löcher fest reingesteckt habe (Mein Material war ja ein alter Stuhl). Wenn man normale Holzleisten aus dem Baumarkt verwendet, schraubt man diese einfach zusammen. Die Klangleisten sind auch mit Holzdübel verbunden. Zum Schluss habe ich die Holzperlen daraufgesteckt. Ein Tropfen Holzleim, in die obere Öffnung der Holzperle gegossen, verhindert auch das geringste Wackeln. Nach dem Trocknen habe ich die mit Acrylfarben bemalten Klangleisten noch leicht mit Sprühlack eingesprüht. Im Rückblick auf meine selbstgebauten Instrumente kann ich mit Gewißheit sagen:

Auch wenn es ziemlich viel Arbeit war, ich freue mich sehr über die Klangvielfalt. Meine Erfahrung zeigt mir, dass Kinder gerade von den selbstgebauten Instrumenten fasziniert sind. Besser kann ich das Interesse am Musizieren nicht wecken und der Impuls zum freien Spielen und Improvisieren ist wirklich sehr stark! Über die Anwendung der Instrumente in  Erwachsenen-und Seniorengruppen werde ich in Kürze hier schreiben.


Übrigens: meine eigene Spiellust ist natürlich auch mit entfacht worden und einige Klanginstrumente sind noch in Planung, andere noch nicht fertig...


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