Das fehlende kleine a

Alles begann damit, dass meine Freundin Manuela mir eine Weihnachtskarte schickte und den letzten Buchstaben meines Vornamens vergessen hatte: Aus Martina war nun Martin geworden! In meiner Antwort habe ich auch das kleine a am Ende ihres Vornamens eingespart. An Manuel von Martin. Sind geschlechterspezifische Vokale nicht sowieso irgendwie diskriminierend? Zumindest werden  wir jetzt nicht mehr in die Schublade „Frau“ gesteckt. Wir sind freie Planetarier, jawohl. Halt, doch jetzt kann es uns passieren, dass wir in der männliche Schublade landen! Wir brauchen ein neutrales Vokabular für Alle!

Liebe Manuel, Du siehst, was Du angerichtet hast: Nun will ich nicht mehr zurück hinter die Schranken der weiblichen Namenform. Niemals!

Vertrocknetes Blatt vom Rotkohl
Vertrocknetes Blatt vom Rotkohl

Ich habe die Freiheit gewittert und werde fortan den Namen Martin tragen. Eventuell denkbar wäre noch MartinA, was meinst Du, ManuelA? Die Saat des kleinen fehlenden Buchstabens a ist aufgegangen wie bei dem berühmt-berüchtigten Springkraut: An jeder Stelle meines Haushaltes, meines Tagesablaufes, ja meines ganzen Lebens hat nun eine neue Instanz das Regiment übernommen und prüft, was überflüssig geworden, was Ballast oder Schnörkelkram ist oder schon immer mal in Frage gestellt werden sollte. Das ist vielleicht ein frischer, lustiger Wind! Wer meint, die frische Brise würde nicht gut zur Adventszeit passen, der irrt, denn Altes abgeben und Neues empfangen ist genau das, was nun in der Luft liegt. Es ist ja nicht nur so, dass ich jetzt plötzlich nur noch von überflüssigen Dingen umgeben bin.

Sterndeuterweihnachtskarten
Sterndeuterweihnachtskarten

. Nein, denn andere, bislang unnütze Dinge verwandeln sich ganz unerwartet in Schönes und Nützliches und erfreuen meine Augen und meinen Geist. Zum Beispiel diese Sterndeuter-Weihnachtskarten hier, welche ich gerade aus Papierresten gebastelt habe. Ich verschicke diese Karten an Freundinnen und hoffe für uns alle, dass wir unsere Sterne nicht aus den Augen verlieren und dass bleibt, was bleiben soll und dass sich verändert, was dringend einer Änderung bedarf. Und ich wünsche uns einen verlässlichen inneren Kompass für die vor uns liegenden Wege !